Nachruf

Anwalt gegen das Unrecht gestorben

Ein Nachruf auf Rainer Felkl

Mit dem Rechtsanwalt Rainer Felkl verliert die Düsseldorfer Linke einen wichtigen Mitstreiter.

Im Alter von nur 65 Jahren ist der Düsseldorfer Anwalt Rainer Felkl verstorben. Rainer hat sich seit Jahrzehnten für Ausgegrenzte und für Linke in Düsseldorf engagiert. In vielen Prozessen hat er zusammen mit der Rechtshilfegruppe Düsseldorf u. a. für Hausbesetzer*innen und Demonstrant*innen gestritten, die Repressionen ausgesetzt waren. Auch für die TERZ hat er Mandate übernommen. Oftmals erreichte er mit seiner hartnäckigen Taktik Freisprüche oder die Einstellungen der Verfahren. In den letzten Jahren war er neben seinem ganz „normalen“ Anwaltsleben insbesondere für die Obdachlosen-Initiative fifty-fifty aktiv. Deshalb zitieren wir als Rechtshilfegruppe auszugsweise aus einem Artikel der Organisation, denn besser können wir die Trauer um Rainer auch nicht ausdrücken.

„Was für Rainer galt, war Credo in vielen sogenannten linken Kanzleien; nur, dass sich nicht wenige im Laufe der Jahre heimlich, still und leise davon verabschiedet haben: Keine Vermieter, keine Vergewaltiger, keine Nazis als Mandanten. Diese Grundsätze galten für Rainer bis zum Schluss.

Selbst dort, wo andere zurückgeschreckt sind, war Rainer zur Stelle. Dazu gehörte auch die Übernahme von Mandaten in zwei RAF-Prozessen. Seine Stammheimer Zeit hat ihn bis zuletzt geprägt. Eine Mandantin, die im linken Spektrum aktiv war, wurde wegen ‚Unterstützung einer kriminellen Vereinigung‘ zu einer langen Haftstrafe verurteilt, obwohl von ihr keine Gewalt ausgegangen war. Ein Unrechtsurteil aus einer Zeit, in der viele kluge Köpfe vorschnell als ‚Sympathisanten‘ verunglimpft und bisweilen mit Berufsverbot belegt wurden.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit in unterschiedlichen Kanzleien und neben seinem Privat- und Familienleben fand Rainer seit dem Jahr 2000 immer die Zeit, auch die Ärmsten der Armen zu vertreten, und engagierte sich als ehrenamtlich tätiger Anwalt bei unserem Straßenmagazin fiftyfifty. (...) So auch vor gut zehn Jahren, im November 2006, als ein fiftyfifty-Verkäufer auf dem Düsseldorfer Burgplatz durch allzu brachiale Stadtsheriffs des sogenannten ‚Ordnungs- und Servicedienstes‘ (OSD) mit Handschellen gefesselt wurde. Einer unser Streetworker, der schlichtend eingreifen wollte, wurde ebenfalls rüde angegangen und sollte mit einem Bußgeld in Höhe von einhundert Euro bestraft werden. Dank der juristischen Begleitung durch Rainer konnten aber die widersprüchlichen Aussagen der OSD-Mitarbeiter bei Gericht aufgedeckt werden, das Verfahren gegen unseren Streetworker wurde eingestellt und der OSD in seine Schranken verwiesen. In einem anderen Fall wurde ein einarmiger (!!!) fiftyfifty-Verkäufer nach einer Auseinandersetzung mit dem OSD zunächst vom Düsseldorfer Amtsgericht zu vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Dieses Urteil konnte jedoch dank Rainers scharfsinniger und vehementer Rhetorik in nächsthöherer Instanz vor dem Landgericht abgemildert und in Zahlung einer Geldstrafe umgewandelt werden. Und als wir ganz am Anfang unseres Engagements für Wohnungslose zusammen mit anderen symbolisch ein Haus besetzt hatten, konnte Rainer vor Gericht die Brutalität der Polizei nachweisen und somit Strafbefehle gegen uns verhindern.

Diese und viele, viele andere Geschichten haben uns durch 16 Jahre der Zusammenarbeit eng verbunden. Für seine Verdienste um die Rechte der Ärmsten der Armen wurde Rainer Felkl mit dem fiftyfifty-Menschenkind-Preis ausgezeichnet (...) Nun ist Rainer gestorben. Wir werden nicht nur die Telefonate auf kurzem Dienstweg vermissen. Und sein Engagement gegen Neonazis und für Flüchtlinge. Gegen Rassismus und für Solidarität. Rainer Felkl fehlt uns auch als Mensch und Freund. Wir empfinden tiefe Trauer über diesen schmerzlichen Verlust. Wir denken an seine Frau und Kinder und an alle, die mit ihm verbunden waren. Rainers Vermächtnis für die Ausgegrenzten und Armen wird bleiben. Weil der Mensch ein Mensch ist.

Julia von Lindern, Hubert Ostendorf und die ganze fiftyfifty-Familie“

Dem schließen sich die Rechtshilfegruppe Düsseldorf und auch die TERZ-Redaktion an.