Kolonial-Denkmal am Frankenplatz

„Afrikas Helden“

Nicht nur Straßennamen tragen die Erinnerung an Düsseldorfs koloniale Vergangenheit weiter. Auch in Stein gemeißelt lebt dieses Erbe fort. Am Frankenplatz etwa ehrt ein Denkmal die „deutschen Kolonialhelden“.

Auch Soldaten aus Düsseldorf zogen von 1904 bis 1908 in den Kolonial-Krieg gegen die Herero und Nama, der rund 60.000 Afrikaner*innen das Leben kostete. Zwei Offiziere, neun Unteroffiziere und 38 Mannschaften des in der Stadt stationierten 39. Niederrheinischen Füsilier-Regiments beteiligten sich an dem Gemetzel. Fünf von ihnen fielen im Kampf des Deutschen Reiches um einen „Platz an der Sonne“, darunter der Sohn des ehemaligen Gerresheimer Bürgermeisters Otto Edmund Bender. Ihnen allen gedachten die Veteranen vom Verein der ehemaligen 39er ein Denkmal zu errichten. Sie starteten einen Spendenaufruf und bekamen das Geld recht schnell zusammen. Der Bildhauer Peter Bürger, selbst ein Mitglied des 39er-Regiments, machte sich ans Werk, und am 26 Mai 1909 war es dann so weit. Auf dem Exerzier-Platz der einstigen Düsseldorfer Kaserne an der Tannenstraße fand die feierliche Enthüllung des Werkes statt.

Inspiriert vom klassischen Vorbild des „Sterbenden Galliers“ zeigt es einen zu Boden sinkenden Kolonialkrieger mit adrett sitzender Frisur. Die Waffe trägt er noch in der Hand, aber der Tropenhut ist ihm schon vom Kopf gerutscht. Unter der Inschrift „Es starben den Heldentod in Deutsch-Südwestafrika“ führt das Ehrenmal vier Namen auf. Dem fünften im Bunde war eine gesonderte Gedächtnistafel gewidmet, die aber inzwischen verschollen ist. Dann folgt der Satz: „Sterben im Dienste der Pflicht heißt Leben im Herzen der Nachwelt, Afrikas Helden, Euch nach führ’ uns der Stern eures Ruhms. Dem Gedenken deutscher Kolonialhelden, Kolonialkrieger-Verein Düsseldorf, errichtet vom Füs.-Regt. 39 seinen in Südwest-Afrika gefallenen Kameraden 1904-1907.“

Dieses Gedenken überlebte allerdings die Zeit der Besatzung des Rheinlandes nach dem Ersten Weltkrieg nicht lange unbeschadet. Dem Teil der französischen Truppen, der in der Tannenstraße Quartier bezog, behagte der Anblick in Stein gehauener deutscher Kolonialhelden ganz und gar nicht. Sie nutzten das Denkmal für Schießübungen und malträtierten es noch anderweitig. Aber gleich nach ihrem Abzug 1925 nahm der Verein der ehemaligen 39er seine Erinnerungspolitik wieder auf. In Tateinheit mit Kolonialvereinen und dem Bürgerverein Zoo setzte er sich für eine Restaurierung des sterbenden Germaniers ein. Damit nicht genug, forderten die Gruppen auch noch eine Verlegung des Ehrenmals in den öffentlichen Raum. Vom Phantomschmerz ob der verloren gegangenen Kolonien geplagt, hofften sie so, der Kolonial-Bewegung erneut Auftrieb geben zu können.

Erst die Nationalsozialisten jedoch erhörten ihren Ruf. Das braune Düsseldorfer Rathaus richtete eine Ecke des Frankenplatzes für den Kolonialkrieger her, während die Initiatoren das Geld für die Renovierung durch Spenden-Kampagnen und den Verkauf von Gesangsbüchern des Füsilier-Regiments zusammentrugen. Für die zweite Einweihung 1935 hatten sich die Verbände dann einen passenden Anlass gesucht: die Kolonialkrieger-Tagung in Düsseldorf. Zur Feier des Tages reiste extra Prominenz aus Berlin an. Die Festrede hielt der Leiter des Kolonialpolitischen Amtes der NSDAP und spätere Chef des Reichskolonialbundes, Franz Ritter von Epp. Sogar Abgesandte der „Askari“, derjenigen Afrikaner, die einst in Diensten der deutschen Kolonialtruppen standen, nahmen an der Zeremonie teil.

Das Denkmal erfuhr dabei jedoch eine Umwidmung. Nach einer entsprechenden Veränderung der Inschrift ehrte es nunmehr nicht mehr allein die Düsseldorfer Soldaten des 39er Regiments, die in Deutsch-Südwestafrika gefallen waren, sondern firmierte als „allgemeines Kolonial-Ehrenmal“. Und die interessierten Kreise wussten es öffentlichkeitswirksam zu nutzen. So legte die Düsseldorfer Ortsgruppe des Reichskolonialbundes dort am 13. März 1938 gleich nach dem Anschluss Österreichs einen Kranz nieder.

Dem Bund reichte aber all das noch nicht. Deren Gauleiter Heinrich Jünemann, auch SA-Obersturmbann-Führer und Autor des Buches „Die Kolonialfrage im Dritten Reich“, bemühte sich, ein zweites Kolonial-Denkmal nach Düsseldorf zu holen. Die Stadt Potsdam fremdelte nämlich mit einem Werk von Walter von Ruckteschell, obgleich der damals als einer der herausragenden Vertreter der „kolonialen Bildhauer-Kunst“ galt. Einen idealen Ort dafür hatte Jünemann bereits ausgeguckt: den Düsseldorfer Yachthafen. Aber dazu kam es dann nicht. Als sich aber nach dem Zweiten Weltkrieg erneut die Chance bot, das Ehrenmal an den Rhein zu holen, setzte Jünemann wieder alle Hebel in Bewegung, allerdings wieder vergeblich. Letztlich bekam die Gemeinde Aumühle bei Hamburg den Zuschlag, das Denkmal aus Potsdam zu übernehmen.

Probleme an sich mit einem solchen Denkmal hatte auch nach 1945 in Deutschland niemand. Dem Düsseldorfer Krieger wollten lange nur Diebe Übles. Im Januar 1951 machten sie sich daran, es vom Sockel zu hieven, scheiterten jedoch. Der Kulturausschuss der Stadt ließ sich das eine Lehre sein. Er veranlasste eine stärkere Befestigung und erneuerte die Schrifttafel. Erst die Studentenbewegung legte dann wieder Hand an. 1967 zerstörten Studierende die Gedenktafel. Es sollte dann bis 2004 dauern, ehe dem Kolonialkrieger erneut zu Leibe gerückt wurde. Im Gedenkjahr des Kolonial-Krieges im ehemaligen „Deutsch-Südwestafrika“ erhielt er auf Initiative der Evangelischen Kirche hin eine zusätzliche Text-Tafel als Beigabe. Diese beschrieb die wechselvolle Geschichte des Denkmals und hielt fest: „Uns ist es ein Symbol für die Verantwortung, die aus der Geschichte erwächst. Es ist uns Mahnung, für die Würde aller Menschen, Völker und Rassen einzutreten. In diesem Sinne gedenken wir der Menschen Namibias, die während des Kolonial-Krieges 1904 - 1907 (sic) in „Deutsch-Südwestafrika“ dem Völkermord durch deutsche Truppen zum Opfer gefallen sind“. Dem Autor Joachim Zeller zufolge, der ein ganzes Buch über Kolonial-Denkmäler geschrieben hat, ist dies die erste Gedenktafel in der ganzen Bundesrepublik, welche die Kolonial-Verbrechen als Völkermord bezeichnet.