Mettmann – Wiege des Abendlandes

Die Neonazi-Partei „Der III. Weg“ kennt keine Feiertage – auch an ihrem „Julfest“, dem 24.12.2017, wollen die Kameraden der extrem rechten Partei in Düsseldorf unterwegs gewesen sein. Zum Jahresanfang 2018 sehen sie die Wiege der Bewegung für die Landeshauptstadt aber wohl doch eher vor den Toren der Stadt: in Mettmann. Und wir dachten, da gibt’s nur Samba.

Im Dezember 2017 berichtete „Düsseldorf Rechtsaußen“ zuletzt über die Partei „Der III. Weg“ und deren Auftreten in Düsseldorf. Schon kurz nach Neujahr mussten die Autorinnen und Autoren des Blogs, der regelmäßig über die rechte Szene in Düsseldorf und dem Umland berichtet, wieder in die Tastatur greifen und ihre Homepage mit neuen Informationen über die extrem rechte Partei und ihre Organisierungsversuche in NRW füttern. Denn „Der III. Weg“ traut sich offenkundig nun auch längerfristig in den Großraum Düsseldorf, um hier ein paar echte Holzfäller-Kerle für den selbsterklärten Kampf für ein wahres Deutschtum, gegen „Ausländerbanden“ und gegen den herbeiphantasierten nahen „Volkstod“ zu begeistern (der Vollständigkeit halber: Es wurden bislang kaum Frauen gesichtet, die sich in und um Düsseldorf herum aktiv für „Der III. Weg“ zu begeistern scheinen).

Erst Ende Dezember, sogar am 24.12. (hey, Nazis: Euer „Jul-Fest“ ist ein wichtiger Feiertag für die ganze Familie! Wieso lasst Ihr da Frau, Familienoberhaupt, Kinder und Omma und Oppa im Stich? Fehlt Euch etwa die ideologische Festigkeit in der Alltags-Praxis einer deutschen Familie?) und am 31.12. will „Der III. Weg“ in Düsseldorf neuerlich mit kleineren Aktionen aktiv gewesen sein.

Nun berichtet „Düsseldorf Rechtsaußen“ in einem neuen Bericht vom 7.1.2018 auch über ein größeres Treffen der aufrechten deutschen Kameraden von „Der III. Weg“, die sich nun verstärkt darum zu bemühen scheinen, innerhalb der bundesweiten Partei-Arbeit einen „Stützpunkt“ in und um Düsseldorf herum aufzubauen. Offenbar, wie „Düsseldorf Rechtsaußen“ schreibt, in Planung der Gründung eines neuen „Gebietsverbandes West“. Bislang ist „Der III. Weg“ in NRW nur mit zwei „Stützpunkten“ vertreten: Im Sauerland und im „Hermannsland“ in Ostwestfalen.

Samba in Mettmann

Ihr volksdeutsch Thing-orientiertes, geschichtsrevisionistisch NS-verherrlichendes und extrem rechtes Treiben will „Der III. Weg“ nun also in eine gewisse Form gießen. Wie das aussehen kann, macht ein Foto von der Homepage der Partei deutlich – kunstvoll geknipst von jemandem, der diese Sache mit dem Blitzlicht-Dings nicht so drauf hat. Es zeigt einen bestuhlten Raum mit Blick auf eine kleine Bühne sowie „17 von hinten fotografierte Personen, die meisten mit ‚Der III. Weg‘-Jacken bekleidet“. Sie lauschen „ihrem auf der Bühne sitzenden ‚Führer‘ Julian Bender, dem unter anderem für NRW zuständigen ‚Gebietsleiter West‘ aus Olpe“. Bender präsentiert „Powerpoint-unterstützt das Programm der Partei“.

Der Blog „Düsseldorf Rechtsaußen“, der in seinem Artikel auf die Neonazi-„Saalveranstaltung“ aufmerksam macht, berichtet weiter darüber, wo diese ominöse Propaganda- und Selbstvergewisserungsveranstaltung stattgefunden hat: in Mettmann. Da, wo sonst nur Samba ist – wenn wir einem Comedian und einem seiner Filmprojekte (Hape Kerkeling und „Samba in Mettmann“) glauben wollen. What a place! Ohne dem Sauerland zu nahe treten zu wollen: Aber Mettmann? Loide, da gibt es aber schickere Ort, um das neue Großdeutsche Reich einzuläuten! Stil hatten wir nicht erwartet, aber das ist schon ein bisschen „bäh“, oder?

Vor nix fies ist sich offensichtlich auch die „Lounge Deluxe“ an der Elberfelderstraße in Mettmann. Düsseldorf Rechtsaußen schreibt: „Seit mindestens acht Jahren wird diese Lokalität von der neonazistischen Szene für Mobilisierungs- und Vortragsveranstaltungen, Konzerte, Kameradschaftsabende und Mitgliederversammlungen genutzt: von der NPD und der ‚Gemeinschaft deutscher Frauen‘ (GDF) über die ‚Freien Kameradschaften‘ bis zu den Düsseldorfer und Wuppertaler Kreisverbänden der Partei ‚Die Rechte‘. Gaststätteninhaber Frank Krellner wurde bereits Anfang Dezember 2009 nach einer Veranstaltung der GDF [...] mit seiner Raumvergabepraxis konfrontiert. Er sah jedoch keinerlei Handlungsbedarf und setzte seine Praxis fort, was antifaschistische Aktionen zur Folge hatte“. Vor dem „Lounge Deluxe“ bekam Frank Krellner im Mai 2011 dann folgerichtig Besuch von der Antifa, die die Anwohner*innen öffentlichkeitswirksam über Krellners Kneipe informierte (TERZ 06.11). „Ähnliches wiederholte sich in den Folgejahren“, heißt es bei „Düsseldorf Rechtsaußen“. Der „massiv zu Verschwörungstheorien neigende, aber wahrscheinlich nicht neonazistisch organisierte“ Gastwirt musste in der Folge einiges aushalten. Doch seine Gäste von der Neonazi-Stange Marke NPD bis Kameradschaften unterstützen ihn. Am „28. Juni 2011 organisierten sie sogar für den massiv unter Druck stehenden Gastwirt und anlässlich einer städtischen Informationsveranstaltung über Neonazismus eine Kundgebung unter dem Motto ‚Pressehetze abschalten‘ auf dem Mettmanner Jubiläumsplatz, bei der Krellner persönlich zugegen war (Bericht im Blogeintrag von NRW Rechtsaußen vom 29.6.2011). Wirtschaftlich dürfte Krellner derartiges Gebaren über die Jahre massiv geschadet haben. Im Juli 2017 bekundete er, dass alle ‚Geldreserven aufgebraucht‘ seien. Gelernt hat er offenbar nichts daraus, wie die freizügige Raumvergabe an den ‚Der III. Weg‘ zeigt.“

Ringelpietz mit Anfassen

Dass der bürgerliche Neonazismus in Deutschland 2018 keinerlei Scheu hat, sich mit der extremen Rechten Ziele und bislang auch Ausdrucksformen zu teilen, wissen wir nicht erst seit „Schießbefehl“-Posts oder der offenen Unterstützung von Kampagnen der neonazistischen „Identitären Bewegung“ durch die „Alternative für Deutschland“ (AfD). Dass sich die AfD in einem gemeinsamen Politikfeld mit Stiefelnazis bewegt und locker Schnittmengen-Grenzen übereinander schiebt, ist auch keine neue Erkenntnis. Nur so unbedingt sichtbar ist das nicht – anders als bei den offenkundigen Unterstützungs- und Gemeinsamkeits-Strukturen zwischen AfD und Identitärer Bewegung. Darum ist es vielleicht auch von Interesse zu wissen, dass die AfD im Landtag von Nordrhein-Westfalen zuletzt auf genau den braunen „Der III. Weg“-Kübelwagen aufgesprungen ist, den die Düsseldorfer ‚Kameraden‘ der Neonazi-Kleinpartei Ende letzten Jahres durch die menschenfeindlichen Diskurse zu steuern versucht hatten – freilich, ohne die Gewandtheit des Ausdrucks, wie wir sie von den Nazis in der AfD kennen.

Die brachiale Variante von Raumergreifungsstrategie sah dabei zunächst so aus: „Der III. Weg“ hatte sich mit seiner „Nationalen Streife“ Ende November 2017 aufgemacht, den Düsseldorfer Hofgarten vor „kriminellen Ausländern“ schützen zu wollen. Als 5-köpfige Kombo in „Der III. Weg“-Jacken stapften die Kameraden durch die Pfützen im Park, sich selbst per Handyphoto bei ihrem Rundgang dokumentierend. Damit griffen sie die Nachricht auf, dass es am 18. November 2017 eine Angriffssituation zwischen zwei Gruppen nächtlicher Passant*innen im Hofgarten gegeben habe. Nun wollten sie wohl in Sheriff-Manier deutsch-saubere Stärke zur Wiedererlangung der öffentlichen Sicherheit demonstrieren. Nur eben mit selbstgebasteltem Auftrag und unter Androhung von Gewalt.

In der Parteipolitik von denen, die tatsächlich ein Wahlvolk haben, das sie verdient, werden auch Diskurse gekapert, allerdings mit den Mitteln der parlamentarischen Praxis: Die AfD bezog sich mit einer kleinen Anfrage im NRW-Landtag nämlich auf das gleiche Ereignis, das die Partei-Streife des „Der III. Weg“ bereits in die rechten Diskurse gespült hatte. Der pensionierte Diplom-Versicherungskaufmann Herbert Strotebeck, seit der letzten Wahl Mitglied der AfD-Fraktion im Landtag von NRW, wollte mit der Anfrage Numero 562 am 22.11.2017 von der Landesregierung unter anderem wissen, was die NRW-Regierung zu tun gedenke, um im Hofgarten wieder für Sicherheit zu sorgen (als sei die „Nationale Streife“ nicht schon Sicherheitsrisiko genug!) und ob die Polizei den Hofgarten inzwischen zur „No Go Area“ erkläre. Dann wollte der Abgeordnete Strotebeck außerdem noch in Erfahrung bringen, ob und wie die Landesregierung sich in diesem „konkreten“ Fall „für eine unverzügliche Abschiebung der ermittelten Täter“ einsetze.

Paartanz: Nazis im rassistischen Alltag

Strotebeck kennt Düsseldorf. Und er kennt Mettmann. Ob er tanzen kann, wissen wir nicht. Aber er ist Sprecher im AfD-Bezirksverband Düsseldorf und im AfD-Kreisverband Mettmann. Vielleicht geht er auch gerne mal in die Kneipe. Ob die „Lounge Deluxe“ zu seinen Stammlokalen zählt, lässt sich gewiss herausfinden.

Aber selbst wenn das vielleicht Strotebecks Geheimnis bleibt: Davon unbenommen ist, dass die AfD sich mit „Der III. Weg“ in diesem „konkreten“ Fall gut versteht, und sich beide vielleicht sogar gegenseitig anspornen in ihrer widerlichen Politik. Die einen schreiben Papier voll und erzeugen eine Stimmung der Angst und des Hasses. Die anderen haben Sportjacken mit Partei-Beflockung in Eichenlaub-Romantik an und demonstrieren Härte und Kampfbereitschaft beim breitbeinigen Gruppen-Spaziergang durch einen traurig-nasskalten Park oder durch das stiernackige Sitzen in abgehalfterten Kneipen. Irgendwie ist dieses Duale System aus Hass und Gewalt wie Paartanz. Nur anders.

Wenn das das Abendland ist, was es zu retten gilt, können sie es – alle beide – von uns aus geschenkt haben. Was könnte trister sein: Samba, Mettmann, ein Mehrzweckraum mit Goldspiegeln in einer wirtschaftlich abgewrackten Vorstadtkneipe, schales Bier aus der Flasche und ein AfD-Politiker, der Versicherungskaufmann war? Ach, das ist wirklich sowas von „igitt“.

Noch weniger ‚Abendland‘ ist es, wenn wir in der Antwort der Landesregierung auf die AfD-Frage nach der „unverzügliche[n] Abschiebung der ermittelten Täter“ dann darüber hinaus lesen, dass „Der Abschiebung von ausreisepflichtigen Straftätern in Nordrhein-Westfalen eine besondere Priorität zu[komme]“. Über den „konkreten“ Sachverhalt könne man aus Datenschutzgründen nichts sagen. Mit keinem einzigen Wort geht die Antwort darauf ein, dass die AfD in ihrer Anfrage bewusst eine vorverurteilende Sprache benutzt hat, als sie von „Tätern“ sprach. Eine Zurückweisung dieser Kriminalisierung scheint die Landesregierung nicht für nötig zu erachten. Stattdessen betont sie, zuvorkommend und mit einem Stoß ins gleiche Horn, ihre harte Abschiebungspolitik.

Das ist kein argloser Ballett-Tanz im innenpolitischen Feld. Das ist Rechtspopulismus auf Zuruf. Auch die große Politik von Schwarz über Gelb, Rot und Grün marschiert mit zur Melodie des rassistischen Abschottungs-Klimas. Sie gibt seit den 1990er Jahren sogar den Takt vor! Kein Wunder, dass es hierzu nun auch eine Haudrauf-Variante gibt: mit rassistischen Worten oder rechter Gewalt. Oder mit beidem. Abendland geht anders. Zumindest eines von Klasse.

Wir bedanken und bei „Düsseldorf Rechtsaußen“ für die Recherche und für ihren Artikel. »‚Parteivorstellung‘ des ‚Der III. Weg‘ im ‚Raum Düsseldorf‘«, den wir für diese bittere Glosse geräubert haben. Vielen Dank für Eure Arbeit! Eure Seite sei allen empfohlen, die wissen wollen, was in Düsseldorf und Umgebung am rechten Rand passiert. Geht zu: https://duesseldorf-rechtsaussen.de