Das Antifa Café Düsseldorf lädt ein:

„Der Kuaför aus der Keupstraße – Keupstraße’deki kuaför“

Im Februar zeigt das Antifa Café im Linken Zentrum Hinterhof den Film „Der Kuaför aus der Keup­straße“. Es ist eine gute Zeit dafür – kurz vor dem Ende des NSU-Prozesses in München. Und: Weil es immer Zeit dafür ist, darüber zu sprechen, was der Film zeigt.
Denn das Problem heißt Rassismus!

Der Film beginnt mit dem aus dem Off eingesprochenen Text, wie Zeuginnen und Zeugen ihn in Ermittlungsverfahren und Prozessen zu hören bekommen, bevor sie aussagen müssen. Sie werden über ihre Rechte belehrt: „Ich muss Sie darüber aufklären, dass Sie keine Angaben zur Sache machen müssen, wenn Sie mit dem Betroffenen verwandt oder verschwägert sind. Wenn Sie Angaben zur Sache machen können, sind Sie gehalten, die Wahrheit zu sagen. Andernfalls könnten Sie sich strafbar machen.“

In der übernächster Einstellung sehen wir den damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck, wie er am 9. Juni 2014, am 10. Jahrestag des Sprengstoffanschlages auf der Keupstraße in Köln, auf dem Birlikte-Fest auf der Deutzer Werft eine Rede vor tausenden von Besucher*innen hält. Wir sehen Gauck aus der Bühnen-Perspektive, er spricht: „Und wir fühlen es doch, an einem Tag wie heute. Dieses Fest schafft Großartiges. Es beantwortet den Hass der Wenigen mit dem Mitgefühl und der Solidarität der Vielen. Das ist ein Geschenk von und für die Keupstraße, deren Anwohner sich nicht unterkriegen lassen.“ Schon im Vorspann also wird ahnbar, dass das Wort „Geschenk“, von dem Gauck im Sommer 2014 spricht, einen unguten Klang hat. Dass es nicht echt ist.

Der „Kuaför aus der Keupstraße“ ist ein beeindruckender Film. Sein Thema ist genau dieser Zwischenraum, dieses Spannungsfeld. Denn er zeigt die konkrete Situation, in die alle Betroffenen des Nagelbombenanschlages vom 9. Juni 2000 in Köln-Mülheim gekommen sind, in dieser Reihenfolge: Überlebende zu sein. Als Opfer verdächtigt zu werden und als Täter und Täterinnen befragt worden zu sein – jenseits aller Rechte und Pflichten, die im Gesetz für Betroffene von Straftaten vorgesehen sind. Und die zugleich – sobald klar war, dass die Nagelbombe von Neonazis aus dem Kreis des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) gelegt worden war, die mit rechtem Terror in der türkischen Community Angst und Schrecken hatten verbreiten wollen – zum Objekt einer Anteilnahme gemacht wurden, die für alle falschen, stigmatisierenden und verletzenden Verdächtigungen gegenüber den Betroffenen offenbar kein Gedächtnis hatte. Und keine Aufrichtigkeit. Eine Anteilnahme, die sich nicht danach fragte, ob es nicht auch längst einmal Zeit wäre, ein Fest wie „Birlikte“ 2014 zu nutzen, um sich dafür zu entschuldigen, dass der Staat die Betroffenen, die Überlebenden und Angehörigen vom Zeitpunkt des Anschlages vom 9. Juni 2004 bis zur Selbstenttarnung des NSU verdächtigt hatte, die Bombe selbst gelegt zu haben.Gauck hätte das dort auf der Bühne tun können. Es wäre ‚nur‘ ein Wort gewesen: Entschuldigung.

Der Film zeigt, wie dringend notwendig es ist, nicht aufzuhören, darüber zu sprechen: Das Problem heißt Rassismus!


Das Antifa Café Düsseldorf lädt ein:

„Der Kuaför aus der Keupstraße – Keupstraße‘deki kuaför“

Ein Film über die Geschichte und Situation der Überlebenden und Betroffenen des Kölner Nagelbombenanschlages vom 9. Juni 2004

Dienstag, 20.2.2018, Linkes Zentrum Hinterhof, Corneliusstraße 108, Einlass und Kneipe ab 19 Uhr – Beginn des Films um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Eine kleine Spende für die Lizenzgebühr für den Film ist gerne gesehen!