idiotoreal

Das war zu befürchten: Elf Leute können nicht mal einfach so ein Spiel verlieren, ohne dass das für irgendetwas stände. Schließlich darf die Sinn-Produktion ebenso wenig jemals stillstehen wie die Industrie-Produktion. Also ist Joachim Löw Angela Merkel, Özilgate seine Flüchtlingskrise, das ganze Land „ausgezehrt, erschöpft, müde“, ohne Match-Plan, Plan B und den „absoluten Glauben an den Erfolg“. Stattdessen ist es von der Angst vor Fehlern, Streit, Apathie, Gereiztheit, Arroganz und mangelnder Flexibilität heimgesucht. Praktischerweise passt das in der Therapie deshalb auch alles auf eine Couch. „Etwas mehr Führung, etwas weniger flache Hierarchien, etwas weniger „Mutti“ und dafür gelegentlich eine Blutgrätsche könnten Politik wie Fußball nur nutzen“, schreibt Rüdiger Suchsland auf Telepolis. Zu einer solchen Blutgrätsche setzt der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) mit seinem Polizeigesetz gerade an, und auch die Flüchtlingspolitik war nicht so „Mutti“, als dass sie nicht Initiativen wie STAY! auf den Plan gerufen und zumindest das Halbfinale verdient hätte. Und das Düsseldorfer Telefonie-Unternehmen Sipgate dürfte Suchsland ebenfalls gefallen, denn Flexibilität ist gar kein Ausdruck für das, was da auf der Gladbacherstraße passiert. Jetzt aber Schluss mit der Parallelaktion. Die Terz verabschiedet sich in die Sommerpause und gibt ihren LeserInnen noch diese Lebensweisheit mit auf den Weg: Die Politik ist nicht rund und dauert leider länger als 90 Minuten.