Von der Notwendigkeit einer gelebten Friedenskultur

Anspruch und Realität liegen oft weit auseinander. Diese leidvolle Erfahrung haben bereits viele gemacht, die in linkspolitischen Zusammenhängen aktiv sind. Wir träumen von Utopien, reden von Solidarität, und im nächsten Moment zerfleischen wir uns in hitzigen Diskussionen und verschwenden Energie und Zeit, die wir doch viel besser gebrauchen könnten, um die Welt um uns herum zu gestalten.

Gründe für unser Verhalten gibt es viele und oft ist die Intention durchaus verständlich. So wird schon mal vorschnell gepoltert, um die hart erarbeiteten Errungenschaften vor Veränderungen zu schützen. Gleichzeitig wird die Chance auf Weiterentwicklung vertan. Oder die hundertste Grundsatzdiskussion, die von den Alteingesessenen pampig abgebügelt wird. Kein Schritt zurück, heißt dann das Motto. Und das ist oft wichtiger, als andere in ihrer Entwicklung des eigenen politischen Standpunktes zu unterstützen. So wurden schon manche Interessierte vergrault. Aber auch ein einfacher politischer Disput kann schnell in verletzenden Äußerungen enden. In einer lebendigen Organisation ist der ständige Diskurs unerlässlich. Wer naives Nachfragen als Angriff versteht und dem Gegenüber erst mal ein Mangel an kritischem Denken vorwirft, schadet nur dem eigenen Anliegen. Vielmehr ist es nötig anzuerkennen, dass mein Gegenüber vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrung spricht. Und diese Erfahrung ist oft größer und differenzierter, als wir zunächst annehmen. Sollten wir dann immer noch der Meinung sein, unserem Gegenüber fehle es etwas an Perspektive, dann ran an die Arbeit. Mit dem Vorschlaghammer vermittelt man jedoch nichts.

Ein respektvoller Umgang miteinander sollte, angesichts der sozialen Kälte hier, doch eigentlich ganz oben auf unserer Liste stehen. Aber wie stellen wir das an? Leichter als andere zu ändern, ist es, an der eigenen Konfliktfähigkeit zu arbeiten. Warum nicht mal einen Kurs in Gewaltfreier Kommunikation (GFK) besuchen? Das von Marshall B. Rosenberg entwickelte Konzepte versteht sich als Grundhaltung, bei der eine wertschätzende Beziehung im Vordergrund steht. Und jedeR der/die es ausprobiert, wird überrascht sein, dass selbst mit einem vermeintlichen politischen Gegner Kommunikation und Austausch wieder möglich werden kann. Und bei bereits eskalierten Konflikten gibt es das mächtige Werkzeug der Mediation (siehe Kasten). Ich plädiere für eine gelebte Friedenskultur in der politischen Linken. Denn unsere Ideen sollen sich weiterentwickeln und sich vermehren, anstatt auf dem steinigen Weg der Kommunikation zwischen mir und dir verloren gehen.

CHRISTIAN DREES (FH-ASTA-VORSITZ)

Mediation
Mediation ist ein strukturiertes freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Beilegung eines Konfliktes. Gerade wenn in einer Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehr Personen ein Gespräch nicht mehr möglich scheint und Streit dominiert, können Mediator_innen als unparteiische Dritte vermitteln und den Beteiligten helfen, doch noch eine Lösung zu finden. Wichtigste Grundidee ist die Eigenverantwortlichkeit der Konfliktparteien: Der Mediator ist verantwortlich für den Prozess, die Parteien sind verantwortlich für den Inhalt. Die Anwendungsgebiete der Mediation sind vielfältig: Sie wird in Ehe- und Familienangelegenheiten, bei Scheidungen, Trennungen und Erbschaften, in Nachbarschafts- und Mietkonflikten, im Berufsleben, in Schulen und Jugendeinrichtungen sowie im Umwelt- und Planungsbereich eingesetzt.
Mehr Informationen zur Ausbildung: www.friedensbildungswerk.de, www.forum-demokratie-duesseldorf.de


TERMINE

Samstag, 16. April, 21 Uhr, Café Freiraum, Düsseldorf-Golzheim
Opening-Party des AStA-Referates "Café International"
Semester-Eröffnungsveranstaltung mit Live-Konzert der Band "Stereo Inn". Die Kölner Indie-Pop-Band spielt eine Melange aus Folk- und Singer/Songwriter und dem Feel-Good-Pop der 60er und 80er. Anschließend: Funk-Musik
In Kooperation mit dem International Office
Der Zugang zum Café Freiraum befindet sich links neben dem Haupteingang des FH-Gebäudes auf der Josef-Gockeln-Straße 9, Außentreppe auf der Wiese.

Dienstag, 19. April, 19 Uhr, zakk - Studio, Fichtenstr. 40
Film & Diskussion: "we feed the world"
Ein Film über Ernährung und Globalisierung, über den Mangel im Überfluss. Er gibt eindrucksvoll einen Einblick in die Produktion unserer Lebensmittel und erste Antworten auf die Frage, was der Hunger auf der Welt mit uns zu tun hat.
Veranstaltet vom Referat für politische Bildung des AStA FH-D in Kooperation mit der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen

Mittwoch, 27. April, 19.30 Uhr, Zentrum Hinterhof, Corneliusstr. 108
INPUT - antifaschistischer Themenabend
Tote Helden leben länger. Märtyrerkonstruktionen in der extremen Rechten

Albert Leo Schlageter, Horst Wessel, die Toten des "Hitler Putsch" - der Nationalsozialismus suchte sich nicht nur tote Helden, er schuf um sie einen Kult. Heldengeschichten bieten Identifikation und können sinnstiftend sein - das weiß man auch in der heutigen extremen Rechten. Dabei bedient man sich zum einen Märtyrerfiguren, mit denen Elemente des nationalsozialistischen Totenkults aufgegriffen werden können, zum anderen konstruieren Neonazis "eigene" Mythen. Was aber lässt einen Mythos wirkungsmächtig werden? Welche Elemente braucht eine Heldengeschichte, um anziehend zu sein? Wie funktionieren die verschiedenen Erzählungen? Und warum können Neonazis einige von ihnen so gut für ihre Mobilisierungen nutzen?
Referentin: Maike Zimmermann (Politikwissenschaftlerin)
Veranstaltet vom Antifa-AK an der FH-D und der AG INPUT, in Kooperation mit dem Antirassistischen Bildungsforum Rheinland.

Jeden Dienstag um 20 Uhr im Audimax (Josef-Gockeln-Straße 9):
Kino 77
Eintritt: 2,50 Euro, mit Gilde-Pass: 1,50 Euro. Programm siehe www.kino77.de