Düsseldorf ist weiblich - ein Märchen?

Im Rahmen des Veranstaltungsprogramms zum 100. Frauentag hat die Stadt Düsseldorf eine Ausstellung im Stadtmuseum organisiert: "Die Stadt ist weiblich", so der Titel.

Klingt spannend, Frau und Stadt zusammenzudenken, städtische Umstrukturierungsprozesse auch unter dem Gender-Aspekt zu betrachten, sind Themenfelder, die meist zu kurz kommen. Auch in der Stadtgeschichte wird meist nur auf die bärtigen, alten und gewichtigen Männer geschaut. Was gab es für relevante Frauen in Düsseldorf, wie haben diese das politische Leben geprägt und mitgestaltet? Fragen, die mich interessieren und dazu bewegen, die Ausstellung zu besuchen.

Also mache ich mich an einem Samstag-Vormittag zusammen mit meiner Mutter auf den Weg ins Stadtmuseum. Wir sind die einzigen Besucher_innen.

Die Ausstellung ist total chaotisch aufgebaut. In Schlangenlinien bewegt man sich durch den Ausstellungsraum, die Zuordnung der Bilder zu den Überthemen hat dabei keine stimmige Reihenfolge. Die Bilder (meist Potraits von Frauen) sind so angeordnet, dass man immer hinter das Bild gehen muss, um den dazugehörigen Text zu lesen, was auf die Dauer nervt.

Die Ausstellung ist historisch aufgebaut und fängt im Mittelalter und der frühen Neuzeit an. Ausgestellt werden Portraits von Frauen, die zu dieser Zeit in Düsseldorf gelebt haben. Leider erfährt man wenig über die Frauen selber. Vorgestellt werden sie als Ehefrauen, Töchter oder Bräute von wichtigen Männern aus Düsseldorf. Die wenigen Informationen über die Frauen beschränken sich auf das Heiratsdatum, den Kleidungsstil oder die Anzahl der Kinder die sie geboren haben. Über die gesellschaftlichen Stellungen oder Ämter ihrer Ehemänner oder Väter informiert der Ausstellungstext dafür ausführlich. War eine Frau künstlerisch tätig, wird dies erwähnt, über ihre gesellschaftliche Position wird nicht berichtet. Mag sein, dass über die Frauen dieser Zeit nicht viel bekannt ist, doch interessiert mich in einer Ausstellung, die den Schwerpunkt auf das Wirken der Frauen setzt, herzlich wenig, was ihre Männer alles Tolles geleistet haben.

Ist über die Ehemänner nichts bekannt, bzw. waren diese nicht relevant, wird auf den porträtierenden (männlichen) Künstler ausführlich eingegangen. Dieses Phänomen zieht sich durch die ganze Ausstellung, auf mindestens einem Drittel der Informationstafeln geht es nach kurzen Eckdaten über die porträtierte Frau um Leben und Wirken des Künstlers.

Zwischendurch stößt man immer wieder auf interessante Frauen oder Ereignisse, über die ich gerne mehr erfahren hätte. Politische Hintergründe und Rahmenbedingungen werden zwar immer wieder erwähnt, leider schafft die Ausstellung es aber nicht, einen politischen Gesamtüberblick zu geben, der nötig gewesen wäre um das Wirken der Frauen in Düsseldorf darzustellen.

Es geht weiter mit dem 19. Jahrhundert, es wird kurz auf die erste Frauenbewegung eingegangen, aber auch hier fehlt eine gute politische Einordnung.

Mit der "modernen Frau" zwischen Kaiserreich und NS macht die Ausstellung weiter. Hier werden hauptsächlich Schauspielerinnen und Künstlerinnen, aber vor allem die porträtierenden Künstler vorgestellt, die sich im Zirkel von "Mutter Ey" bewegten. Die berühmte Galeristin Johanna Ey selber wird hingegen nur kurz vorgestellt.

Der NS-Zeit sind nur zwei Ausstellungstafeln gewidmet. Kurz wird auf die Ideologisierung der Mutterschaft eingegangen. Dass Frauen aus Düsseldorf aktiv am Widerstand gegen die Nazis beteiligt waren, wird ganz außer Acht gelassen. Widerstandskämpferinnen wie die inzwischen verstorbene Maria Wachter oder die in Düsseldorf lebende Henny Dreifuss dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Von der Stadt Düsseldorf ist da nicht viel zu erwarten, so wurde Maria Wachter schon 2008 die Ehrenbürgerschaft verwehrt. Anscheinend sind mutige Frauen, die sich immer noch gegen Neonazis einsetzen, nicht erwähnenswert, das ist skandalös.

Es geht weiter mit der Nachkriegszeit, auch hier fehlt eine politische Darstellung der Situation; gezeigt werden fast ausschließlich Frauen, die sich den Künsten (als bekannteste sei die Kabarettistin Lore Lorentz erwähnt) widmeten. Auch hier ist wieder auffällig, dass meistens die Urheber der Porträts ausführlicher besprochen werden als die Frauen selber.

Meine Laune kann dann nur noch unsere erste Bürgermeisterin Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) heben, die in einer Videoinstallation mit dem Namen "Prinzessinnenstadt" erzählt, was sie tun würde, wenn sie einen Tag Prinzessin wäre. Neben ihr kommen weitere Frauen aus Politik und Wirtschaft zu Wort, die mit Krönchen auf dem Kopf über Gleichberechtigung und Frauenquote reden dürfen. Dies nimmt dem Thema leider jede Ernsthaftigkeit und lässt bei mit die Frage offen, ob Frauenpolitik für die Stadt ein Märchen ist!?

Die letzten zwei Tafeln zur modernen Frauenbewegung trösten mich über diese Feststellung leider auch nicht hinweg. Etwas chaotisch werden Bilder von Aktionen und Demos, die Frauen in den 70er und 80ern in Düsseldorf gemacht haben, gezeigt. Die Entstehung von Beratungsstellen wie der Komma! und des Frauenbüros werden erzählt. Endlich wird der Versuch gestartet, nicht mehr nur einzelne Frauen darzustellen, sondern eine gesamtpolitische Situation. Die autonome Frauenbewegung geht hier leider völlig unter. Ganz nett sind hierbei alte Demoplakate, Buttons und Fotos von Aktionen, die ausgegraben wurden.

Leider ist die Ausstellung dem angekündigtem Thema "Frau und Stadt" nicht annähernd gerecht geworden. Es macht eher den Eindruck, dass alle Bilder von Frauen mit Düsseldorf-Bezug zusammengewürfelt wurden, um eine Ausstellung auf die Beine zu stellen. Ein roter Faden oder eine politische Einordnung, die das Wirken der Frauen in Düsseldorf gut darstellt, ist dabei nicht gelungen.

ANITA

Wer sich die Ausstellung trotzdem anschauen möchte: möglich ist das noch bis zum 04.09.2011, Di. bis So. von 11.00 bis 18.00 Uhr im Stadtmuseum Düsseldorf.