Frauen im Widerstand

Gegen das faschistische NS-Regime stellten sich mutige Frauen

Florence Hervé und Mareen Heying stellen ihre Broschüre zum Thema vor

Ungerechtes und Unrecht nicht akzeptieren, "Nein" sagen, sich nicht fügen, Diskriminierungen gegenüber anderen ablehnen und den aufrechten Gang bewahren – Widerstandskämpferinnen zeigten, dass dies sogar unter den menschenfeindlichen und unwürdigen Bedingungen des Nationalsozialismus möglich war. Auch wenn die Mehrheit der Frauen – ebenso wie die Mehrheit der Männer – dem NS-Regime passiv bis zustimmend gegenüber stand: Einige ließen sich nicht unterkriegen und leisteten Widerstand. Sie beteiligten sich an allen Aktionen: an dem Widerstand der Organisationen der Arbeiter_innenbewegung (KPD, SPD und Gewerkschaften), am christlichen Widerstand, an widerständigen Aktionen im Alltag wie der Verweigerung des Hitlergrußes, der Flüsterpropaganda oder der Ablehnung des Mutterkreuzes. Außerdem, so die Düsseldorfer Widerstandskämpferin Klara Schabrod, stand hinter jedem Kämpfer "eine Frau, eine Mutter, eine Schwester, eine Braut". Ohne deren Unterstützung wäre es "nicht möglich gewesen, so viele Quartiere und Verstecke für Verfolgte zu errichten". Die Aktionsformen reichten vom Abhören von Auslandssendern, dem Herstellen und Verschicken von illegalen Flugblättern und Schriften, dem Abhalten illegaler Versammlungen über Kurier- und Verbindungsdienste sowie Sammeln von Geld für in Not geratene Familien bis zu Sabotage in Betrieben und Arbeitsverweigerungen. Frauen leisteten Widerstand in der Emigration und selbst in den Konzentrationslagern, indem sie einander unterstützten, Informationen sammelten, Medikamente, Lebensmittel und Kleidung organisierten – und des Internationalen Frauentags gedachten.

Dabei setzten sich die Frauen Gefahren aus: Wurden sie verhaftet, versuchte die Gestapo mit allen Mitteln, Geständnisse aus ihnen herauszupressen. Und Verhaftungen waren an der Tagesordnung. Die kommunistische Aktivistin Cilly Helten wurde 1942 z.B. nur wegen des "Verdachtes zur Vorbereitung eines Hochverrats" festgenommen und ins KZ nach Ravensbrück eingewiesen, das sie überlebte. Ein Grund für die harte Strafe kann gewesen sein, dass sie vermutlich homosexuell war. Ihre Genossin Anneliese Hoevel gab in einem Verhör an, sich mit Cilly Helten nur über lesbische Liebe unterhalten zu haben. Obgleich sie verheiratet war, wurde ihr umgehend unterstellt, homosexuell zu sein, und das wurde gegen sie verwendet. Anneliese Hoevel wurde wegen zahlreicher "Vergehen" mit dem Tod bestraft.

Widerstandskämpferinnen bewiesen Mut, sie standen für ihre Ideale ein, in der Hoffnung auf eine bessere, gerechte Welt. Wie die Kommunistin Änne Kassing. Sie sammelte Gelder für Inhaftierte, diskutierte und informierte über deutsche Nachrichten des Moskauer Rundfunks, den sie heimlich mit ihrem Mann abhörte. 1936 wurde Kassing wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Jeden Verdacht, der gegen ihren Mann Fritz bestand, lenkte sie auf sich, um ihn vor einer Strafe zu schützen, da er sehr krank war; Fritz Kassing wurde freigesprochen. Sie hingegen sei laut Gestapo "untragbar", ihre Freilassung würde "eine Gefahr für den Bestand und die Sicherheit des Reiches" darstellen. Im April 1942 erfolgte ihre Einweisung in das Konzentrationslager Ravensbrück. In einen Konvoi des Roten Kreuz geschmuggelt, entkam sie Ende April 1945, doch der Wagen wurde von britischen Einheiten versehentlich beschossen. Änne Kassing starb, eine Woche später wurde das Lager Ravensbrück befreit.

Wie hielten die Frauen im Widerstand durch, obgleich sie wussten, mit welchen Sanktionen sie zu rechnen hatten? Ängste, Isolierung, Verfolgung und Folter in Kauf nahmen? Klara Schabrod, die mehrere Monate in Schutzhaft war und im SS-Keller auf der Düsseldorfer Kö misshandelt wurde, sagte: "Die Zusammenarbeit der Frauen hat uns immer neue Kraft gegeben". Und die Düsseldorfer Ärztin Doris Maase, die bereits 1935 verhaftet und nach Ravensbrück deportiert wurde, wo sie noch Mitgefangene mit gestohlenen Medikamenten versorgte und Krankenbescheinigungen fälschte, schrieb nach ihrer Rückkehr: "Es gibt zwei Dinge, die einen aufrecht erhalten: Die Gruppe und das Bewusstsein, dass man die richtige Überzeugung hat."

Zum Internationalen Frauentag 2012 erscheint die Broschüre "Frauen im Widerstand, 1933-1945. Düsseldorf", um einige der Frauen zu ehren, die mutig gegen das menschenverachtende Regime vorgingen, herausgegeben von Wir Frauen e.V., Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW e.V., DGB Region Düsseldorf – Bergisch Land, ver.di Bezirk Düsseldorf und Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Düsseldorf.

In der Broschüre porträtieren die Autorinnen Mareen Heying und Florence Hervé Frauen, die in Düsseldorf gegen den Faschismus aktiv waren, und Frauen, die in der Emigration gegen die Nazis agierten. Die Broschüre wird vorgestellt am 13. März 2012 um 19.00 Uhr im ZAKK, Fichtenstraße 40.

Die Broschüre kann für 9,90 Euro im Buchladen erworben werden.