5. bundesweites Treffen der MediNetze, MediBüros und medizinischen Flüchtlingshilfen

Vom 8. bis 10. Juni 2012 trafen sich über 100 Vertreter_innen von 26 MediNetzen, Medibüros und medizinischen Flüchtlingshilfen aus ganz Deutschland in Düsseldorf zum Erfahrungsaustausch und zur Vernetzung.

Den Auftakt des bundesweiten Treffens bildeten ein Film und Vortrag von Kenan Emini von der Kampagne "alle bleiben!" über die Lebenssituation abgeschobener Romafamilien im Kosovo und in Serbien. Des weiteren beschäftigten sich die Teilnehmer_innen in verschiedenen Arbeitsgruppen mit der praktischen Alltagsarbeit der medizinischen Versorgung von papierlosen Flüchtlingen, mit gemeinsamer politischer Kampagnenarbeit, der Betreuung psychisch kranker Papierloser, dem Leben von Roma in Deutschland und der prekären Versorgung von unversicherten Neu-EU-Bürger_innen.

Düsseldorf ist nach Frankfurt der zweitgrößte Abschiebeflughafen Deutschlands, deshalb lag ein besonderer Schwerpunkt auf der deutschen Abschiebepraxis und den sogenannten "fit-to-fly"-Ärzt_innen, welche die Ausreisefähigkeit allein auf die Flugtauglichkeit reduzieren und so der Abschiebepolitik der Ausländerbehörden zuarbeiten, ohne einen ganzheitlichen Blick auf die Menschen und die medizinische Versorgung im Zielland zu richten. Dieses Vorgehen widerspricht der ärztlichen Ethik, wie z.B. im Fall des afghanischen Flüchtlings Ali Reza Samadis, der trotz einer Reiseunfähigkeitsbescheinigung von Rostock nach Norwegen zurückgeschoben wurde und dem jetzt die Kettenabschiebung droht.

Die Teilnehmer_innen des bundesweiten MediNetz-Treffens verurteilen Abschiebungen und insbesondere die Beteiligung von Mediziner_innen an der Abschiebemaschinerie.

Die ersten MediNetze und MediBüros gründeten sich vor 17 Jahren und inzwischen gibt es deutschlandweit über 33 dieser medizinischen Netzwerke, die papierlosen Menschen zu einer rudimentären Gesundheitsversorgung verhelfen. Diese Hilfe läuft parallel zum regulären Gesundheitssystem und beruht auf Eigeninitiative und ehrenamtlicher Arbeit. Bereits seit Jahren wird die Einbindung papierloser Menschen in die Regelversorgung gefordert, wie z.B. durch einen "anonymen Krankenschein". In einigen Bundesländern gibt es erste Ansätze von staatlicher Unterstützung in Form einer "humanitären Sprechstunde" oder entsprechender Clearingstellen. Alle Menschen haben ein Recht auf eine Gesundheitsversorgung.

Die medizinische Versorgung ist aber nur eine Problematik in der schwierigen Lebenssituation von papierlosen Flüchtlingen. Prekäre Arbeitsverhältnisse, miserable Wohnbedingungen, schlechter Zugang zu Bildungseinrichtungen und die ständige Angst vor Abschiebung bestimmen den Alltag der Betroffenen. Viele Flüchtlinge leben oft seit Jahren in Deutschland ohne eine Zukunftsperspektive zu haben.

Deshalb fordern die Teilnehmer_innen des Treffens eine Möglichkeit der Legalisierung für papierlose Flüchtlinge, wie sie bereits in anderen EU-Ländern, wie z.B. in Spanien, praktiziert wird.

DÜSSELDORF, DER 10. JUNI 2012
MEDIBÜRO BERLIN, MFH BIELEFELD, MFH BOCHUM E.V., MEDINETZ BONN E.V, MEDINETZ BREMEN, MEDINETZ DORTMUND, MEDINETZ DRESDEN, STAY! DÜSSELDORFER FLÜCHTLINGSINITIATIVE E.V., MEDIZINISCHE FLÜCHTLINGSHILFE ERLANGEN, MEDINETZ ESSEN E.V., MEDINETZ FREIBURG, MEDINETZ GIEßEN, MEDIZINISCHE FLÜCHTLINGSHILFE GÖTTINGEN E.V., MEDIBÜRO HAMBURG, MEDNETZ RHEIN-NECKAR, MEDINETZ JENA, MENSCHENRECHTSZENTRUM KARLSRUHE, MEDIBÜRO KIEL, MEDINETZ LEIPZIG, MEDIBÜRO LÜBECK, MEDINETZ MAGDEBURG, MEDINETZ MAINZ, MEDINETZ MARBURG, ÄRZTE DER WELT OPEN.MED MÜNCHEN, MEDINETZ ROSTOCK E.V., MEDINETZ ULM E.V.


stay! – Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative e.V.

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