Ehrung & Pranger

Die internationalen ethecon Awards 2012

Großer Publikumsandrang auf dem Pfefferberg. Der Saal war übervoll. Hunderte waren gekommen, um dabei zu sein. Nein, es wurden keine Oscars und auch keine Grammys verliehen. Mit dem Internationalen ethecon Blue Planet Award 2012 wurde „die mächtigste Stimme gegen den Hunger“, Jean Ziegler geehrt. Mit dem Internationalen ethecon Black Planet Award wurden die Verantwortlichen für Raubbau, Verwüstung und Zerstörung rund um den Erdball, Ivan Glasenberg, Simon Murray, Tony Hayward und die Großaktionäre_innen des GLENCORE-Konzerns geschmäht.

ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie ist eine junge Stiftung mit Büro in Düsseldorf. Erst im Jahr 2004 gegründet, ist sie quasi noch ein Insider-Tipp. Doch schon mit rapide wachsender nationaler und internationaler Resonanz. Getragen von der Erkenntnis, dass die derzeit lebende Generation ungleich größere Verantwortung für den Ruin der Welt trägt als alle Generationen vor ihr, möchten die StifterInnen und Fördermitglieder den Kindern, Enkeln und Urenkeln zeigen, dass es auch vor ihnen Menschen gab, die sich der unheilvollen Entwicklung entgegenstellten.

Eine Stiftung bezieht ihre Stärke aus dem Stiftungsvermögen. Konzerne, Parteien, Kirchen und ultrareiche Familienclans – sie alle haben ihre Stiftungen. Teilweise seit vielen hundert Jahren mehren sie Macht und Reichtum. ethecon hingegen ist eine Stiftung „von unten“. Und sucht ständig weitere ZustifterInnen, SpenderInnen und Fördermitglieder, um die Reihen und das Stiftungsvermögen zu stärken.

Die ethecon-Awards

Einen ganz besonderen Beitrag zur Bekanntheit der Stiftung leisten die beiden internationalen ethecon-Awards. Seit 2006 verleiht ethecon jährlich diese Preise. Der Internationale ethecon- „Blue Planet Award“ ehrt Personen für ihren herausragenden Einsatz zum Erhalt und zur Rettung des „Blauen Planeten“. Der Internationale ethecon-“Black Planet Award“ schmäht Menschen für schockierendes Handeln bei Ruin und Zerstörung der Erde hin zu einem „Schwarzen Planeten“.

Die Verleihung der ethecon Awards findet stets im November und stets in der „Weltmetropole“ Berlin statt. Ursprünglich im kleinen Kreis in der Ufa-Fabrik abgehalten, füllt die Veranstaltung inzwischen weitaus größere Säle. Im November dieses Jahres strömten mehrere hundert Menschen zum Pfefferberg, um dabei zu sein, wie der Konzern- und Globalisierungskritiker Jean Ziegler für seinen unermüdlichen Einsatz für Gerechtigkeit und das Recht auf Nahrung mit der von der Fotokünstlerin Prof. Katharina Mayer geschaffenen Trophäe geehrt wird – und wie die skrupellosen Manager Ivan Glasenberg, Simon Murray und Tony Hayward sowie die Großaktionäre_innen des GLENCORE-Konzerns mit dem Internationalen ethecon Black Planet Award 2012 am Pranger standen.

Jean Zieglers wohl bekannteste Äußerung ist: „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.“ Mit seiner profunden Konzern- und Globalisierungskritik hat er Millionen Menschen in aller Welt inspiriert. Besonders beispielhaft ist dabei, dass er stets standhaft allen Repressionen von Seiten der Konzerne und vor allem der US-Regierung die Stirn geboten hat. 2011 sollte er die Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen halten. Nachdem bekannt wurde, dass er den Reichen und Mächtigen direkt ins Gewissen reden und besonders die Spekulation mit Nahrungsmitteln anprangern wollte, wurde er kurzfristig ausgeladen. Die Rede hat dennoch unter dem Titel „Der Aufstand des Gewissens“ international Furore gemacht. Jean Ziegler gilt als die „mächtigste Stimme gegen den Hunger in der Welt“. Sein neuestes Werk heißt „Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt“. Er steht als Preisträger des Internationalen ethecon-“Blue Planet Award“ in einer Reihe mit u. a. Vandana Shiva (2008), Uri Avnery (2009) und Angela Davis (2011).

Der Laudator Prof. Dr. Hans See, Wirtschaftskriminologe und Vorsitzende von Business Crime Control, erklärte: „Ziegler zeigt Mut, Zivilcourage, setzte schon früh seine Existenz aufs Spiel. Und er hat nie aufgehört zu zeigen, dass Revolutionen möglich und notwendig sind, dass Bürger- und Menschenrechte – trotz aller Niederlagen und reaktionärer Unterdrückung – längerfristig durchsetzbar sind.“ In seiner Dankesrede erläuterte Ziegler, dass es keinen objektiven Mangel an Nahrungsmitteln gebe. Der heute in der Welt herrschende Hunger basiere auf Agrardumping, Landgrabbing und Nahrungsmittelspekulation durch Industrienationen bzw. Hedgefonds und sei strukturelle Gewalt und Massenmord. Er hat aber auch Hoffnung, denn „jeder dieser mörderischen Mechanismen ist von Menschen gemacht und kann von Menschen gebrochen werden“.

Der größte Rohstoff-Multi

Auch die diesjährigen Schmähpreisträger, Ivan Glasenberg, Simon Murray und Tony Hayward sowie die Großaktionäre_innen des GLENCORE-Konzerns, haben mit Hunger und Elend zu tun. Sie gehören zu den weltgrößten Nahrungsmittelspekulanten. GLENCORE ist mit 186 Milliarden Dollar Umsatz (2011) der weltweit größte Rohstoff-Konzern und der größte Schweizer Konzern überhaupt. Bei einer Untersuchung der 120 größten europäischen Aktiengesellschaften in Bezug auf „Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und Transparenz“ kam GLENCORE auf den allerletzten Platz. Die Manager_innen tragen Verantwortung für Steuerhinterziehungen, Korruption, Umweltverschmutzungen und Menschenrechtsverletzungen im größten Stil. Mittlerweile ist sogar bekannt geworden, dass der Konzern über Zwischenhändler in Afrika von Kinderarbeit profitiert.

In schamloser Weise beuten die Manager und Aktionäre die Welt aus. Die sechs höchsten GLENCORE-Manager haben schon mit dem Börsengang des Konzerns mehr Geld gewonnen, als die Gesamtbevölkerung der 96 ärmsten Länder in einem Jahr verdient. Nun ist der Konzern auch noch in den Agrarbereich eingestiegen und macht bereits durch hemmungslose Nahrungsmittelspekulation von sich reden.

„GLENCORE gehört zum Herz der heutigen Finsternis, die Jean Ziegler in seinen Büchern so eindrücklich beschrieben hat. Deshalb verdienen der Zuger Konzern und seine Herren Glasenberg, Murray und Hayward sowie die Großaktionäre mit dem Black Planet Award, dem Preis des finsteren Planeten, geschmäht zu werden.“, so der Schmähredner Dr. Josef Lang, Gewerkschaftsvorstand und Vizepräsident der Grünen Schweiz. Der ehemalige BP-Geschäftsführer Tony Hayward wurde bereits 2010 für seine Verantwortung für die Deepwater-Horizon-Ölkatastrophe mit dem Black Planet Award geschmäht. Dazu Josef Lang: „Exakt ein Jahr nach der Katastrophe gab die GLENCORE bekannt, dass sie Hayward in ihren Verwaltungsrat berufen hat. In diesem gehört er dem dreiköpfigen Komitee für ‚Umwelt, Gesundheit und Sicherheit’ an. Wer den Bock zum Gärtner macht, dem liegt nicht viel am Garten.“

Bei der Verleihung am 17. November waren die Empfänger des Schmähpreises nicht vertreten. Sie waren auch nicht eingeladen. Ihnen wird Award 2012 im Rahmen großer öffentlicher Aktionen im Zusammenwirken mit vielen Organisationen aus aller Welt überbracht werden. Die Aktionen zur Übergabe der ethecon Schmähpreise in den USA (2009), in Taiwan (2010), in Großbritannien (2011) und jetzt in Japan (2012) haben bisher immer weltweite Resonanz gefunden.

Darüber hinaus hat ethecon die Kampagne „GLENCORE stoppen!“ gestartet. Diese kann man online im Aktionen-Bereich der Webseite www.ethecon.org unterstützen. Das Dossier über die Schmähpreisträger von GLENCORE sowie das Flugblatt „GLENCORE stoppen!“ können bei info@ethecon.org bestellt oder im Download-Bereich der Seite heruntergeladen werden.

Chr. Le Maan