Weiterbildung in Arbeitsrecht

Am 21.9.2012 fand der vierte deutsche Weiterbildungstag statt, den Weiterbildungsträger als Werbeplattform nutzen. Aber wie schon 2010 nutzte der Arbeitskreis Bildung prekär beim GEW-Stadtverband wieder die Gelegenheit, den PR-Auftritt zu stören, indem er auf die sehr schlechten Arbeitsbedingungen in großen Teilen der Weiterbildung aufmerksam machte.

Das Motto klang gut: „Weiterbildung ist mehrWert“. Daran gab es nichts zu meckern. Es ist ja auch bloß eine Konkretisierung des seit Langem gültigen GEW-Slogans „Bildung ist MehrWert“.

Die Mitglieder des Arbeitskreises beabsichtigten zu wissen, wie sich diese Wertschätzung genau ausdrückt und was das mit ihrer Arbeit in der Weiterbildung zu tun hat. Ihre Forderung: Es muss tariflich gebundene Festanstellungen geben. Das gilt sowohl für Dozent_innen in Integrationskursen, Lehrbeauftragte an Hochschulen, Volkshochschuldozent_innen, Beschäftigte im Offenen Ganztag sowie für alle weiteren Kolleg_innen, die an öffentlichen Bildungseinrichtungen tätig sind.

Den Protest- und Informationsstand bauten die Aktiven vor dem Eingang des Weiterbildungszentrums (WBZ) am Bertha-von-Suttner-Platz auf, das auch die Düsseldorfer Volkshochschule beherbergt. Dort hat sich seit dem letzten Weiterbildungstag 2010 nichts geändert. Nach wie vor erhalten die Dozent_innen 19 Euro brutto pro gehaltener Unterrichtsstunde (seit 2011, davor 18 Euro). An der Situation bei den Sozialabgaben hat sich ebenfalls nichts geändert: Ein_e Freiberufler_in ist ein_e Selbständige_r und trägt somit die gesamten Kosten allein: Pflichtversicherung in der Deutschen Rentenversicherung derzeit 19,6 %, Krankenversicherung 14,9 % oder 15,5 %, Pflegeversicherung 1,95 %, für Kinderlose ab 23 Jahren 2,2 %. Dabei wird im Regelfall eine Mindestbemessungsgrenze von einem Bruttoeinkommen von 1968,75 Euro zugrundegelegt, unabhängig vom tatsächlichen Einkommen. Die meisten Kolleg_innen liegen deutlich darunter. Weiterhin gibt es keine Honorarfortzahlung im Krankheitsfall, meist auch kein Krankengeld, keinen bezahlten Urlaub. Vor- und Nachbereitungszeiten werden gar nicht oder minimal vergütet (häufig gelten diese Zeiten mit dem angebotenen Honorar als abgegolten). Anzuschaffendes Material muss zumeist selbst bezahlt werden, häufig auch notwendige Kopien. Fahrtkosten werden meist nicht erstattet. Das heißt, dass alle diese Ausgaben von dem erhaltenen Honorar gezahlt werden müssen – meist ein Ding der Unmöglichkeit, was die Betroffenen zwingt, in anderen Bereichen zu sparen oder in Armut zu leben. (Deutlich!) höhere Honorare würden die Situation der Dozent_innen zwar kurzfristig entspannen, sind dauerhaft aber keine Lösung. Darum werden tariflich gebundene Festanstellungen gefordert, wie sie auch für Lehrkräften an Regelschulen gelten.

Darüber wollten die Aktiven mit Kolleg_innen, Kursteilnehmer_innen und Passant_innen ins Gespräch kommen. Dies gelang: Von 14 bis 18 Uhr sprachen die fünf Aktiven pausenlos mit den Leuten, die vorbeikamen. Darunter waren auch Kolleg_innen, die sich spontan solidarisierten und an einer Postkartenaktion teilnahmen. Kursteilnehmer_innen und nicht betroffene Passant_innen reagierten zuerst überrascht auf die Informationsaktion des AK Bildung prekär,zeigten sich dann jedoch entsetzt über die Bedingungen, zu denen die Dozent_innen arbeiten müssen. Sie nahmen gern Infomaterial an und rügten die mangelnde mediale Aufklärung über die Misere der Erwachsenenbildung. Nicht immer gelang es jedoch, die Botschaft zu transportieren. Weil das Transparent kritisierte, dass sich die Honorare von freiberuflich in der Weiterbildung Tätigen oft in etwa auf Hartz-IV-Niveau befinden, fragten einige Passant_innen, warum denn gegen Hartz IV protestiert werde. Dieses Missverständnis konnte jedoch aufgeklärt werden.

Ein Highlight der Aktion war, dass die Direktorin der VHS, Anne Kalender-Sander, zum Stand kam, um zu sehen, ob dieser ordentlich angemeldet sei... Daraus entstand ein längeres Gespräch, in dem sie den Aktiven z. B. mitteilte, dass sie um die prekäre Arbeitssituation vieler Kursleiter_innen wisse, ihr aber die Hände gebunden seien; sie habe jedoch dem zuständigen Dezernenten schon einmal Bescheid gegeben, der das Problem in den Städtetag tragen wollte.

Außerdem zahle ja die VHS schon mehr als gefordert (bezogen auf die Forderung des „Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge“, Kursleiter_innen in Integrationskursen mindestens 18 Euro pro Unterrichtsstunde zu zahlen; die VHS Düsseldorf zahlt 20 Euro). Eine Festanstellung werde es nicht geben, da einerseits die VHS hiermit im Trägervergleich alleine stände, und dies andererseits viel zu teuer sei. Zudem seien die Dozent_innen nun mal Honorarkräfte, dies sei so festgelegt. Des Weiteren werde sich nichts ändern, da es ja immer genug Leute gebe, die den Job zu diesen Bedingungen machen würden. Auf die vorgebrachten Argumente hin lenkte sie zwar ein und gab den Aktiven in allen Punkten Recht, es darf jedoch bezweifelt werden, dass Kalender-Sander für die Betroffenen aktiv wird. Der Verlauf des Gespräches und bisherige Erfahrungen zeigen dies.

Die Haltung von Kalender-Sander ist bezeichnend für viele institutionelle Entscheidungsträger in der Erwachsenenbildung. In ihren Ausformungen reicht sie von (wie hier gezeigt) Resignation bis hin zu Zynismus, der den Dozent_innen entgegenschlägt, wenn sie auf ihre prekäre Situation und die Unhaltbarkeit der Zustände aufmerksam machen. Die Argumente, die viele Institutionen der Erwachsenenbildung seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholen, werden durch diese Wiederholung weder schlagkräftiger, noch ändern sie irgendetwas an der unsozialen und prekären Situation der Honorarkräfte.

Fazit: Die Aktiven des AK Bildung prekär sind mit der Aktion zufrieden, wünschen sich aber für die Zukunft mehr Solidarität auch von nicht betroffenen Kolleg_innen. Jederzeit freuen sich die Mitglieder auch über neue Leute, die im AK mitarbeiten wollen. Wendet euch hierfür an die Geschäftsstelle der GEW Düsseldorf (www.gew-duesseldorf.de).

Denn eins ist klar: Die Situation wird sich weiter verschlechtern. Dies zeigt ein weiteres Zitat aus dem Brief der VHS-Direktorin: „An dieser Stelle möchte ich mich für Ihre hervorragende Unterrichtstätigkeit bedanken. Die Qualität Ihrer Arbeit wurde uns kürzlich im Rahmen einer professionellen Kundenbefragung unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Sinne einer hohen Wertschätzung bestätigt. Besonders gut bewertet wurden dabei die fachlichen Kompetenzen und die pädagogischen Vermittlungsfähigkeiten der Dozentinnen und Dozenten. Das hat mich nicht überrascht. Aber es wurde wieder einmal deutlich, wie sehr Güte und Erfolg unserer Einrichtung von Ihrer Arbeit abhängen. Und auch deshalb möchte ich Sie bitten, Ihr Engagement für unsere gemeinsame Bildungsaufgabe zu bewahren.“ Dank und Wertschätzung sind schön, leben kann man davon leider nicht. Toll die Güte der Einrichtung, doch wie steht es mit der Vergütung? Das Engagement der Dozent_innen? Auch wenn den meisten die Arbeit gefällt – das ist doch nicht ihr Hobby! Die gemeinsame Bildungsaufgabe, das ist zwar richtig und das Wort drückt die gesellschaftliche Wichtigkeit aus, doch warum werden die Dozent_innen dann nicht zu entsprechend guten Bedingungen beschäftigt?

Alexandra von Humboldt