"Rhenania-Salingia" erneut auf Rechtsaußen-Kurs

Viel ist in den letzten Monaten in den Medien über den ungebremsten Kurs des Burschenschaftsdachverbandes "Deutsche Burschenschaft" (DB) ins offen extrem rechte Lager zu lesen gewesen. Letztendlich setzte sich der extrem rechte Verbandsflügel auf einem "Außerordentlichen Burschentag" im November 2012 gegen die konservativen Mitgliedsbünde durch. Zwar wurde der bisherige Schriftleiter der "Burschenschaftlichen Blätter", der ehemalige Funktionär der 1995 verbotenen neonazistischen "Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei" (FAP) Norbert Weidner, quasi als Bauernopfer nicht wiedergewählt – Weidner hatte den evangelischen Pfarrer und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als Landesverräter und seine Ermordung als "rein juristisch … gerechtfertigt" bezeichnet –, unterm Strich aber ging der extrem rechte Flügel eindeutig als Sieger aus dem Burschentag hervor. Seitdem kommt es zu Austritten sich als konservativ verstehender Bünde aus dem Dachverband, dem zuvor über 100 Mitgliedsbünde angehörten.

Nicht zu den ausgetretenen Bünden, sondern zum extrem rechten Verbandsflügel zu zählen ist auch die "Alte Hallesche Burschenschaft Rhenania-Salingia zu Düsseldorf" mit Sitz auf der Reichsstraße, die immer offener und selbstbewusster nach außen deutlich macht, wessen Geistes Kinder bei ihr das Sagen haben – zumindest in den Reihen ihrer Aktivitas, also bei den studierenden Mitgliedern. Verwunderlich ist das nicht: Schon Ende der neunziger Jahre bewegten sich die "Rhenanen" in extrem rechten Gewässern, Szene-Größen wie Horst Mahler, Harald Neubauer und Hajo Herrmann gaben sich als Referenten "auf dem Haus" der "Rhenanen" die Klinke in die Hand. Erst nachdem antifaschistische Organisationen und fortschrittliche StudentInnengruppen öffentlichen Druck auf die Burschenschaft ausübten und diese zunehmend stigmatisierten, zog sich die "Rhenania" zurück, Aktivitäten mit extrem rechter Ausrichtung waren über Jahre nicht mehr feststellbar, man begnügte sich in der Außendarstellung mit "Maibowlen", "Grillen" und unverfänglichen Veranstaltungen und war darum bemüht, sich wieder eine weiße Weste zuzulegen. Am 25. Oktober 2007 wurde sogar als "Ehrengast der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde" präsentiert, der zum Thema "Studentischer Antisemitismus und jüdische Studentenverbindungen" referierte. "Nach einer langen Besinnungszeit" habe man sich "entschlossen alles von Grund auf neu zu machen". Dass es damit nicht weit her ist, zeigen (nicht nur) die Semesterprogramme ab dem Sommersemester 2012: Als Referenten traten seitdem beispielsweise Felix Menzel, Herausgeber des rechtsintellektuellen Blattes "Blaue Narzisse" sowie der wegen seiner Beteiligung an Bombenanschlägen in Italien in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilte "Südtirol-Freiheitskämpfer" Erhard Hartung auf. Offen werden freundschaftliche Beziehungen zu den extrem rechten Burschenschaften "Normannia-Nibelungen zu Bielefeld" und zur "Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn" gepflegt. Zu vermuten ist, dass es hierbei nicht bleiben wird und dass die "Rhenanen" versuchen werden, auch politisch wieder mehr an Einfluss zu gewinnen und zudem weitere Mitglieder auf dem Campus anzuwerben. Grund genug also, der selbsterklärten – "natürlich" ausschließlich männlichen – "Elite der Nation" wieder mehr Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen.

Antifa-Arbeitskreis an der FH-D


Termine

Das AStA-Genderreferat präsentiert:

Mittwoch, 13. Februar, 20.00 Uhr (geöffnet ab 19.00 Uhr) Hinterhof – Linkes Zentrum, Corneliusstr. 108
Film: Maggots and Men
(englisch mit deutschen Untertiteln)

"Maggots and Men is an experimental historical narrative set in a mythologized, post-revolutionary Russia that re-imagines the story of the Kronstadt uprising with a subtext of gender anarchy. The film dramatizes the events of the 1921 rebellion and pays tribute to the Kronstadt sailors’ earnest pursuit of communist ideals. Agit-prop theater group Blue Blouse guides us through the story, which is narrated by fictionalized letters written by Stepan Petrichenko, the leader of the Provisional Revolutionary Committee."
Veranstalter_innen: Becoming-Queer-Gruppe, BHoa, Referat für Genderpolitik AStA FH D

Freitag, 22. Februar, 20.00 Uhr (geöffnet ab 19.00 Uhr) Hinterhof – Linkes Zentrum, Corneliusstr. 108
OpenMic Abend
Gedichte, Gedanken, Gefühle von EUCH! Alle sind herzlich eingeladen, ihre Kreationen und Worte mit uns zu teilen. Dazu gibt‘s Kakao, Kaffee, Tee, Kuchen und Knabbereien.

Der Antifa-AK an der FH präsentiert:

Montag, 25. Februar, 19.30 Uhr / Hinterhof – Linkes Zentrum, Corneliusstr. 108
INPUT – antifaschistischer Themenabend:
Weiß, jung, "identitär" – eine "neurechte" Jugendbewegung? Die "Identitäre Bewegung" als neuer Hype in der extremen Rechten
Sie kommen aus Frankreich und nennen sich dort "Bloc identitaireā€. Junge, weiße (in ihrer Mehrheit) Männer, die eine Bewegung der "weißen Jugend Europas" werden wollen: gegen die vorgebliche Dekadenz des Westens, gegen EinwandererInnen und Islam, gegen den von ihnen befürchteten "demografischen Tod" der sogenannten "autochthonen Bevölkerung". In Deutschland tritt die "Identitäre Bewegung" durch geschicktes virales Selbstmarketing auf und löste in der Rechten einen wahren Hype aus. Ist dies die nächste Stufe der popkulturellen Selbstinszenierung rechter Jugendkultur? Welche ideologischen Fundamente hat diese selbsternannte Bewegung? Ist sie ein rechtes Facebook-Phänomen oder ein neues Deutungsangebot rechter Jugendkultur? Diesen und anderen Fragen geht der Vortrag nach.
Referent: David Begrich (Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Miteinander e.V., Magdeburg)