Das "festival contre le racisme" 2013

Aktionstage gegen staatlichen, strukturellen, alltäglichen Rassismus und Ausgrenzung von Montag, 03.06. bis Samstag, 08.06. an den FH-Standorten Uni-Campus und Golzheim

Seit sich 2012 das rassistische Pogrom in Rostock-Lichtenhagen, der rassistisch motivierte Brandanschlag in Mölln und dieses Jahr der rassistisch motivierte Brandanschlag in Solingen zum zwanzigsten Mal jährten, wird das Thema Rassismus durch die Medien wieder verstärkt in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Doch meist unerwähnt bleibt, dass die CDU/CSU und FDP, unterstützt durch die Stimmen der SPD, diese rassistischen Zustände Anfang der 1990er Jahre nutzten, um 1993 die Änderung des Artikel 16 des Grundgesetzes zur faktischen Abschaffung des Grundrechts auf Asyl umzusetzen. Diese Aushöhlung des Asylrechts verwehrte nicht nur vielen Flüchtenden die Möglichkeit auf einen sicheren Zufluchtsort, das restriktive Asylrecht und die Absurdität der Residenzpflicht sind ebenfalls Teil des rassistischen Spektrums menschenverachtender Mechanismen und der kritikwürdigen Zustände in unserer Gesellschaft. Zwar löst der Begriff der "Rasse" im gesellschaftlichen Sprachgebrauch seit Ende des zweiten Weltkrieges Unbehagen aus, das ändert jedoch nichts an der Fortdauer der Praxen im institutionellen Rassismus oder den rassistischen Vorstellungen in den Köpfen der Menschen in unserer Gesellschaft. Rassismus und Diskriminierung sind Formen der Ausgrenzung, die auf unterschiedliche Weise vorhanden sind, in sichtbarer oder noch häufiger in unsichtbarer, subtiler Form: in der Sprache, wenn "schwarzfahren" gesetzwidriges Verhalten auf Kosten anderer meint, in der Werbung, wenn karitative Organisationen auf ihren Spendenplakaten Menschen in Not ausschließlich in der Opferrolle darstellen, die nur durch die großzügige Hilfe weißer Menschen aus den industrialisierten Staaten Entwicklung erfahren können. Das zeigt, wie sehr noch immer koloniale (All-)Machtstrukturen vorherrschen, die sich nicht nur paternalistisch in den jeweiligen Ländern auswirken, sondern auch hier das Denken der Menschen beeinflussen. Es werden völlig verzerrte Identitäten von "Weißen" und "Nicht-Weißen" konstruiert. Den karitativen Organisationen kann oft nicht mal Bosheit unterstellt werden für die Form der Werbe-Darstellung. Es ist vielmehr eine verantwortungslose Reproduktion einer langen historischen Kette gefährlicher und oftmals tödlicher Stereotypisierungen. Wir fordern nicht nur Schritte weg vom Neokolonialismus und hin zu einer Dekolonisierung, wir wollen diese Entwicklung auch in unserem Denken, Handeln und im gesellschaftlich sozialen Umgang miteinander vorantreiben. Immer noch halten wir Europäer*innen an den materiellen Vorzügen des Neokolonialismus fest und sind überzeugt von der Überlegenheit unserer Gedanken, Lebensweise und Handlungen. Statt die Ursachen von Migration, Umweltzerstörung und Kriegen anzuerkennen, schüren wir Furcht vor Menschen mit ausländischem Aussehen oder ausländischer Herkunft. Der Kampf gegen Rassismus muss Bestandteil eines Engagements für eine emanzipatorische Gesellschaft sein, die mit der Überwindung von Ausbeutung und allen Formen von Herrschaftsverhältnissen verbunden ist.

AStA FH-D

Näheres zum Programm: www.festival-fh-duesseldorf.de


Termine

Das Referat für politische Bildung präsentiert:

Dienstag, 04. Juni, 19.30 Uhr, zakk, Fichtenstr. 40
Fortsetzung der Veranstaltungsreihe:
"Von den Revolutionen und ihrem Scheitern – Zur Kritik des Realsozialismus"
Heute: Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker der Welt? – Zur Kritik des marxistisch-leninistischen Antiimperialismus. Olaf Kistenmacher beleuchtet die Anfänge der antiimperialistischen Position in den 1920er Jahren.
http://vondenrevolutionen.blogsport.de

Das AStA-Referat „Café International“ präsentiert:

Donnerstag, 13. Juni, ab 19 Uhr, Café Freiraum, Josef-Gockeln-Str. 9:
Café International Türkei
Unter dem Motto "Zu Hause in der Türkei und Deutschland" liest der deutsch-türkische Schriftsteller Birand Bingül aus seinem Buch "Der Hodscha und die Piepenkötter". Außerdem: türkische Musik und Erfahrungsberichte von deutschen und türkischen Studierenden. In Kooperation mit dem International Office.

Der Antifa-AK an der FH präsentiert:

Montag, 24. Juni, 19.30 Uhr, Hinterhof – Linkes Zentrum, Corneliusstr. 108
INPUT – antifaschistischer Themenabend:
Das "Aktionsbüro Mittelrhein" (ABM)
Ein Überblick über die Aktivitäten des ABM, den Umgang der Behörden und das laufende Gerichtsverfahren, Referent: Andreas Stein (Antifaschistisches Infobüro Rhein-Main) In Koblenz wird derzeit einer der seit Jahren größten Prozesse gegen Neonazis verhandelt. Unter den Angeklagten sind nicht nur Neonazis aus der Region, sondern auch aus Köln und Düsseldorf. Während sich der einstige "Hitler von Köln", Axel Reitz, als Aussteiger inszeniert, wird dem Düsseldorfer Sven Skoda von der Szene die Rolle des "nationalen Märtyrers" zugeschrieben, der schon über ein Jahr "im Kerker" schmort. Erst kürzlich wurde Skoda trotz oder gerade wegen seiner Inhaftierung als Spitzenkandidat der Worch-Partei "Die Rechte" für die Europawahlen aufgestellt. Im Koblenzer ABM-Prozess sind 26 Neonazis angeklagt, ein Teil des harten Kerns sitzt seit März 2012 ohne Unterbrechung in U-Haft. Ein Ende des Prozesses, der im August 2012 begann, ist nicht in Sicht. In der Veranstaltung wird der Frage nachgegangen, was passiert, wenn langjährige und erfahrene Neonazis aus Großstädten wie Düsseldorf und Köln auf eine Hinterlandkameradschaft wie das "Aktionsbüro Mittelrhein" treffen. Dabei wird insbesondere die Rolle von Sven Skoda beleuchtet.