StandUp!-Cup – die 5te

"Der Fußball soll ein guter Nebeneffekt sein"

Am 8. Juni findet in Düsseldorf wieder der StandUp!-Cup statt. Die TERZ sprach mit den Organisator*innen über Sinn und Zweck vons Ganze.

TERZ: Das ist nun der 5. StandUp!-Cup. Wie zufrieden seid Ihr mit den vergangenen vier Turnieren?

StandUp!-Cup: Wir sind sehr zufrieden, vom ersten StandUp!-Cup bis heute hat sich einiges verändert, jedoch immer nur zum Positiven. Das zeigen auch die Besucher*innenzahlen, die jedes Jahr weiter steigen. Bisher hatten wir auch bei allen Turnieren eine unerwartete Besonderheit. Beim ersten StandUp!-Cup gab es einen Flitzer, der extra aus Innsbruck angereist war. Im zweiten Jahr starteten wir mit einigen Schwierigkeiten, da das Security-Unternehmen den Eingang verschlossen hatte, wir unglücklicherweise den Schlüssel vergaßen, das Bewässerungssystem für den Rasen noch lief und wir uns gezwungen sahen, die Sicherung zu ziehen. Diese wurde im Anschluss selbstverständlich wieder ordnungsgemäß eingerichtet. Im dritten Jahr war es zwar unheimlich verregnet, trotzdem fanden über 200 Besucher*innen den Weg zum Turnier und hatten trotz Matsch eine Menge Spaß. So fand im Anschluss auch noch eine Demo um den Platz herum statt. Im letzten Jahr konnte zum ersten Mal ein reines Frauenteam den Kreativ*Pokal gewinnen, die Violent Vibrators. Insgesamt nehmen wir aus allen bisherigen Turnieren sehr schöne Erinnerungen mit.

TERZ: Was hat sich in den letzten Jahren beim Stand­Up!-Cup verändert?

StandUp!-Cup: Im Großen und Ganzen sind wir alle etwas organisierter und älter geworden. Es gibt deutlich mehr Menschen, die sich mit dem Turnier auseinandersetzen und Interesse daran haben, dieses zu organisieren und weiterzuentwickeln. Wir sind deutlich bekannter geworden und mussten das Turnier von Jahr zu Jahr aufstocken, da immer mehr Anfragen aus der Umgebung kamen. Auch die Arbeitsweise hat sich geändert, da es etwas gelassener zugeht, und alle verschiedene Erfahrungen sammeln konnten. Trotzdem sind wir immer etwas nervös, wenn es sich zum Turniertermin hin bewegt. Jede*r hat da verschiedene Eigenschaften, die mensch mal mehr und mal weniger zu spüren bekommt. Hier müssen wir uns aber auch nochmal bei den diversen Teams und Gruppen bedanken, die durch Anregungen immer wieder dazu beigetragen haben, dass sich das Turnier kontinuierlich weiterentwickelt. Mittlerweile gibt es auch mehr Aktivitäten abseits des Fußballplatzes, da wir auch anderen Menschen eine Möglichkeit bieten wollen, sich zu beteiligen. Im Vordergrund steht dabei das antirassistische Rahmenprogramm, das ständig erweitert wird und dieses Jahr gefüllter ist als je zuvor. Eine Sache hat sich jedoch nicht geändert: Ihr spielt genauso mies Fußball wie die Jahre zuvor ;)

TERZ: Wie kamt Ihr auf die Idee den StandUp!-Cup zu veranstalten?

StandUp!-Cup: Erst einmal muss man sagen, dass wir unser Soli-Aktionen-Portfolio erweitern wollten. Der antirassistische Gedanke spielte dabei natürlich auch eine große Rolle, genauso wie der politische Inhalt, den wir mit diesem Turnier vermitteln möchten. Der positive Nebeneffekt dieser Solidaritätsaktionen ist es, auch einem größeren Kreis von Menschen eine Alternative zum Stumpfsinn bieten zu können. Außerdem haben wir gerne Fußball gespielt, und als wir uns irgendwann zum ausüben dieser Sportart im Volxgarten trafen, wurde die Idee zum ersten Mal konkreter, ein solches Turnier zu veranstalten. Des Weiteren wollten wir einen coolen Tag miteinander verbringen, um gemeinsam Spaß zu haben und dadurch die Vernetzung weiter zu fördern.

TERZ: Welchen Zweck erfüllt der StandUp!-Cup?

StandUp!-Cup: Wir möchten Alternativen aufzeigen und politische Statements machen. Das Turnier soll ein deutliches Zeichen gegen den gesellschaftlich anerkannten Alltagsrassismus in den Städten und Stadien dieser Welt sein. Hier bietet sich eine Gelegenheit, "Räume" aufzuzeigen, die möglichst frei sein sollen von diskriminierenden Strukturen! Dies beinhaltet unter anderem auch, dass es kein Wettkampfturnier ist. Leider gibt es immer noch einige Gruppen/Teams, bei denen das ab und zu nicht funktioniert. Wir wollen einen progressiven Austausch, und da liegt es auch an uns, diesen weiter zu fördern, um unseren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Fußball soll hier ein guter Nebeneffekt, sein um diese Inhalte zu vermitteln. Hinzu kommt, dass auch die gesammelten Spenden des StandUp!-Cup an antirassistische Gruppen und Initiativen gehen. So trägt jede*r seinen Teil zur Unterstützung dieser Arbeit bei.

TERZ: Wen wollt Ihr mit dem StandUp!-Cup ansprechen?

StandUp!-Cup: In erster Linie ist es ein Turnier der alternativen und linken Szene in Düsseldorf, darüber hinaus möchten wir auch neue und andere überregionale Personengruppen ansprechen. So soll ein bunter Mix aus vielen verschiedenen Subkulturen zu Stande kommen.

TERZ: Der organisatorische Aufwand ist hoch. Was treibt Euch dazu diese Mühen auf euch zu nehmen?

StandUp!-Cup: Die Antwort ist einfach: Weil es sonst keine*r macht ;-) Für uns ist wichtig, dass die Menschen sich wohl fühlen und sich mit dem StandUp!-Cup identifizieren können. Wir möchten dem alltäglichen Konsum des Lebens eine Alternative entgegen setzen und uns so unsere Freiräume erkämpfen. Der Spaß und die Freude in den Gesichtern entlohnt außerdem für den Stress und Aufwand. Hier sei einmal gesagt, dass jede Hilfe am Tag selbst gewünscht ist. Ob es beim Auf- und Abbau ist oder bei anderen Dingen, die Ihr mit euren Fähigkeiten und Talenten bewältigen könnt. Wichtig ist einfach, dass es am Ende für alle ein schöner Tag war. Ganz abgesehen von dem Hippiekram, wollen wir euch halt schwitzen sehen. ;-)

TERZ: Wie steht die Universität zu dem StandUp!-Cup?

StandUp!-Cup: Südwestlich!

TERZ: Es gibt zwei Pokale, einer davon ist der Spaß*-Pokal, Welchen Sinn hat dieser?

StandUp!-Cup: Der Freude*-Pokal soll für die Kreativität und den Spaß des Turniers stehen.
Um euch den Genießer*-Pokal zu sichern verweisen wir hier noch einmal auf die Homepage:
www.standup-cup.org
* Weitere Namensvorschläge sind erwünscht! (pokal*name@standup-cup.org)
kleiner Hinweis: Die Jury ist bestechlich!

TERZ: Wie lautet das Motto des 5. StandUp!-Cup?

StandUp!-Cup: "freedom for movement!"
Wir haben uns dafür entschieden, weil wir auf die aktuellen Kämpfe der Flüchtlingsbewegung aufmerksam machen wollen. Seit der faktischen Abschaffung des Asylrechts am 26.05.1993 hat die Repression gegenüber Flüchtlingen weiter zugenommen, deswegen ist es heute wichtiger denn je, sich solidarisch mit den Kämpfen dieser Bewegung zu zeigen.
Ein anderer Grund für die Auswahl des Mottos ist die aktuelle progressive Strömung in den Fußballstadien, die von antifaschistischen Ultra- und Fangruppen vorangetrieben wird. Am Tag selbst halten die Ultras Braunschweig einen Vortrag über die anhaltenden Nazistrukturen im Braunschweiger Stadion und klären uns über die aktuelle Situation in Ihrer Stadt auf.
Nicht nur aus den gegebenen Anlässen fordern wir also: "freedom for movement!!!"

TERZ: Welche Möglichkeiten werden mit dem StandUp!-Cup z.B. Flüchtlingsgruppen eröffnet?

StandUp!-Cup: Für uns ist es ungemein wichtig, die alltäglichen Barrieren zu durchbrechen, die von der Gesellschaft aufgebaut werden. Wir möchten den Flüchtlingen eine normale Interaktion mit allen Menschen bieten, da diese im Alltag sehr isoliert werden und ihre Schicksale von der breiten Masse außer Acht gelassen werden. Spaß und Abwechslung stehen also im Vordergrund, damit sie an einer Gesellschaft teilhaben können, die eigentlich für alle gleich sein sollte. Dinge, die für uns normal erscheinen, sind in diesem Land nicht für alle Menschen zugänglich, deshalb versuchen wir mit diesem Turnier ein Stück Freiheit zu schaffen.

TERZ: Wann wird der 5. StandUp!-Cup stattfinden?

StandUp!-Cup: Leider gar nicht, da das Interview zu viel Arbeit gemacht hat!
Am Samstag, 08.06.2013 um 9 Uhr! Weitere Informationen findet Ihr auf www.standup-cup.org Direkt im Anschluss wird am Unigelände noch eine Party veranstaltet!
(kursives könnte Witz oder Ironie enthalten, Die Red.)

Vorprogramm

In Zusammenarbeit mit verschiedenen Gruppen und Initiativen haben wir ein interessantes Vorprogramm erstellt.

27.05.2013 – ab 19.30 h / Linkes Zentrum Hinterhof
Der Ball ist rund, auch für Nazis!
Extrem rechte Bestrebungen in den europäischen Fanszenen und Fußballstadien

(Referent: Bernd Schwickerath)
Zusammen mit INPUT – antifaschistischer Themenabend und Kopfball Düsseldorf

01.06.2013 – ab 19.00 h / Linkes Zentrum Hinterhof
Auslosung der Gruppen und Spielpaarungen
mit anschließender Fan-Kneipe
Zusammen mit F95.ANTIRAZZISTA

04.06.2013 – ab 19.30 h / Linkes Zentrum Hinterhof
Vortrag der Aachen Ultras
zu ihrer aktuellen Situation
(Mit Vokü und Soli-Muffins)
Zusammen mit Kopfball Düsseldorf

06.06.2013 – ab 19.30 h / Linkes Zentrum Hinterhof
Doku/Film: Welcome!
Der Film beschreibt die Geschichte des 17-jährigen Kurden Bilal, der seit mehr als 3 Monaten zu Fuß auf der Flucht aus dem Irak durch ganz Europa ist, bis er nun an der Nordküste Frankreichs strandet und seine Reise dort ein abruptes Ende findet.
(mit Vokü)
Zusammen mit Cafe Bunte Bilder

Programm

08.06.2013 – ab 9 h
StandUp!-Cup

Nachprogramm

08.06.2013 – direkt nach dem StandUp!-Cup / SP-Saal Uni Düsseldorf
Party mit Live-Musik und anschließend DJ’s
(mit Vokü und Soli-Cocktails)
Zusammen mit dem "festival contre le racisme"