Zwangsräumung vorerst verhindert!

Solidarität zahlt sich aus!

Am 18.09.2014 ging es bei Hans Liedloff, einem 89 Jahre alten Rentner um nichts weniger als sein Zuhause. Er wehrte sich vor dem Landgericht Düsseldorf gegen seine Zwangsräumung. Diese hatten seine Vermieter*innen nach einem jahrelangen Rechtsstreit vor dem Amtsgericht erkämpft. In der Berufungsklage erhielt der hochbetagte Mieter aus Garath nun Unterstützung von „Recht auf Stadt“ aus Köln und dem „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“ in Düsseldorf.

Begründet wurde die Zwangsräumung des zu 100%-schwerbehinderten Mieters mit dessen Mietschulden. Diese sind entstanden, da sich der Hochbetagte gegen Veränderungen an seinem Balkon gewehrt hatte. Da der Balkon nicht mehr nutzbar ist, minderte der Rentner seine Miete. Zudem behaupteten die Vermieter*innen und ihr Anwalt außerdem, dass das Mietverhältnis insgesamt zerrüttet sei. Der Mieter aus Garath hatte zuvor eine Strafanzeige gegen die Vermieter*innen gestellt, da er die Bauarbeiten am Balkon als Schikane wahrnahm.

Herr Liedloff lebt seit über 50 Jahren in seiner Wohnung in Garath. In dieser hat er den größten Teil seines langen Lebens verbracht. Neben zahlreichen schönen Erlebnissen hat er zuletzt parallel zu den ersten juristischen Auseinandersetzungen mit seinen Vermieter*innen das Sterben seiner Frau verkraften müssen. Die Wohnung stellt für Herrn Liedloff mehr als nur ein Dach über dem Kopf dar. Neben all den Erinnerungen, die mit dieser Wohnung verbunden sind, ermöglicht sie dem 89-jährigen heute auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Der Rentner kann zwar sehen, jedoch wie er sagt, nicht „erkennen“. In seiner bekannten Umgebung kann er sich jedoch selbständig zurechtfinden. Freunde und Bekannte aus der Nachbarschaft unterstützen ihn dabei. Der Weg zum nächsten Geschäft kann so trotz Sehbehinderung bewältigt werden. Die Wohnung ermöglicht dem 89-jährigen also bis heute ein selbstbestimmtes Leben, das er im Falle einer Zwangsräumung verlieren würde.

Der Hochbetagte sieht sich nicht gern als Hilfebedürftiger und Bedauernswerter und dazu gibt es auch keinerlei Anlass. Herr Liedloff möchte sich wehren und dies tut er auch. Unter anderem, indem er die Öffentlichkeit suchte und zum „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“ kam.

Zunächst nahm Kalle aus Köln Kontakt zu ihm auf. Kalle wurde dieses Jahr in Köln geräumt. Obwohl er von vielen Kölner*innen unterstützt wurde, konnte seine Zwangsräumung nicht verhindert werden. Damals hatte sich Kalle an die Gruppe „Recht auf Stadt“ in Köln gewandt und seinen Fall publik gemacht. Genauso wie Kalle sich an „Recht auf Stadt“ wandte, so suchte auch Herr Liedloff die Öffentlichkeit und Unterstützung beim „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“ in Düsseldorf.

Neben den juristischen Gegebenheiten stand im Prozess vor allem der (un)menschliche Aspekt im Mittelpunkt sowie das Recht des Rentners, seinen Lebensabend in seiner Wohnung zu verbringen. Diese Ansicht teilten nicht nur das „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“ und „Recht auf Stadt“, sondern, wie sich am Prozesstag zeigte, auch die über 30 sich solidarisch zeigenden Demonstrant*innen vor dem Landgericht. Außerdem waren mehrere Fernsehsender und Tageszeitungen vor das Landgericht gekommen, um über die bevorstehende unmenschliche Räumung zu berichten. Keinen der Anwesenden schien die mögliche Räumung kalt zu lassen, auch den Richter nicht. Dieser sprach im Gerichtssaal zuallererst die menschliche Komponente an. Er forderte die Konfliktparteien auf, eine außergerichtliche Lösung zu suchen. Erstmals zeigten sich an diesem Tag die Räumungskläger*innen zu Gesprächen bereit. Die Solidarität und die große Öffentlichkeit schienen die Kläger*innen zum Umdenken bewegt zu haben. Der Anwalt der Vermieter*innen bot im Falle einer Entschuldigung von Herrn Liedloff an, auf die Räumung zu verzichten. Damit war die Verhandlung schnell beendet. Bis zum 6. November können die Anwälte gemeinsam mit ihren Mandanten nun eine außergerichtliche Lösung finden. Sollte dies nicht möglich sein, wird dann über die Räumung erneut verhandelt.

Der Protest, die Solidarität und die breite Öffentlichkeit zahlten sich am Prozesstag letztlich aus. Eine Zwangsräumung wurde vorerst verhindert, und ein 89-jähriger kann hoffentlich seinen Lebensabend in seiner Wohnung verbringen.