Der große Vorsitzende in Düsseldorf Vol. IX

Eine Zeit lang hat der Maoismus auch in Düsseldorf getreue Anhänger*innen gefunden. In einer Serie stellt das MAO-Projekt für die Terz einige Gruppen und Aktionen vor. Nachdem wir uns im letzten Artikel unserer Serie dem „Roten Betriebsrat“ Uwe Bräutigam und seine Aktivitäten in Garath widmeten, geht es nun um die Schüler*innenbewegung von 1969 bis 1974.

Im Frühjahr 1969 bestand eine gemeinsame Organisation von Studierenden in Gestalt der „Antiautoritären Schüler und Studenten Düsseldorf (ASSD)“. Ihre Arbeitskommune widmete sich der sexuellen Aufklärung, peilte aber auch an, in Klassen-Kollektiven Unterrichtskritik zu betreiben und gegen „Lehrersadismus“ vorzugehen. Wenig später wurden die Anhänger*innen der „Deutschen Kommunistischen Partei (DKP)“ an den Düsseldorfer Oberschulen aktiv: sie organisierten sich im „Zentralrat der Düsseldorfer Oberschüler“, den sie ebenso wie auch den „Arbeitskreis Düsseldorfer Schüler (ADS)“, den Zusammenschluss der Schüler*innenvertretungen, dominierten. Zu Anfang des Jahres 1970 beteiligten sich die Düsseldorfer Schüler*innen am Protest gegen das neue Hochschulgesetz, wenig später folgten weitere Demonstrationen und Streiks. Als erste linksradikale Gruppe scheint dann im Herbst 1970 die „Revolutionär-Kommunistische Jugend (RKJ)“ in Düsseldorf eine Schüler*innengruppe aufgebaut zu haben, die eigene Aktionen durchführte. Sie arbeitete jedoch auch in den Basisgruppen des Zentralrats mit, die sich nicht zuletzt im Frühjahr 1971 dem Fahrpreiskampf widmeten. Vermutlich löste sich diese Schüler*innengruppe bald wieder auf oder widmete sich vorrangig anderen Arbeitsfeldern.

Spaltungen und Gründungen

Der Zentralrat spaltete sich dann im Laufe des Frühjahrs 1971 zunächst in einen an der DKP orientierten Flügel, der sich dann als „Marxistischer Schülerbund (MSB) Düsseldorf“ formierte und vermutlich die Mehrheitsfraktion darstellte, sowie in eine Restgruppe, die den Namen „Zentralrat“ beibehielt. An den Berufsschulen war damals die „Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ)“ der DKP mit ihrer Zeitung „Kehrseiten“ aktiv. Die Westberliner KPD-Aufbauorganisation (KPD/AO) vollzog dann ihren Namenswechsel in „KPD“ nicht zuletzt wegen ihrer Ausdehnung auf die gesamte Bundesrepublik. Für die Düsseldorfer Gruppe stellte sie ein wesentliches Band her. Die Gruppe, die sich vermutlich aus dem Zentralrat der Düsseldorfer Oberschüler zusammensetzte, orientierte sich ab dem Sommer 1971 offenbar mehrheitlich an der KPD. Sie beteiligten sich in den folgenden Monaten aktiv an deren internationalistischen Kampagnen zu Japan und Vietnam. Der MSB aber dominierte gemeinsam mit den Jusos der SPD weiter die Bezirks- Schülermitverwaltung, in der die Freund*innen der KPD als Minderheitsfraktion aktiv waren. Aus dem Zentralrat waren mittlerweile nicht nur die Anhänger*innen der DKP ausgetreten, sondern auch diejenigen der „KPD/ML-Revolutionärer Weg“ um Willi Dickhut bzw. des „Kommunistischen Arbeiterbundes (ML“), die vor allem am Helene-Lange-, dem Leibnitz- und dem Geschwister-Scholl-Gymnasium vertreten waren. Sie hatten sich eigenständig als „Marxistisch-leninistische Schülergruppe (MLSG) Düsseldorf“ organisiert und gaben im Jahr 1972 eine stadtweite „Rote Schülerpresse“ heraus. Auf Landesebene spitzte sich dann Ende des Sommers 1972 der Konflikt um die Schülermitverwaltung und deren „SMV-Press“ zu. Düsseldorfer Schüler*innen hatten dabei wichtige Funktionen im Landesvorstand der Schülermitverwaltung (SMV) der Gymnasien, aber auch der allgemeinbildenden Schulen inne. An der Auseinandersetzung um die Vorherrschaft in der Landes-SMV waren dann sowohl auf Seiten der Freund*innen der DKP und der Jungsozialist*innen, als auch auf denen der KPD, die sich nun als „Kommunistischer Oberschülerverband (KOV)“ organisierte und eine starke Minderheitsfraktion bildete, Düsseldorfer Schüler*innen beteiligt.

Lokal und international

Gegenüber stand den linken Gruppen ab dem Sommer 1972 auch der „Bund demokratischer Schüler (BDS)“. Diese jungen Anhänger*innen der CDU führten am 21. Oktober, während die Linken sich im Protest gegen die NPD engagierten, ihren Bundesparteitag in Düsseldorf durch.

Der Kommunistische Oberschülerverband organisierte im November 1972 einen landesweiten Schüler*innenkongress in Düsseldorf. Der Arbeitskreis Düsseldorfer Schüler beantwortete diesen mit einem eigenen Kongress Anfang Dezember, der im Vorfeld einer landesweiten Schüler*innen- und Studierendendemonstration stattfand. Die Freund*innen der KPD begannen dann Anfang 1973 mit der Zellenzeitung „Der Wecker“ am Lessinggymnasium, nachdem dies bereits kurz zuvor von der MLSG (Marxistisch-leninistische Schülergruppe Düsseldorf) mit dem „Roten Faden“ am Leibniz-Gymnasium begonnen und Ende 1973 mit der „Langen Scholle“ für das Helene Lange- und das Geschwister Scholl-Gymnasium komplettiert wurde. Beide Gruppen widmeten sich Anfang 1973 verstärkt der Vietnamsolidarität, aber auch der Solidarität mit dem Befreiungskampf in den portugiesischen Kolonien in Afrika. Organisiert wurde zudem im Februar des Jahres ein Streik für die Wiedereinstellung des Lehrers Ludwig am Geschwister Scholl-Gymnasium, den das Berufsverbot ereilt hatte. Der Zentralrat löste währenddessen formal auf. Der MSB der DKP, aber auch die SMV, protestieren im Frühjahr 1973 ebenfalls gegen die Berufsverbote sowie gegen die materiellen Mängel an den Schulen und für die Rechte der Schüler*innenvertretungen. Auf NRW-Ebene, nämlich in der Landes-SMV, zogen im Herbst 1973 Düsseldorfer Schüler*innen in den Vorstand ein. Sowohl der KOV (Kommunistischer Oberschülerverband) als auch die MLSG sprachen angesichts des Putsches den Chilen*innen im Herbst 1973 ihre Solidarität aus. Sie unterstützten jedoch auch weiterhin den Befreiungskampfes in Vietnam.

Der Originalartikel in der MAO befindet sich unter: http://mao-projekt.de/BRD/NRW/DUE/Duesseldorf_SMV_Schuelerbewegung.shtml

Das MAO-Projekt

Das Projekt „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO) wurde von Dietmar Kesten und Jürgen Schröder ins Leben gerufen. Seit über 30 Jahren widmen sie sich, unter Mitarbeit von Dieter Osterloh, der Geschichte der radikalen Linken und der sozialen Bewegungen der Bundesrepublik Deutschland. So ist eine riesige, für die Nutzer*innen kostenfreie Datenbank entstanden, in der Scans von – oft raren – Originaldokumenten und ihre Auswertungen abgerufen werden können. Derzeit umfassen die Texte ca. 300 MB in 16.795 Dateien, und es wurden ca. 216.000 Scans veröffentlicht.

http://mao-projekt.de