Die (Alt)Stadt gehört allen!?

Am Mittwoch, den 11. Oktober war es soweit. Mit großem gegenseitigen Schulterklopfen der „Düsseldorfer Stadtgrößen“ wie dem Oberbürgermeister Geisel, der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann oder dem RTL-Moderator Wolfram Kons (dem Schmierlappen aus dem Morgenfernsehen), wurde das Andreas Quartier inmitten der Düsseldorfer Altstadt eröffnet. Thomas Geisel (schimpft der sich noch Sozialdemokrat?) schwadronierte gar von einem „neuen Wahrzeichen“ für die Landeshauptstadt. Na dann, Prost …

„Das Andreas Quartier bringt die hohe Lebensqualität der Stadt auf den Punkt. Vier Gebäude entstehen im Herzen der Stadt“, so beschreibt der Immobilieninvestor Frankonia sein neuestes Prestigeprojekt. Das alte Amtsgericht wurde bereits 2007 vom Land NRW an den Privatinvestor verkauft. Zunächst sollte ein Hotel entstehen. Dieser Plan wurde jedoch zugunsten der Schaffung von Eigentumswohnungen verworfen. Insgesamt entstanden hier also 267 Wohneinheiten mit Preisen von 4.400 bis 16.000 Euro pro Quadratmeter.

Damit sind ein weiteres Mal die ohnehin knappen Flächen der Stadt Düsseldorf privatisiert worden, die lediglich einer kleinen Gruppe von besonders zahlungskräftigen Menschen zugute kommen. Le Flair, FlinCarré, Heinrich Heine Gärten und das Andreas Quartier – die Liste ließe sich ewig weiterführen. Es wird eng: Flächen sind begehrt und ökonomisch wie politisch hart umkämpft. Und während im hochpreisigen Sektor ständig neue Quartiere entstehen, wetteifern Geringverdiener*innen um die immer weniger werdenden bezahlbaren Wohnungen. Sie suchen über Monate, zahlen horrende Abschläge und drängen sich zu Dutzenden auf Besichtigungsterminen, nur um eine halbwegs erschwingliche Wohnung zu finden, deren Mietzins am Ende oft weit über die Hälfte des Einkommens verschlingt. Wir haben es satt, dass die Politik trotz aller Versprechungen nicht dafür sorgt, dass Wohnraum für alle geschaffen wird. Sollte dieser doch mal realisiert werden, entsteht er meist am Stadtrand, in gesichtslosen Wohnparks, weitab von Einkaufsmöglichkeiten, Kulturangeboten und anderer urbaner Infrastruktur. Die begehrten Lagen im Stadtzentrum sind einer investitionsstarken Klientel vorbehalten. Den Armen bleiben oft nur die Randbezirke oder sie müssen direkt in eine andere Stadt ziehen.

Aber es geht nicht allein um Wohnraum. Es geht darum, wer an der Stadt teilhaben kann und wer nicht. Wer hat einen Anspruch auf urbanes Leben und wer muss draußen bleiben? Öffentliche Plätze verschwinden, Sitzgelegenheiten werden entfernt, Obdachlose vertrieben. Die Stadt wird in Wert gesetzt und wer finanziell nicht in der Lage ist zu konsumieren, wird ausgesperrt. Die Düsseldorfer Altstadt ist vielfältig: Tanzwütige, Obdachlose, Nachtschwärmer*innen, Gastroangestellte, Klein­künstler*innen und Prekäre – sie und viele andere bevölkern die Altstadt. Jede und jeder von ihnen hat ein individuelles Recht auf Stadt, ein Recht auf Teilhabe und Gestaltung des Raumes, in dem wir gemeinsam leben.

Das Land NRW, welches das alte Amtsgericht an den privaten Investor verkaufte, hätte die Gelegenheit gehabt, hier einen Ort entstehen zu lassen, der möglichst viele Menschen partizipieren lässt. Ein Kultur- oder Begegnungs­zentrum, Wohnraum für verschiedene Bevölkerungsgruppen, Proberäume, was auch immer. Orte, die von den Menschen, die in dieser Stadt wohnen, mitgestaltet und geplant werden. Doch es wurde wieder eine Chance vertan, Düsseldorf zu einer wirklich lebenswerten Stadt zu machen. Auch dieses Grundstück wurde einfach an den Höchstbietenden verramscht, um ein weiteres Luxus-Quartier zu bauen. In diesem Sinne – auf Düsseldorf, eine Stadt für fast alle, Salut!

IFURIOSI (IL, DÜSSELDORF)


BRAUNE BLÄTTER MÜSSEN WELKEN

Gemeinsam laden die Düsseldorfer Gruppen Barrikada und die Inter­ventionistische Linke Düsseldorf [see red!] ins zakk ein. In ganz Deutschland und auch in Düsseldorf gibt es Kioske und Geschäfte, die rechte Printmedien wie die Junge Freiheit oder das Compact Magazin tagtäglich verkaufen, ohne dass es bisher eine größere Gegenkampagne gab.

Daher möchten wir mit euch über die rechte Propaganda in Printmedien und vor allem auch über die passende Kampagne dagegen sprechen. ZEIKA [ZEItungsKAmpagne] ist ein Projekt, das ins Leben gerufen wurde, um rechter Propaganda im öffentlichen Raum entgegenzutreten. Dabei konzentrieren wir uns auf die Verbreitung rechter Zeitschriften, welche wir mit der ZEIKA einzudämmen gedenken.

Wir wollen den Abend mit einem allgemeinen Vortrag über rechte Printmedien beginnen und stellen danach unser Konzept vor, mit dem ihr selbst sofort zur Tat schreiten könnt. Den Aktionstag am 11.11.17 möchten wir euch ebenfalls gerne vorstellen.

ZEIKA - AKTIONSTAG 11.11.

Am 11.11. läuten auch wir eine „neue Zeit“ ein. Keine jeckische fünfte Jahreszeit, sondern eine rassismusfreie Büdchenzeit.Wir, Barrikada und die Interventionistische Linke Düsseldorf [see red!] wollen gemeinsam mit euch die rassistischen und rechten Printmedien aus den Düsseldorfer Kiosken vertreiben. Am 11.11. laden wir euch daher zum ZEIKA-Aktionstag ein. Bei einem Spaziergang durch Düsseldorf wollen wir gemeinsam mit euch Kioskbesitzer*innen auf ihre rassistische Ware hinweisen und sie zum Entsorgen der Zeitungen motivieren. Kommt vorbei und beteiligt euch an der ZEIKA. Büdchen sind Orte des vielfältigen Zusammenkommens, an denen kein Platz für menschenverachtende Hetze ist.

Kommt vorbei!

https://zeika.barrikada.de/

BARRIKADA | INTERVENTIONISTISCHE LINKE DÜSSELDORF [SEE RED!]