„Gesundheitspolitik geht jeden an!“

An der Düsseldorfer Uniklinik fehlt es von der Küche bis zur Pflege an Personal. Die Beschäftigten können ihre Pausen nicht nehmen und leisten Überstunden. Die Kolleg*innen aus den Servicebereichen (Transportdienst, Reinigung, Sterilisation, Sicherheitsdienst etc.)der Tochterfirmen UKM und GKD haben nicht einmal Tarifverträge.
Was bedeuten nun die Belastungen für die jüngere Generation, wie stellen sie sich dem entgegen. Und kommt die Unterstützung des Bündnisses bei den Beschäftigten an? I furiosi im Gespräch mit einem Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) des Uniklinikums Düsseldorfs.

Kannst du uns deine Gruppe/Organisation (JAV) kurz vorstellen?

Gerne. Wir, die Jugend- und Auszubildendenvertretung des Uniklinikums Düsseldorfs, sind ein elf-köpfiges Gremium, das in enger Zusammenarbeit mit unserem Personalrat, alle Auszubildenden, alle nicht-volljährigen und alle Praktikant*innen im gesamten Klinikum vertritt. Ungefähr 550 Arbeitnehmer*innen umfasst unser Engagement.

Welche Leute sind da drin, und was macht ihr so?

Wir bestehen aus jungen Beschäftigten und Auszubildenden zwischen 19 und 25 Jahren aus unserem Betrieb. Unsere Arbeit lebt von unserer Vielfalt. Ungefähr 15 verschiedene Ausbildungsberufe kann man derzeit an der Uni erlernen, und wir sind stolz darauf, dass in unserem Gremium auch viele verschiedene Berufe zusammenkommen. Als Elektroniker*innen, Anlagemechaniker*innen, Zahnmedizinische Fachangestellte, Medizinisch-technische Radiologie Assistent*innen und Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpfleger*innen arbeiten wir zusammen an den Verbesserungen aller Ausbildungsbedingungen in unserem Klinikum. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir alle ver.di-Mitglieder sind und uns auch privat aktiv für die Verbesserung der Arbeitnehmenden in Deutschland stark machen können.

Warum ist es euch wichtig, euch als „junge Menschen“ zu organisieren?

Naja, je länger man passiv bleibt und zuschaut, wie sich die Arbeitsbedingungen um einen herum verändern oder eben nicht verändern, desto weniger Zeit hat man, sie mitzugestalten. Und in unserer Branche führen der Fachkräftemangel und der unbändige Wunsch unseres Vorstandes nach schwarzen Zahlen eben dazu, dass wenn wir nicht „jung“ anfangen, uns zu organisieren und mitzumischen, wir das „alt“ im gleichen Beruf vielleicht gesundheitsbedingt nicht mehr erleben können.

Wie ist eure Perspektive auf euren Berufsalltag?

Im Moment trau‘ ich mich noch nicht mal, an nächste Woche zu denken, wenn ich überlege, wie viele Kolleg*innen diese Woche wieder krank waren. Nein. Spaß beiseite. Wenn ich die Frage richtig verstehe, geht es ja um mein tägliches Arbeitserlebnis. Der Personalmangel führt zu einer extremen Arbeitsbelastung sowohl psychisch als auch physisch, mit der Folge, dass die Krankheitsrate unter den Beschäftigten sehr hoch ist. Dadurch sinken die Besetzungen in den einzelnen Schichten, und die Belastung für den Einzelnen steigt. Der Teufelskreis kommt in Gang. Die enorme Belastung führt dazu, dass viele Berufsanfänger*innen in den ersten Jahren stark überlastet sind und dadurch eine andere Ausbildung oder ein Studium beginnen. Durch die beinahe freie Arbeitsplatzwahl können sich erfahrene Kolleg*innen ihre Nischen in stressfreieren Arbeitsfeldern suchen. Dadurch geht unglaublich viel Erfahrung verloren und die Qualität der Einarbeitung von Berufsanfänger*innen sowie die Ausbildung unserer Auszubildenden sinken. Und ohne eine qualifizierte Ausbildung und Einarbeitung ist die Überforderung und Überbelastung im Beruf vorprogrammiert. Dieser Zusammenhang lässt sich auch auf all die anderen Berufe in unserem Haus übertragen. Denn da wo kein Fachkräftemangel besteht, wird noch nicht einmal versucht, das Personal auch nur annähernd zu halten. Die Tochtergesellschaften des UKDs streiken schon seit fast einem Jahr für die Aufnahme in einen gültigen Tarifvertrag.

Was ist eure Motivation, euch im Arbeitskampf und im Bündnis zu engagieren?

Die Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss und die Hoffnung, dass wir das zusammen erreichen! Und in diesem Zusammenhang ist es für mich alleine schon eine Riesen-Motivation zu wissen, dass nicht nur wir Betroffene zusammenhalten, sondern dass es euch als Bündnis gibt und jeder Einzelne von Euch sich für uns stark macht!

Worin besteht für euch der Unterschied zwischen der Bündnisarbeit und der Mitgliedschaft in der Gewerkschaft?

Die Gewerkschaft will dafür sorgen, dass ich als Pfleger Rahmenbedingungen auf meiner Arbeit vorfinde, mit denen ich anständig arbeiten kann und wenn ich will, ich meinen Beruf bis zur Rente ausführen kann. Jeder ist auf eine vernünftige Personalbesetzung in Krankenhäusern angewiesen, sowohl Patient*innen als auch die Beschäftigten von der Küche über das Reinigungspersonal den Transportdienst bis hin zur Pflege.
Das Engagement des Bündnisses beweist mir, dass die Arbeit von uns Beschäftigten im Krankenhaus sowie unser Arbeitskampf von der Gesellschaft wertgeschätzt und unterstützt werden. Dass ich ein Eigeninteresse am Arbeitskampf der Gewerkschaft, habe ist klar, aber das andere ein Interesse am Erfolg meines Erfolgs haben, dass erfüllt alles mit ein bisschen mehr Sinn und macht einfach Bock!

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Ich fände es schön, wenn wir eine richtige Bewegung werden würden, denn Gesundheitspolitik geht wirklich jeden etwas an. Und ich wünsche mir, dass sich vor allem in der Einstellung der Direktoren zu ihren Kliniken etwas verändert. Ich will nicht lernen, wie ich im Gespräch mit Patient*innen Zeit spare, sondern ich will die Zeit haben ihnen wirklich zu helfen, damit sie nicht Patient*innen bleiben müssen.