Das AStA-Projekt Erinnerungs- und Lernort Alter Schlachthof präsentiert in der Reihe „erinnern – handeln – widersetzen“

Do., 15. Nov. 2018, 18.30 Uhr, HSD-Campus am S-Bf. Derendorf, Gebäude 3, Erdgeschoss, Café Freiraum:
Jakob Sporrenberg und das Massaker „Aktion Erntefest“ in Lublin 1943
Referentin: Kathrin Schulte (Münster).
„Zu schwach, um nein zu sagen“, urteilte der britische Captain A. Francis über den in Düsseldorf geborenen SS- und Polizeiführer in Lublin Jakob Sporrenberg. Dieser hatte die „Aktion Erntefest“ verantwortet, eine Massenerschießung, der am 3. November 1943 im KZ Majdanek und weiteren Orten im deutsch besetzten Distrikt Lublin etwa 42.000 Menschen zum Opfer fielen, die meisten von ihnen Jüdinnen und Juden. Sporrenberg, vor dem Massaker degradiert und im Konflikt mit Heinrich Himmler, wurde in der Historiographie bislang weitestgehend vernachlässigt. Ihm unterstanden während der „Aktion Erntefest“ mehrere Mitarbeiter, die vor allem ein Merkmal mit ihm teilten: die Zugehörigkeit zur sogenannten Kriegsjugendgeneration. Allerdings erklärt eine solche Generationszugehörigkeit nicht allein, wie Männer zu NS-Tätern wurden. Diesbezüglich bietet die Täterforschung mit neuen Theorien großes Potenzial, diese Gründe am Beispiel Sporrenberg zu ermitteln und hinterfragen. Kathrin Schulte studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und schloss mit dem Master of Arts Geschichte (Schwerpunkt NS) ab.

Der Antifa-AK an der HSD präsentiert als Mitveranstalter

Antifa-Café Düsseldorf
Di., 20. Nov. 2018, ab 19 Uhr geöffnet (Programmbeginn 20 Uhr), Zentrum Hinterhof, Corneliusstr. 108:
Tschechiens extreme Rechte und ihre Beziehungen nach Deutschland
Im Jahr 1989 beendete die „Samtene Revolution“ die 40-jährige Herrschaft der Kommunistischen Partei in der Tschechoslowakei. Die Zeit des Realsozialismus war beendet, begrüßt wurde alles, was in Opposition zur Ideologie des vorherigen Regimes stand. In diesem Kontext kam es auch zur Entstehung der ersten Parteien am rechten Rand des politischen Spektrums und zur Ausbreitung einer rechten Skinhead-Bewegung. Doch für die tschechische Rechte war in den 1990er Jahren nicht nur Antikommunismus kennzeichnend, sie bediente auch einen starken Antigermanismus. Dies änderte sich in den 2000er Jahren. Rechte Akteure in Deutschland wurden zu wichtigen Kooperationspartnern ihrer tschechischen „Kameraden“. Das hält bis heute an und umfasst auch die rechtspopulistische und islamfeindliche Offensive.
Wie entwickelte sich die extreme Rechte in Tschechien in den letzten 30 Jahren? Inwiefern hat die extreme Rechte in Deutschland als Vorbild und Kooperationspartner diese Entwicklung beeinflusst? Um diese und andere Fragen zu beantworten, hat das Antifa-Café Düsseldorf eine antifaschistisch aktive Referentin aus Tschechien eingeladen, die nach ihrem Überblick in Vortragsform für Fragen und Diskussionen zur Verfügung steht.

INPUT – antifaschistischer Themenabend in Düsseldorf

Mi., 28. Nov. 2018, 19.30 Uhr, Zentrum Hinterhof, Corneliusstr. 108:
Urteil ohne Aufklärung. Eine kritische Bilanz der staatlichen Aufklärung im NSU-Komplex und die Frage nach den Konsequenzen.
Referent: Felix Hansen (apabiz e.V. und NSU-Watch)
Nach über fünf Jahren und 438 Verhandlungstagen wurde kürzlich im ersten NSU-Prozess das Urteil gesprochen. Es ist ein Urteil, das nicht nur enttäuscht, sondern wütend machen muss. „Nicht nur, weil die Angeklagten André Eminger und Ralf Wohlleben deutlich niedrigere Strafen erhalten haben, als es die Bundesanwaltschaft gefordert hatte. Viel schlimmer ist für die Nebenkläger*innen, dass das Urteil ein Schlussstrich sein will“, erklärten 22 Vertreter*innen der Nebenklage nach dem Urteil für ihre Mandant*innen.
Beate Zschäpe wurde wenig überraschend zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, wobei das Gericht auch die besondere Schwere der Schuld feststellte. André Eminger wurde lediglich wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt und von den anderen Vorwürfen, u.a. Beihilfe zum versuchten Mord, freigesprochen. Holger Gerlach wurde wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung in drei Fällen zu drei Jahren Haft verurteilt. Der ehemalige Düsseldorfer Carsten Schultze, der als einziger Angeklagter umfassend ausgesagt hatte, erhielt eine Jugendstrafe von drei Jahren Haft. Ralf Wohlleben verurteilte das Gericht zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren.
Das Urteil ist nicht nur den Dimensionen des NSU-Komplexes in seiner Gesamtheit nicht angemessen, sondern es spiegelt auch die Ergebnisse der Verhandlungen im Münchner Strafjustizzentrum nicht adäquat wider. Ein Urteil, mit dem das Gericht sogar noch hinter die Bundesanwaltschaft zurückfällt – nicht nur, was das Strafmaß betrifft, sondern vor allem, was den rigorosen, ins Groteske getriebenen Versuch der Zementierung der These vom NSU als isoliertes Trio angeht. Der erste NSU-Prozess hätte, wie NSU-Watch festgestellt hat, „auch ein Verfahren sein können, in dem die Fragen der Angehörigen und Überlebenden von Anfang an im Vordergrund gestanden hätten und ihre Forderungen und Geschichten nicht leise gedreht worden wären.“ Antworten auf die vielen offenen Fragen, etwa nach weiteren Unterstützer*innen, Nazi-Netzwerken und der Rolle des Staates, sucht man im Urteil vergeblich.
Wie geht es nach dem Prozess und dem Ende der meisten NSU-Untersuchungsausschüsse aber nun weiter? Wie kann die Aufklärung vorangetrieben werden? Diese Fragen wollen wir gemeinsam diskutieren und eine Perspektive entwickeln, wie die Auseinandersetzung mit dem NSU und der Gesellschaft, die ihn möglich machte, weitergehen kann.