Druckerei im Widerstand

Das K4 auf der Kiefernstraße zeigt im Januar eine Ausstellung von Plakaten aus Kolumbien. Wir sprachen bereits vorher mit Fabián Villa, einem der Künstler*innen des Kollektivs Ternario und der Druckerei Linterna aus der tropischen Metropole Cali.

TERZ: Hallo Fabián, Du kommst im Januar nach Deutschland, als Vertreter Eures Künstler*innen-Kollektivs. Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Fabián: Die Linterna ist eine Druckwerkstatt in Cali, die seit über 80 Jahren Plakate für kulturelle Veranstaltungen und politische Aktionen druckt. Sie nutzt Linolschnitt und manuelle Druckmaschinen, unter anderem eine Reliance von 1890 und eine Marinoni von 1870. Die Werkstatt ist damit fast ein Museum. Die drei Mitarbeiter sind wahre Meister in ihrem Handwerk.
Als wir im Jahr 2016 mitbekommen haben, dass dieser Kulturschatz in seiner Existenz bedroht war, haben wir es uns als Design-Kollektiv Ternario zur Aufgabe gemacht, die Linterna zu retten. Vor allem die steigenden Kosten im gentrifizierten Stadtteil San Antonio und die Verlagerung der Plakate auf digitale Wände machen es kompliziert, als Werkstatt mit einem künstlerischen und sozialen Anspruch zu überleben. Wir haben die Werkstatt für eine interessierte Öffentlichkeit geöffnet, seitdem ist die Linterna nicht nur Werkstatt, sondern ein Off-Raum, eine Galerie für Streetart und alternative Kunst.

TERZ: Und jetzt stellt Ihr sogar in Deutschland aus?

Fabián: Ja, denn mit dem gemeinsamen Engagement vieler Künstler*innen, Anwohner*innen und Aktivist*innen hat sich die Linterna in den letzten Jahren zu einem kulturellen und politischen Treffpunkt entwickelt. Anhand der Ausstellung lässt sich zudem über die Lage in den Städten in Kolumbien berichten und über die sozialen Kämpfe. Außerdem sind sie ein Ausdruck der eigenständigen Identität der lateinamerikanischen Kunstszene. Wir hoffen, darüber auch Kontakt zur deutschen alternativen Kunstszene zu bekommen und sind sehr gespannt auf den Austausch.

TERZ: Wie verortet Ihr Euch in der aktuellen politischen Situation in Kolumbien?

Fabián: In den letzten Monaten gab es massive Proteste im ganzen Land, auch bei uns in Cali. Das sind die größten Demonstrationen der letzten Jahrzehnte. Es ist eine Zeit des Umbruchs, die Leute sind nicht zufrieden mit der Politik der Regierung. Das spiegelt sich in der Kunst und der Musik, das ist ein historischer Moment.

TERZ: Was macht Ihr konkret?

Fabián: Kunst und Kultur haben eine sehr zentrale Rolle in den gegenwärtigen Protesten. Wir rufen massiv zu den Protesten auf, unterstützen die Demonstrationen. Zudem versuchen wir, innerhalb der Mobilisierung zu intervenieren, versuchen den Menschen mit kreativen Mitteln zu einem besseren Ausdruck zu verhelfen. Wir versuchen ihre Forderungen in klaren Botschaften zu formulieren und machen dazu Plakate. Wir plakatieren und machen den Protest nachhaltig sichtbar. Dazu gehören auch Performances auf der Straße, alternative Publikationen und Flyer, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Das ist neu in Kolumbien, dass Kunst sich politisiert. Ich finde, Kunst hat die Pflicht, ihre Aufgabe in den Aufständen zu übernehmen. Wir versuchen den Leuten über Kunst und Design auch Inhalte zu vermitteln.

TERZ: Sind das nicht langfristige Strategien?

Fabián: Auf jeden Fall. Seit Jahren realisieren wir Workshops und Vorträge, um zur künstlerischen und politischen Bildung beizutragen. Unter anderem mache ich gerade ein Seminar zu Drucktechniken und Intervention im urbanen Raum an einer Uni hier in Cali. Und nicht zuletzt versuchen wir über die künstlerische Produktion in Austausch mit anderen Projekten und Orten zu kommen. Mittlerweile haben wir ein Künstler*innen-Programm, bei dem Streetartists Plakate bei uns drucken. Aber auch Gewerkschaften, Queer/Fem/Frauenkollektive und politische Initiativen haben hier einen Raum, in dem sie Plakate und anderes Material entwerfen und produzieren können.

TERZ: Vielen Dank, Fabián, wir sind gespannt auf die Ausstellung!

Ausstellung im K4 auf der Kiefernstr. 4

Mi., 15.01. ab 15h
wird die Fassade gestaltet, ab 19h gibt es ein Schlemmermenü.

Fr., 17.01. ab 19h
Vernissage und dazu Punk aus Kolumbien.

Sa., 18.01. ab 19h
Cali – Welthauptstadt des Salsa, Latinobeats und der Cocktails.

Di., 21.01. ab 19h
Vortrag: Streik? Protest? Soziale Bewegung?