Willkommen im spontan-agilen Wintersemester 2021

Ein Zwischenruf zum Semesterstart

Das Wintersemester rollt heran. Doch Vieles ist für das inzwischen vierte „Corona“-Semester noch unklar. Ganz vorne weg die offene Frage: Wie darf’s denn werden, dieses Semester? Präsenz? Online? Hybrid?

Studierende der Hochschule Düsseldorf hängen in der Luft, sollen sich bereithalten – und dann doch wieder nicht. Das kostet Nerven. Zeit also, Tacheles zu reden. Ein offener Brief an die Hochschulleitung

Liebes Präsidium der HSD,

von der Bundesregierung, den Entschei­dungsträger*innen der Länder und Ministerien sind wir einen Corona-Schlingerkurs leider mittlerweile gewöhnt. Dass sich nun aber auch die Hochschulen, die sich jahrzehntelang störrisch gegen jegliche Digitalisierung gestellt haben, nicht zu einem klaren Bekenntnis für Präsenz- oder Online-Unterricht durchringen können, macht uns dann doch etwas sprachlos.

Die Leidtragenden sind, wie in letzter Zeit so oft, die Studierenden. Ganz spontan sollen flux alle wieder nach Düsseldorf ziehen, weil es sein könnte, dass die Lehre in Präsenz stattfindet. Mehr Auskunft und Organisatorisches dazu soll irgendwann per Mail-Info kommen. Vielleicht. Ob, wann, was und dies & das, so Eure Aussage, sei nicht zuletzt abhängig vom Impfstatus der Studierenden. Also sind wir jetzt in der Verantwortung, oder? Meint Ihr das so? Wir fragen, wegen der Klarheit.

Allen Ernstes aber sitzen wir hier mit Eurem Hin- und Her. Bei aller Mühe, die Ihr mit den Infomails habt: Tut uns leid, aber das hilft uns Studierenden absolut nicht weiter.

Einige Studierende, die sich auf Eure ehemalige Aussage, alles bleibe digital, verlassen haben, haben ihre Auslandsaufenthalte verlängert. Andere wohnen am anderen Ende von Deutschland. Sechs Wochen vor Semesterbeginn kurz durchzugeben, dass man doch mal flott nach Düsseldorf zurückkommen solle, hätte auch auf Euch beim Korrekturlesen der Mail etwas realitätsfern wirken müssen.

Von den ganzen Unsicherheiten Eurerseits abgesehen: Der Düsseldorfer Wohnungsmarkt ist, gelinde gesagt, sehr bescheiden. Alle, die in Düsseldorf leben oder schon einmal versucht haben, dort eine Wohnung zu finden – und dabei kläglich gescheitert sind –, wissen darum.

Wären da nur die Erstsemester*innen unserer Hochschule, wäre ja alles wie gehabt. Grenzwertig mieterfeindlich, aber eben wie gehabt. Leider kommen dazu noch die Studierenden des letzten Sommersemesters. Kurz: Doppelbelastung. Und die sollen jetzt alle auf einen Schlag zurück nach Düsseldorf, weil vielleicht bald mal konkrete Informationen in ihre Postfächer trudeln?

Neben der Frage „Wie soll ich das stemmen?“ stellt sich den Studierenden, Eurer „Zielgruppe“, noch eine andere Frage: Bin ich sicher und geschützt? Oder wird jetzt einfach alles so voll wie möglich gestopft, damit hoffentlich bald alles wieder beim Alten ist?

Eure aktuelle Antwort auf all dies lautet – eine spannender Move: Hybrid-Veranstaltungen. Das ist das neue System, mit dem wir schon seit einem Jahr zum Durchhalten ermuntert werden. Aber auch hier ergeben sich viele neue Fragen, von denen bis heute die wenigsten geklärt wurden: Haben wir die entsprechende Technik an der Hochschule? Haben Dozierende die Kompetenzen dazu, eine Hybrid-Veranstaltung zu planen und durchzuführen? Wie sieht es aus mit der Möglichkeit, vom Bildschirm daheim aus gleichberechtigt wahrgenommen teilzunehmen? Das heißt aber leider auch: Machen meine Dozent*innen das überhaupt mit? Werden freie Lehrbeauftragte, die einen Großteil der Hochschullehre tragen, für ihre Vorbereitungszeiten für aufwändige Online-Formate überhaupt honoriert, oder geht das auf ihre „private“ Kappe? Dann wundert es natürlich nicht, dass Dozent*innen keine Lust haben, die noch aufwändigeren Hybrid-Veranstaltungen vorzubereiten, vom stressreichen Spagat zwischen Vermittlungsarbeit, Handling der Technik und den Inhalten der Lehre einmal abgesehen. Und die Professor*innen? Für sie dürften Hybrid-Formate doch noch einmal mehr „lästig“ sein, oder? Das lässt Schlimmes ahnen, wenn wir auf empathische, gute Lehre hoffen. Nicht zuletzt bleibt aber auch für uns der Zweifel: Werde ich die Technik haben, um an hybriden oder online-Formaten teilzunehmen? Oder mogle ich mich am Smartphone weiter durch die Online-Kurse und hoffe, dass mich niemand bittet, meinen Bildschirm zu teilen? Hier ist Studieren hart an der sozialen Frage dran – Bildungsgerechtigkeit wäre da wohl das Stichwort.

Auf all diese Fragen wird es sicherlich auch irgendwann Antworten geben. Das Problem ist jedoch: Jetzt, da gibt es sie noch nicht. Einen knappen Monat vor Semesterbeginn. Nach drei Semestern, in denen abzusehen war, dass auch irgendwann wieder Studierende die Hochschule bevölkern sollen. Jede*n Studierende*n, der*die drei Semester für eine Abschluss­arbeit braucht, würde man, sicherlich zu Recht fragen, warum das denn so lange dauert. Aber dass es Hochschulen in dieser Zeit zu keiner anderen Taktik als „Abwarten & Aussitzen“ bringen, lässt tiefe Blicke in die Elitenschmieden unserer Republik zu. Wo sonst die „Freiheit der Lehre“ mit gefletschten Zähnen zu Recht verteidigt wird – z. B. wenn es um ein Kontra zu den Versuchen geht, die Aufhebung des Verbots von Rüstungsforschung durchzusetzen – sieht man jetzt einen völlig plan- und ideenlosen Haufen von Hochschulvertreter*innen, der sich nichts sehnlicher wünscht, als sich auf das nächste achtundvierzigseitige Manifest des Ministeriums beziehen zu können: um bloß selbst keine Verantwortung übernehmen zu müssen.

Kreativ, mutig und studierendennah können ja andere machen. Machen sie auch. Schade.


Der Antifa-AK an der HSD präsentiert als Mitveranstalter:

INPUT – antifaschistischer Themenabend in Düsseldorf:
Terror gegen Juden. Wie antisemitische Gewalt erstarkt und der Staat versagt

Dienstag, 28. September 2021, 19:30 Uhr im Buchladen BiBabuZe, Aachenerstraße 1, Düsseldorf

mit Ronen Steinke. Autor des gleichnamigen Buches

Jüdisches Leben in Deutschland ist ständig bedroht – und Staat und Justiz kommen ihrer Schutzaufgabe nicht nach. Das ist die Anklage, die Ronen Steinke, Journalist der Süddeutschen Zeitung und Jurist, in seinem Buch „Terror gegen Juden“ erhebt und die er auf der Veranstaltung näher erörtern wird.

Veranstalter: AG INPUT, Antifa-AK an der HSD, BiBaBuZe und Antirassistisches Bildungsforum Rheinland, in Kooperation mit den Düsselfalken und dem AStA der HHU Düsseldorf.

Mögliche Änderungen siehe
https://facebook.com/Input-Antifaschistischer-Themenabend-213910642030868
https://instagram.com/input_duesseldorf/

Diese Seite wird erstellt vom AStA der Hochschule Düsseldorf.
V.i.S.d.P. ist der aktuelle Vorsitz des Allgemeinen Studierendenausschusses.