TERZ 01.26 – AUS DEN BETRIEBEN
Unsere Kölner Kolleg*innen bekommen vor Weihnachten in letzter Zeit so richtig einen auf den Christstollen geknallt, da bleibt kein Platz mehr für die Butter auf der Stollenschnitte.
Das Ford-Werk in Köln ist ja regelmäßig in den Nachrichten. Auf der Betriebsversammlung am 27.11.25 wurden die Kölner Kolleg*innen dann darüber informiert, dass sie 3 Monate Zeit hätten, über die bestehenden Abfindungsprogramme nachzudenken. Ursprünglich war der Abbau von 3.500 Stellen bis 2027 geplant. 2.770 dieser Stellen entfallen auf eine Ankündigung, die bereits Ende 2024 gemacht wurde, und 730 Stellenstreichungen gehen auf ein vorhergehendes Abbauprogramm zurück. Jetzt hat das Unternehmen den Druck verstärkt, Das Abfindungsprogramm soll schon in diesem Jahr starten. Das freiwillige Programm beginnt sofort, es kursieren Summen von bis zu 100.000 Euro, abhängig von der Betriebszugehörigkeit. Es fällt eine komplette Produktionsschicht weg, die Elektromodelle Explorer und Capri werden dann nur noch im Ein-Schicht-Betrieb gefertigt. Die schlechten Absatzzahlen für die Modelle werden dafür verantwortlich gemacht (I). Drei Monate hat die Belegschaft also Zeit, die Koffer freiwillig zu packen und zu gehen, das alles kurz vor Weihnachten. Der nächste Tiefschlag erreichte die Belegschaft dann am 09.12.25. Eine weitreichende Partnerschaft mit dem französischen Konkurrenten Renault wurde verkündet. Das Ziel: zwei neue, bezahlbare Elektroautos für Europa. Bei der Planung geht die Kölner Belegschaft aber leider komplett leer aus. In diesen Berichten steigt die Zahl der wegfallenden Arbeitsplätze sogar auf 3.700 Stellen an. Die Hoffnung der Kolleg*innen, dass neue Produktionen nach Niehl kommt, schrumpft somit immer mehr (II)/(III). Im Ford-Werk in Saarlouis lief der letzte Ford Focus am 17.11.25 vom Band, das Werk dort ist schon Geschichte (IV). Im Ford-Stammwerk geht das Sterben auf Raten weiter. Denn der Betrieb von nur einer Schicht ist nicht kosteneffizient, nicht genutzte Fertigungslinien auf Spät- und Nachtschicht sind totes Kapital. Es wird eher Geld verbrannt als Gewinn generiert, wenn der Maschinenpark nicht umfänglich bei 24/5 oder sogar 24/7 genutzt wird. Da sind die nächsten Verluste programmiert, und rambo-zambo stehen die nächsten Entlassungen vor den Werkstoren an.
Den nächsten Arbeitsplatzabbau verkündete die Tageschau am 02.12.25. RTL Deutschland will von ca. 6.000 Arbeitsplätzen in Voll- und Teilzeit 600 Stellen abbauen, das wäre jede*r Zehnte. Da aber in dem Artikel weiter unten vermerkt ist, dass die Rede von Vollzeitstellen ist, dürften also mehr als die geplanten 600 Stellen verschwinden. Auch hier sollen die „altbewährten Mittel“ Altersteilzeit, Abfindungsprogramme oder andere Unterstützungsangebote greifen. Wegfallende Werbeeinnahmen werden auf der einen Seite genannt, seit 2019 seien die linearen Werbeumsätze von RTL Deutschland um mehr als 20 Prozent gesunken. Andererseits hat der Konzern massiv in den Ausbau des Streamingdienstes RTL+ investiert, dort sollen die Abonnent*innen-Zahlen auf mehr als 6,6 Millionen gestiegen sein. Der Hauptsitz des RTL-Konzerns ist in Köln. Ein Zweitsitz befindet sich in Hamburg und das Hauptstadtstudio in Berlin. Wie genau und wo wie viele Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, konnte ich leider noch nicht herausfinden. Über die TV-gerechte Berieselung über die Feiertage brauchen sich die deutschen Nutzer*innen aber keine Sorgen machen, wir werden weiterhin 24/7 senden, verkündete Geschäftsführer Stephan Schmitter [4].
Der Köln/Bonner Flughafen war dann am 11.12.25 in den Medien, es sollen nach WDR-Informationen mehr als 100 von 650 Arbeitsplätzen des Sicherheitsunternehmens Securitas abgebaut werden. Die Warteschlangen in den Kontrollbereichen sind jetzt schon lang, als Gründe müssen „fehlendes Personal und Baustellen“ herhalten. Bis zu 40 Minuten Wartezeit dürfen Reisende zusätzlich veranschlagen und bis zu ihrer Abfertigung einplanen, da fragt mensch als Fernreisende*r sich, wo da die Logik liegt (VI). Die Arbeit wird gerade sowieso nicht geschafft, und dann bauen wir halt noch mal zusätzlich Arbeitsplätze ab. Mensch kann jetzt natürlich denken, wenn sowieso mindestens 3.500 Arbeitsplätze bei Ford wegfallen, plus Summe X bei RTL in Köln, dann fahren auch weniger Menschen in den Urlaub, und wir ziehen halt schon einmal vorher die Zügel an, ein*e Schelm*in wer Böses dabei denkt.
Ach ja, die Senfproduktion unseres geliebten ABB Mostert in Moers läuft dann doch nicht so gut an, es gibt wohl Qualitätsprobleme. Fassabfüllung im Laden in der Bergerstraße ist gerade nicht mehr möglich, die Fässer sind leer, die Supermärkte werden auch gerade nicht beliefert, vielerorts ist der ABB gerade ausverkauft, und das alles in dem Jahr vor dem 300. Jubiläum (VII)/(VIII). Super abgeschmeckt, kann mensch da nur sagen, wärt ihr doch in Düsseldorf geblieben. Ich habe mir letzte Woche noch schnell vier Gläser mit der alten originalen Rezeptur gesichert!
In diesem Sinne, Wohl bekommst dieses Jahr zu den Feiertagen, mal schauen, wie es nächstes Jahr schmeckt,
Grüße Henry Ford
(I) auto motor sport 28.11.25 https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/stellenabbau-bei-ford-in-koeln-3-500-mitarbeiter-muessen-gehen/ (II) Kölner Stadt-Anzeiger 09.12.25 https://www.ksta.de/wirtschaft/autobauer-ford-kooperation-mit-renault-gefaehrdet-koelner-werk-1166924 (III) focus.de 10.12.25 https://www.focus.de/finanzen/nach-entlassungswelle-folgt-naechster-tiefschlag-fuer-ford-mitarbeiter-in-koeln_62bd74f2-94a4-4883-a025-d5d22f3425ae.html [4] auto motor sport 18.11.25 https://www.auto-motor-und-sport.de/kompaktklasse/ford-focus-produktionsende-2025/