TERZ 01.26 – STADTENTWICKLUNG
Mit der bisherigen Art der Wärme-Versorgung erreicht Deutschland das Ziel, bis 2045 klimaneutral zu werden, nicht. Darum müssen die Städte detaillierte Pläne zur Wärmewende erarbeiten. Düsseldorf stellt das vor einige Probleme.
Grün ist bei den Düsseldorfer Stadtwerken nur die Farbe der Corporate Identity. Ansonsten sieht es eher düster aus. „Noch rund 92 Prozent der zurzeit genutzten Wärmeenergie stammt aus fossilen Quellen, insbesondere aus Erdgas“, verlautet aus dem Rathaus. Andere Städte sind da weniger technologieoffen. Freiburg und Hannover verlegen schon seit einiger Zeit keine neuen Erdgas-Anschlüsse mehr und kommen deshalb auf einen bedeutend niedrigeren Erdgas-Anteil. In Hannover beträgt er – wie auch in München, Duisburg und Chemnitz – 50 Prozent, in Bremen 63 Prozent. Ansonsten befindet sich Düsseldorf in guter schlechter Gesellschaft. So sehr Gas der Klimabilanz schadet, so sehr nutzt es nämlich der Geschäftsbilanz.
Lange geht das allerdings nicht mehr so weiter. Die Klimaschädigungen durch das Heizen mit Öl und Gas bekommen einen Preis. Ab 2028 – ursprünglich sollte es schon 2027 sein – muss auch der Gebäude-Sektor am europäischen CO2-Emissionshandel teilnehmen und für seine Klimasünden nicht gerade billige Verschmutzungszertifikate erwerben. Zudem hat sich Deutschland das Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu werden. Und damit auch der Energie-Bereich seinen Teil dazu beiträgt, stehen Großstädte wie Düsseldorf in der Pflicht, bis 2028 einen klimafreundlichen Wärmeplan vorzulegen.
Am 4. Dezember stellte die Stadt, die sich selbst mit Klimaneutralität bis 2035 ein noch ehrgeizigeres Ziel gesetzt hat, bei einem Bürgerdialog einen Entwurf zur Wärmeversorgung der Zukunft vor. Selbst Hand angelegt hat sie dabei allerdings kaum. Sie stützte sich dabei nicht nur naheliegenderweise auf Zuarbeit von den Stadtwerken, sondern nahm dazu noch die – bestimmt nicht allzu preiswerten – Dienste von PricewaterhouseCoopers (PwC) in Anspruch, einem Global Player in Sachen „Wirtschaftsprüfung“, „Steuerberatung“ und „Unternehmensberatung“.
An deren Vertreter*innen war es dann auch, durch den Abend zu führen und das Wärmewende-Konzept vorzustellen. „Grün, aber auch bezahlbar und sicher“ – diesen Dreiklang strebt es an. Und die Ideen dafür sprudeln plötzlich nur so. Neben einem Ausbau der Fernwärme sieht die Planung unter anderem Großwärmepumpen zur Nutzung des Rheinwassers, der Abwasser-Ströme von Klärwerken und der Abwärme von Industrie-Anlagen vor. Auch die Umstellung des Gaskraftwerks an der Lausward auf Wasserstoff, Tiefengeothermie und die Inbetriebnahme eines Elektroden-Kessels als Wärmebedarf-Regulator stehen auf der Agenda der Stadtwerke.
Allerdings ist das, was das Rathaus eine „flächendeckende Transformation der Wärmeversorgung“ nennt, für PwC eine „ganz große Herausforderung“. Und auch für die Stadt. Schon bei der Erweiterung der Fernwärme über die dicht besiedelten Innenstadt-Kerne hinaus gibt sie sich zögerlich: „Für die Erschließung bestehen größere infrastrukturelle und wirtschaftliche Herausforderungen, welche weitergehende Überprüfungen erfordern.“ Der Handwerker*innen-Mangel ist da noch das kleinste Problem, die Kosten sind es, die Sorgen bereiten.
So kommen auf die Stadtwerke massive Investitionen zu. Aber nicht nur dafür geht der Gewinn drauf. Zum Teil muss dieser zur Stärkung der Eigenkapital-Basis auch im Unternehmen bleiben, um bei Kredit-Verhandlungen bessere Karten zu haben. Mit größeren Ausschüttungen an die Stadt dürfte es damit erst einmal vorbei sein. Zudem drohen auf der Einnahme-Seite Verluste, wenn das Gas immer weniger Kund*innen findet, denn die Netzkosten bleiben. Auch der Trend zur Selbstversorgung beispielsweise durch Wärmepumpen liegt nicht unbedingt im Interesse der Stadtwerke. Trotzdem sprach sich ihr Manager Hauke von Breska beim Bürgerdialog gegen einen Fernwärme-Anschlusszwang aus und begrüßte die entsprechende Vereinbarung im schwarz-grünen Koalitionsvertrag. „Ich glaube, dass wir wettbewerbsfähig sind gegenüber Wärmepumpen“, sagte er.
In anderen Städten stellt sich die Situation ähnlich dar. Darum schwant dem „Deutschen Mieterbund“ schon Schlimmes: „Bislang fehlt es an einem schlüssigen Konzept, wie diese Investitionen finanziert werden sollen, ohne sie auf Endverbraucher allein abzuwälzen.“
Die AfD, für die ein menschengemachter Klimawandel sowieso nicht existiert, steht schon in den Startlöchern, um hier populistisch reinzugrätschen. Sie wettert bereits gegen das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz, formerly known as Heizungsgesetz, während die CDU „nur“ die Vorgabe streichen will, dass der Wärmebedarf künftig zu 65 Prozent von erneuerbaren Energien zu decken ist.
Die Stadt setzt derweil „auf einen partizipativen Ansatz“. „Die gesamte Stadtgesellschaft wurde von Beginn an in den Planungsprozess eingebunden“, konstatiert sie und annonciert im selben Atemzug die Offenlage des Wärmeplan-Entwurfs im Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz.
In Sachen „Verkehr“ ist es dem bis vor Kurzem noch für diesen Bereich zuständigen Dezernenten Jochen Kral durch diesen Ansatz und durch Anreize wie Mobilitätsstationen gelungen, das Thema in ruhigere Fahrwässer zu führen. Ob das auch in Sache „Wärme“ gelingt, bleibt abzuwarten.
Jan