TERZ 01.26 – WAR WORLD
Am Freitag, dem 5. Dezember 2025 wurde das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz im Bundestag beschlossen, um einen „neuen attraktiven Wehrdienst“ zu schaffen. Es soll ab dem 1. Januar 2026 gelten und sieht eine verpflichtende Musterung für alle 18-jährigen Männer (und freiwillig für Frauen) vor. Attraktive Anreize werden in Aussicht gestellt (z. B. 2.600 Euro im Monat und Führerscheinzuschuss), aber auch mit einer Bedarfswehrpflicht gedroht, falls die gewünschten Freiwilligenzahlen nicht erreicht werden.
Das bringt am gleichen Tage bundesweit mehr als 55.000 Schüler*innen in mehr als 80 Städten auf die Straße. Auch in Düsseldorf waren an die 500 Schüler*innen bei einer Demonstration, die von den Düsseldorf-Arkaden in Bilk aus durch die Innenstadt ging, auf den Beinen. Darunter auch viele ganz junge Schüler*innen, oft in Begleitung ihrer Eltern.
Der Druck auf die Teilnehmer*innen war zuvor groß: Es wurde an die Schulpflicht erinnert und damit gedroht, an diesem Tag stattfindende Prüfungen als nicht bestanden zu bewerten. Wir erinnern uns, wie wenig diese repressiven Maßnahmen bei den Fridays for Future-Demonstrationen vor einigen Jahren fruchteten.
Trotzdem bleibt die mediale Resonanz auf diese Proteste zunächst sehr verhalten: Teilnehmer*innen-Zahlen werden heruntergespielt oder es wird gar nicht erst berichtet. Lediglich die Frankfurter Rundschau widmet dem Thema am 06.12. den Aufmacher auf der Titelseite. Erst im Nachgang versuchen zumindest einige Medien ihre Berichterstattung zu korrigieren.
Grund für die zunächst fehlende mediale Resonanz dürfte auch der spektakuläre Auftritt der Jungen Union am gleichen Tag im Bundestag gewesen sein, die damit drohte, den „Renten-Kompromiss“ zu Fall zu bringen und im Namen der „Generationengerechtigkeit“ deutlich stärkere und schnellere Einschnitte bei der gesetzlichen Rente forderte.
Studien belegen, dass die Gen Z, eine nicht nur durch die Corona-Maßnahmen und den Bildungsnotstand gebeutelte Generation, sich trotz der allgemeinen Verunsicherung nicht so einfach vor den Karren einer Politik des Sozialabbaus spannen lässt.
Schon im Vorfeld der Schüler*innen-Proteste hatte die Bundes-Schüler-Konferenz (BSK) medienwirksam ein ganz anderes Fass aufgemacht und die eigene „Befindlichkeit“ der Gen Z thematisiert. Die BSK ging damit in die Offensive und stellte sich dem sehr verbreitetem Bild entgegen, das eine nicht leistungswillige neue Generation zeichnet, durch die endlich „ein Ruck gehen“ müsse.
Daran schließen sich eine Reihe weiterer Forderungen an:
Schon steht der nächste bundesweite Schulstreik gegen die Wehrpflicht auf dem Plan: am Freitag, 5. März 2026. Das ist zufällig auch der Geburtstag von Rosa Luxemburg, die ihren Kampf gegen Militarismus und für den Sozialismus schließlich mit dem Leben bezahlte.
Ronja Ruh vom Bündnis Schulstreik gegen Wehrpflicht erklärt: „Wir bleiben laut, bis die Wehrpflicht vom Tisch ist. Wir werden jedem Schritt zur Einführung der Wehrpflicht etwas entgegensetzen“. Bis zum 05.03. wird es darum gehen, Schulstreikkomitees in weiteren Schulen und Orten zu gründen und gegen Bundeswehr-Werbung an den Schulen und für bundeswehrfreie Schulen aktiv zu werden.
Fotos (siehe Druckausgabe) und Text: Michael Flascha
Weitere Informationen unter https://nie-wieder-krieg.org