Protest gegen Mietenwahnsinn

Bei Luxussanierungen scheint es in Düsseldorf kein Halten mehr zu geben.

Jüngstes Beispiel ist ein 18-stöckiges Wohnhaus auf der Emanuel-Leutze-Straße 1 in Düsseldorf-Lörick. Der große Gebäudekomplex mit 216 Wohnungen wird jetzt vom neuen Eigentümer, der Ferox GmbH, abschnittsweise saniert. Die Mieter_innen müssen während der Sanierungsarbeiten in andere Teile des Gebäudes, die bereits leer stehen, umziehen. Dazu werden sie genötigt, undurchsichtige neue Mietverträge zu unterschreiben. Beim Wiedereinzug in ihre ehemaligen Wohnungen wird sich die Netto-Kaltmiete dann verdoppeln, der Quadratmeterpreis soll dann ca. 12 Euro betragen. Aufwertung heißt das Zauberwort. Laut Rheinischer Post ist das Areal in Lörick mit 520.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche eins der größten Business-Quartiere der Stadt. Doch es regt sich Widerstand gegen den Umgang der Ferox GmbH mit den alteingesessenen Mieter_innen. Letztere gründeten die Mieterinitiative „Am Seestern“ und veranstalteten mit dem Bündnis für bezahlbaren Wohnraum die erste Pressekonferenz vor dem Wohnhaus, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Kritiker_innen sind bei der Ferox GmbH allerdings unerwünscht. Am Tag der Pressekonferenz sollten zwei extra beauftragte Sicherheitsleute von I.S.O.-Security dafür sorgen, dass die Presse nicht ins Haus kommt. Das Vorhaben scheiterte aber nach kurzer Diskussion am energischen Auftreten der Pressevertreter_innen. Mit Unterstützung der anwesenden Polizei wurde die Presse schließlich zu Besuch erklärt und damit der Zutritt zum Haus durchgesetzt. Die Ferox GmbH ließ jedoch nicht locker: Die Verwaltungsmitglieder Kevin Egenolf und Claudia Sprenger drohten einem Sprecher der Mieterinitiative mit einer Verleumdungsklage und ließen Flugblätter im Haus verteilen, die vor der Initiative warnten. Außerdem intervenierte eine von der Ferox beauftragte Anwaltskanzlei bei verschiedenen Medien, u.a. beim Express, um eine Rücknahme der Aussage, die Mieten würden sich verdoppeln, zu erzwingen. Trotz des Druckes weigern sich aber immer mehr Bewohner_innen, die neuen Mietverträge zu unterschreiben.

Rund um den Fürstenplatz bannen sich ähnliche Auseinandersetzungen an. Auf dem Gelände des ehemaligen toom-Baumarktes soll neu gebaut werden. Der zukünftige Investor, die CAP RATE GmbH mit Sitz in Düsseldorf, möchte das Gelände gern kaufen – aber erst, wenn es leer ist. Den noch verbliebenen Mieter_innen in den beiden Wohnhäusern auf dem Gelände wurde bereits gekündigt. Juristisch sind die Kündigungen haltbar, es muss allerdings gleichwertiger Wohnraum angeboten werden. Auch hier wird versucht, die Mieter_innen mit Auflösungsverträgen aus ihren für Düsseldorf noch preiswerten Wohnungen zu bekommen. Was gebaut werden soll, lässt sich nur erahnen, einen Bebauungsplan gibt es noch nicht. Presseberichten zufolge soll Oberbilk aber das neue In-Viertel werden. Nach den Erfahrungen aus Flingern darf Schlimmes befürchtet werden. Und auch andere Bauvorhaben direkt am Fürstenplatz setzen schon mal Standards. Auf dem ehemaligen Grundstück von Aldi entsteht ein Haus mit Eigentumswohnungen, bei dem eine Wohnung bereits für eine halbe Million Euro (!) zum Kauf angeboten wird. Auch hier regt sich erster Protest. Das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum plant verschiedene Aktivitäten im Stadtteil. Auftakt ist eine Kundgebung vor dem ehemaligen Baumarkt-Gelände. Weiterhin werden eine Nachbarschaftsveranstaltung und ein Stadtrundgang vorbereitet. Achtet auf Ankündigungen!

Keine Luxusghettos rund um den Fürstenplatz!

Pressekonferenz und Kundgebung
Donnerstag, 7. März um 15 Uhr
ehem. toom-Gelände, Oberbilker Allee 53

Informationsveranstaltung
für Anwohner_innen zu neuen Bauvorhaben im Stadtviertel und Mietenwahnsinn in Düsseldorf
Donnerstag, 21. März um 20 Uhr
damenundherren e.V., Oberbilker Allee 35

www.bezahlbarer-wohnraum-duesseldorf.de