27 Jahre Tschernobyl

Anlässlich des Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl plant das Ökologiereferat des FH-AStA in der Woche vom 22. bis 26. April 2013 in der FH die Präsentation der Ausstellung „Tschernobyl – verseuchtes und verlassenes Land“ der Bürger­initiative „Umweltschutz Staufen“.

In der Nacht vom 25. zum 26. April 1986 ereignete sich in der Ukraine im Kernkraftwerk Tschernobyl eines der größten von Menschenhand verursachten Katastrophen. Durch eine Explosion im Block 4 des Kraftwerkes kam es zu einem Unfall, dessen vollständigen Ausmaße bis heute unbekannt sind. An diesem Tag fand ein Experiment statt, bei dem überprüft werden sollte, ob bei einem totalen Stromausfall noch genügend Strom geliefert werden könnte, um eine Notkühlung des Reaktors zu gewährleisten. Durch Fehlkonstruktionen des Reaktors, Planungs- und Bedienungsfehler der anwesenden Reaktoroperatoren sowie das Ignorieren von Warnsignalen kam es zum Super-Gau. Durch chemische Reaktionen bildeten sich Knallgase, deren Explosion die Aussenhaut des Reaktors sprengte. Ein großer Teil des radioaktiven Materials wurde in die Umwelt geschleudert. Bei der Explosion wurden zwei Männer durch herabfallende Trümmer erschlagen. .

Ab dem 27. April 1986 wurde mit den Evakuierungsmaßnahmen begonnen. Zuerst wurde die naheliegende Stadt Prypjat, im nächsten Schritt Einwohner*innen im Umkreis von zehn Kilometern, dann ab 4. Mai hunderttausende Menschen im Umkreis von 30 Kilometern Umkreis evakuiert. In den folgenden Jahren wurden weitere hunderttausende Einwohner*innen umgesiedelt. Inzwischen beträgt die Sperrzone 4.300 Quadratkilometer.

In den folgenden Wochen starben durch die Strahlung 30 Menschen, unter ihnen Feuerwehrleute, Reaktoroperatoren und Betriebspersonal des Kernkraftwerks In den Monaten nach der Katastrophe waren viele Menschen damit beschäftigt, das Kraftwerk zu dekontaminieren, Gefahrenquellen zu eliminieren und einen Sarkophag um Block 4 des Kernkraftwerkes zu errichten. Die genaue Zahl der Helfenden zwischen 600.000 bis zu 1,2 Millionen ist ebenso unbekannt wie die derjenigen, die vor Ort ums Leben kamen. Auch die Spätfolgen der Strahlungen sind dramatisch. Die Zahlenangaben für die Tschernobyl-Opfer schwanken auch heute noch zwischen 10.000 und 250.000.

Die Auswirkungen der Katastrophe waren auch in Deutschland spürbar. In den Tagen nach dem Unglück trieb eine radioaktive Wolke in Richtung Deutschland und regnete sich hier ab. Besonders der Bayerische Wald und Gebiete südlich der Donau waren radioaktiv belastet. Noch heute warnen Wissenschaftler*innen davor, aus diesem Gebiet Pilze oder Wild zu verzehren.

Trotz alledem und enormer Proteste der Bevölkerung wurde kein Abstand von der Energiegewinnung durch Atomkraft genommen. Es musste erst noch eine weitere Katastrophe passieren bis sich die deutsche Politik zum Handeln gezwungen sah. Erst nach dem Reaktorunglück in Fukushima am 11. März 2011 und erheblichen Protesten aus der Bevölkerung, entschied die Bundesregierung alle Atomkraftwerke in Deutschland bis zum Jahre 2022 abzuschalten. Zweifelhaft ist aber immer noch, ob diese Entscheidung beibehalten wird, da auch frühere Pläne zum Atomausstieg wieder revidiert wurden. Doch der alleinige Ausstieg Deutschlands reicht nicht aus. Die Bedrohung besteht solange, wie in unseren direkten Nachbarländern und in der gesamten Welt Atomkraft zur Energiegewinnung genutzt wird. Das Ökologiereferat des AStA der FH D setzt sich seit seiner Gründung für die Abkehr von der Atomkraft ein. Nach wie vor gilt: ATOMKRAFT – NEIN DANKE!


Termine

Der Antifa-AK an der FH präsentiert:

Montag, 29. April, 19.30 Uhr, Zentrum Hinterhof, Corneliusstr. 108
INPUT – Antifaschistischer Themenabend:
„Kapitulation auf Raten“ – Historische und erinnerungskulturelle Perspektiven auf die Zerschlagung der Gewerkschaften im Nationalsozialismus
Referent: Michael Sturm (Historiker)
Am 2. Mai 1933 besetzten SS- und SA-Verbände überall im Deutschen Reich die Gewerkschaftshäuser. Führende Funktionäre wurden verhaftet. Es kam zu zahlreichen gewalttätigen Übergriffen auf Gewerkschaftsmitglieder. Der Terror gegen die organisierte Arbeiterbewegung, der schon unmittelbar nach der Machtübernahme Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 eingesetzt hatte, eskalierte. Die demokratischen Gewerkschaften wurden zerschlagen. In deren heutiger Erinnerungskultur kommt dieser historischen Niederlage große Bedeutung zu. Zahlreiche Ausstellungen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen beschäftigen sich gegenwärtig mit dem 80. Jahrestag der Zerschlagung der Gewerkschaften. Doch dabei bleiben kritische Aspekte und Fragen oftmals ausgeblendet. Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass eine der organisatorisch weltweit stärksten Arbeiterbewegungen weitgehend kampflos vor dem Nationalsozialismus kapitulierte? Zu fragen ist, in welchem Maße der entpolitisierte, staatsfixierte und nationale Kurs des „Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds“ (ADGB) in der Endphase der Weimarer Republik und unmittelbar nach Hitlers Machtübernahme der Zerschlagung der Arbeiterbewegung Vorschub leistete. In dem Vortrag wird zum einen das Verhältnis von Arbeiterbewegung und Arbeiter*innen zum Nationalsozialismus in historischer Perspektive beleuchtet. Zudem soll diskutiert werden, wie eine kritische erinnerungskulturelle Auseinandersetzung mit der Zerschlagung der Gewerkschaften durch den Nationalsozialismus aussehen könnte.