Der große Vorsitzende in Düsseldorf Vol. XI

Eine Zeit lang hat der Maoismus auch in Düsseldorf getreue Anhänger*innen gefunden. In einer Serie stellt das MAO-Projekt für die Terz einige Gruppen und Aktionen vor, die sich in maoistischen Dunstkreisen bewegten. Nachdem wir uns im letzten Artikel der Serie mit spanischen Antifaschist*innen in Düsseldorf beschäftigt haben, geht es nun um ihre griechischen Genoss*innen.

Gegen Faschismus auf Griechisch

In den 1960er Jahren kamen viele sogenannte „Gastarbeiter*innen“ nach Deutschland, unter ihnen zahlreiche Griech*innen. Auch in Düsseldorf fanden nicht wenige Griech*innen eine Anstellung, so dass über die Jahre die hiesige griechische Community wuchs und heute zur zweitgrößten in Deutschland gehört. Auch in Düsseldorf gab es im Jahre 1969 bereits in griechisches Konsulat. Doch die von 1967 bis 1974 in Griechenland herrschende faschistische Militärdiktatur war auch in Düsseldorf zu spüren: Einige Mitglieder der griechischen Gemeinde waren stark faschistisch gesinnt. Am 13. April 1969 gerieten sie während des Ostermarsches mit der Außerparlamentarischen Opposition (APO) in Konflikt. Die Revolutionäre Jugend (Marxisten-Leninisten) berichtete: „In der Rheingoldhalle, dem Veranstaltungsort, inszenierten faschistische Rabauken und ihre engen Verbündeten, die Polizei, eine schwere Schlägerei. Dabei konnte auch der Vize-Polizeipräsident verletzt werden.“

Organisatorisch waren die linksradikalen Griechen jedoch gespalten: Während die „Organisation Griechischer Marxisten-Leninisten (OGML)“ mit der KPD/ML verbündet war, agierte die EKKE (Revolutionäre Kommunistische Bewegung Griechenlands) gemeinsam mit der KPD.

Beschäftigt waren Griech*innen damals in Betrieben wie bei Ehrenreich & Cie in Oberkassel, wo sie sich während der wilden Septemberstreiks 1969 ebenfalls zu hunderten in den Streik einreihten. Sie waren aber auch bei der Flingeraner Klöckner Vereinigte Drahtindustrie (TERZ 01.17 und 12.17) angestellt. Dort versuchte die Kommunistische Partei Deutschlands wiederholt, die hier arbeitenden Griechen in ihrer Landessprache zu agitieren, dokumentierte und veröffentlichte jedoch auch die elenden Wohnbedingungen.

Links orientierte Griech*innen fanden sich beispielsweise als „Griechische Antidiktatorische Kommission“ zusammen und organisierten sich gemeinsam mit anderen „Ausländergruppen“. Im November 1970 protestierten sie gegen eine Feier der griechischen Faschisten im Schloss. Der Regionale Koordinationsausschuss zum Kampf gegen die reaktionären Ausländergesetze und die politische Unterdrückung (NRW) berichtet im November 1972 zum Beispiel über eine ihrer Aktionen: „Am 28. Oktober 1940 wurde von der griechischen faschistischen Regierung unter dem Druck der Massen die Aufforderung des faschistischen Diktatros Mussolini abgelehnt, daß Griechenland sich den italienischen Faschisten ergebe. Seither ist der 28. Oktober ein Symbol des antifaschistischen Kampfes des griechischen Volkes. Die griechischen Grundherren und Kapitalisten, die die italienischen und deutschen Nazi-Eroberer nie bekämpften, sondern sie unterstützten, geben jetzt den 28. Oktober als ihren ‚Nationalfeiertag‘ aus (...). Als am 1. November 1970 griechische Faschisten anläßlich des 28. Oktober (in Düsseldorf) für die blutige Diktatur in Griechenland Reklame machen wollten, war es daher notwendig und gerecht, daß Hundert von griechischen Antifaschisten diese Versammlung verhindert haben.“ Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, 50 Menschen wurden festgenommen, zwei Jahre später folgte der Prozess.

Die Konfrontationen mit der Polizei gab es auch am 10. März 1973, als bei einer der ersten Griechenland-Demonstrationen mehrere Teilnehmende festgenommen wurden. Eine weitere Demo einen Monat später, am 21. April 1973, wurde gleich verboten und durch die Polizei zerschlagen und zwar im Rahmen des damaligen allgemeinen Demonstrationsverbotes für kommunistische Gruppen.

Im folgenden Jahr beteiligten sich in Düsseldorf dann auch Griech*innen an der Spanien-Solidarität (TERZ 12.17). Ab Anfang 1976 wurden die Düsseldorfer Griech*innen wegen ganz anderer Dinge laut: Griechische Eltern protestierten hartnäckig gegen die schlechten Bedingungen, zu denen ihre Kinder die deutschen Schulen besuchten. Sie initiierten einen Schulstreik an der Schule in der Helmholtzstraße und der Gemeinschaftsschule Schillstraße in Hassels, schließlich sogar einen Hungerstreik und eine große, landesweite Demonstration, an der sich am 13. Mai 1976 um die 2.000 Menschen beteiligten.

Der Originalartikel liegt auf:
http://mao-projekt.de/BRD/NRW/DUE/Duesseldorf_Griechenland.shtml


Das MAO-Projekt

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