Mehr Nazi geht nicht

In Düsseldorf scheint seit Oktober 2017 die Neonazi-Partei „Der III. Weg“ auf den Plan treten zu wollen und markiert hierzu wie andernorts in gewohnter Selfie-Manier das Revier. Der Blog „Düsseldorf Rechtsaußen“, der regelmäßig über Aktuelles und Hintergründe zur extremen Rechten in und um Düsseldorf herum berichtet, fasst zusammen.

Ebenso wie „Die Rechte“ diente die Minipartei „Der III. Weg“ im Nachlauf von Verboten neonazistischer „Freier Kameradschaften“ als Auffangbecken für deren Aktivist_innen. Das Hauptbetätigungsfeld des „Der III. Weg“ liegt aber nicht in Nordrhein-Westfalen, sondern in südlicheren Bundesländern und in Ostdeutschland. In NRW ist die Partei bislang nur durch zwei „Stützpunkte“ vertreten: „Sauerland-Süd“ mit Schwerpunkt im Kreis Olpe sowie „Hermannsland“ im ostwestfälischen Raum. Seit Anfang Oktober 2017 berichtet die Partei nun auch über Aktivitäten in Düsseldorf.

In die bundesweiten Schlagzeilen schaffte sie es 2015 durch die Veröffentlichung einer digitalen Karte mit den Standorten von Flüchtlingsunterkünften. „Wir von der Partei ‚Der III. Weg‘ leisten […] politischen Widerstand, können aber Deutsche verstehen, die darüber hinaus aktiv sind“, so Parteivorsitzender Klaus Armstroff in zeitlicher Nähe zu einem Anschlag auf eine Unterkunft in Rheinland-Pfalz. Später verschickte die Partei Ausreise-„Gutscheine“ an nicht genehme Lokalpolitiker_innen mit der Botschaft „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“.

Die Partei gehört zum sogenannten „völkischen Flügel“ der deutschen Neonazi-Szene und versteht sich als streng hierarchische Kaderpartei. Der Verfassungsschutz beziffert die Mitgliederzahl auf bundesweit 300, davon ein Zehntel in NRW. Subkulturellen „Abweichungen“ steht die Partei skeptisch gegenüber. Aber obwohl in der Regel eher Seitenscheitel, gebügeltes Hemd und Rock angesagt sind, sind Aktivist_innen des „Der III. Weg“ beispielsweise auch auf RechtsRock-Konzerten anzutreffen. Inhaltlich ist „Der III. Weg“ nur marginal von anderen Parteien und Gruppierungen der Neonazi-Szene unterscheidbar.

Reviermarkierungen und Revierkämpfe

Zwischen dem 3. Oktober und dem 3. Dezember 2017 wurde fünf Mal auf der Homepage der Gesamtpartei über Aktivitäten von „Aktivisten unserer Partei in der Landeshauptstadt Nord­rhein-Westfalens“ berichtet: Vier Mal, ungefähr im 14-tägigen Rhythmus, wurden Flugblätter im Düsseldorfer Süden verteilt – in Unterbach, Eller, Benrath und Garath. Als Themen wurden „Kinderschänder“, „Ausländerbanden“, „Asyl“ in Verbindung mit „Kriminalität“, „Familien schützen! Homopropaganda stoppen!“ und „Volkstod stoppen: Deutsche Kinder braucht das Land!“ gewählt. Zuletzt zog Ende November eine fünfköpfige „Nationale Streife“ in „Der III. Weg“-Jacken durch den Hofgarten, um „Deutsche“ vor „kriminellen Ausländern“ zu schützen – mit angeblich anschließender Flugblattverteilung in der Innenstadt.

Insgesamt machen diese Aktionen und die Parteiberichterstattung darüber deutlich, dass „Der III. Weg“ Anspruch auf das „Revier“ Düsseldorf erhebt. Organisierte Konkurrenz aus dem Neonazi-Lager ist in Düsseldorf nicht wirklich vorhanden. Die lokale NPD ist handlungsunfähig, der lokale Kreisverband der „Die Rechte“ (DR) dürfte sich zwischenzeitlich sogar aufgelöst haben. NPD und DR scheinen sich allerdings angesichts der Aktivitäten des „Der III. Weg“ berufen zu fühlen, auf ihre fortbestehende Existenz in Düsseldorf aufmerksam zu machen. Nachdem „Der III. Weg“ am 26. November über seine Hofgarten-„Streife“ berichtet hatte, meldete sich noch am selben Abend der NPD-Landesverband NRW auf Facebook zu Wort und gab bekannt, dass „örtliche Aktivisten Flugblätter mit den sicherheitspolitischen Forderungen der NPD“ in Düsseldorf verteilt hätten. Exakt 71 Minuten später postete der DR-Kreisverband Wuppertal, dass „unsere Aktivisten heute in Düsseldorf Wersten und Holthausen einige Tausend unserer neuen Flyer“ verteilt hätten.

Lokale Akteure des „Der III. Weg“

Insgesamt fünf – mit einer einzigen Ausnahme von hinten fotografierte – Personen sind auf den vom „Der III. Weg“ veröffentlichten Fotos zu sehen. Mindestens eine von ihnen scheint allerdings kein großes Interesse daran zu haben, unerkannt zu bleiben. Eindeutig zu erkennen ist Sascha Vasic beim Bestücken von Außenbriefkästen in Eller. Er kommt selbst aus dem Stadtteil.

Vasic, der zuletzt im Mai an Düsseldorfer Kundgebungen der „Die Republikaner“ und der „Die Rechte“ teilnahm, wird von Beobachter_innen der Düsseldorfer extremen Rechten der rechten F95-Hool-Szene zugerechnet. Er gehörte – unter anderem gemeinsam mit den ehemaligen AfDler_innen Angela und Alexander Heumann – auch zum „Orga-Team“ einer Demonstration am 7. November 2015 in der Düsseldorfer Altstadt, die unter dem Motto „Düsseldorfer Bürger gegen den Flüchtlingsirrsinn“ stand. Temporär fungierte er sogar als Anmelder der Aktion, bevor diese Aufgabe von den Heumanns übernommen wurde, da offenbar polizeilicherseits Bedenken bestanden, ihn als Anmelder zu akzeptieren. Nach einem aufklärerischen Artikel über die Mitwirkung von rechten Hools an der Vorbereitung der Aktion bei sechel.it zogen er und andere sich zurück und überließen den Heumanns das Feld. Im Umfeld von Vasic dürfte auch ein Teil der restlichen lokalen „Der III. Weg“-Reviermarkierer zu finden sein. Düsseldorf Rechtsaußen bleibt am Ball.

Der Artikel erschien zuerst am 4.12.2017 auf dem Blog von „Düsseldorf Rechtsaußen“. Die Blogplattform informiert regelmäßig über die rechte Szene in Düsseldorf und im Umland (https://duesseldorf-rechtsaussen.de). Wir danken der Redaktion für die Erlaubnis, den Artikel leicht gekürzt abzudrucken.