*Neoliberales Kaff

Gefühlte Wärme nirgends

Wenn es um Wohlfühl-Bilder, Wärme und ein herzvolles Image geht, will die Stadt Düsseldorf ganz weit vorne sein, heißt es. Darum ist das lachende „:D“ 2018 auch out – es war nicht warm genug, konkret gesehen. Viel zu abstrakt. Jetzt hat Düsseldorf aber ein neues Markengesicht. Und das ist viel hübscher. War auch gar nicht teuer. Geschichten aus der Portokasse

Aber nicht doch, nein! Für Mitmenschlichkeit, Wärme und eine weltoffene Kuschelatmosphäre mit Miteinander- und Wohlfühl-Faktor ist Düsseldorf nicht berühmt. Echt nicht! Dafür ist das Leben in dieser Stadt viel zu real. Überraschend ist das nicht. Denn wie das echte Düsseldorf aussieht, das bestimmen selten die, denen Mitmenschlichkeit ein ernsthaftes, gar menschliches Anliegen ist. „Stakeholder“ (also einflussreiche und bestenfalls profitierende Schlüsselpersonen) heißen die ganz oft, „Ampelkoalitionär*innen“ manchmal, mitunter auch einfach „Elite“. Vielleicht wissen diese Bestimmer*innen kraft ihres Amtes oder ihrer Jobs als Politiker*innen, Marketing-Stars und -Sternchen, Stadt-Lobbyist*innen oder Wirtschaftsstandort-Kenner*innen nicht einmal, wie das geht: „mitmenschlich sein“.

Aber die Stadt-Altvorderen möchten trotzdem doch so gerne, dass jemand sie lieb hat. Jemand von denen vor allem, die nicht in der Stadt wohnen, sich aber vorstellen könnten, mal vorbeizuschauen. Als (Business-)Tourist*innen am trägen Fluss, als Reiche, Fleißige und Schöne. Als „relevante Ziel- und Anspruchgruppen wie z. B. (zukünftige Bürger), (investierende) Unternehmen, Besucher aus dem Umland, Touristen, Kulturinteressierte und Sportfans“, so heißt es in der Informationsvorlage des Oberbürgermeisters an die politischen Gremien und den Rat der Stadt vom Frühling 2017. Adressat*innen der „Starken Marke Düsseldorf“ sind also die von außen, die mit Geld. Diejenigen, die ihre harten Währungen – oder ihre „Likes“ dalassen. Was auch immer: Hauptsache, sie lassen irgendwas da, was möglichst Kostbares.

Und das soll ganz viel mit Liebhaben, mit Flair und sonnenwarmen Gefühlen zu tun haben? Mit golden-vertrauten Emotionen voller zwischenmenschlicher Wärme für eine Stadt, in der Mieter*innen verdrängt werden? Für ein Gemeinwesen, in dem existenznotwendigen Alltags-Fürsorge-Strukturen für Bürgerinnen und Bürger die Mittel gekürzt werden? In einem urbanen Ballungsraum, in dem statt Gemeinwohl klinisch sozial-reine Yuppie-Carrés bald das neue ‚Gesicht‘ unserer Stadt sein werden?

Vielleicht schlägt das Herz ‚unserer‘ Gäste von nah und fern dann endlich doch einmal mehr und effizienter für Düsseldorf – wenn es trotz und wegen all dem endlich ein wenig mehr Ausstrahlung hat? Dann bleiben sie und kaufen ein Loft in einem der blitzweißen Quartiere (dieses Wort!), wo sie fortan ihren menschenleeren aber genusshaft sinnlosen Feierabenden nach langen Arbeitstagen frönen können. „Bling bling“ also für eine Stadt, in der der Ordnungs- und Sicherheitsdienst (OSD) Menschen ohne Wohnung ... ok, ok: Es gibt jetzt auch Licht auf mancher Joggingstrecke. Die Stadtwerke finden das toll. Und die Eislaufbahn an der Kö? Und das neue Sicherheitskonzept in der Altstadt? Ist das nicht zum Wohlfühlen für alle da? Wem’s nützt, der oder die mag’s?

Mit Wärme hat das Ganze nichts zu tun. Und Düsseldorf wird Vieles ausstrahlen, Wärme und Geborgenheit aber als allerletztes, so viel ist und bleibt sicher.

Ein Lächeln, das fast nichts kostet

Lieb gehabt werden wollen ist für die Stadt-Spitze im jetzt vergangenen Jahr 2017 aber trotzdem ganz, ganz wichtig gewesen. Darum rief sie ja auch eine neue Produktentwicklung zur „Marke Düsseldorf“ ins Leben. Der Rat der Stadt wurde im Frühjahr 2017 über das Kampagnen-Projekt informiert, zuletzt in der Ratssitzung vom 6. April. Lutz Pfundner (Die LINKE), der seinerzeit das Wort ergriff und stark machte, dass eine Stadt nur dann schöner und attraktiver wird, wenn sie ein gutes Leben für möglichst viele bieten kann – weniger aber durch eine Vermarktungsstrategie –, wurde in betreffender Sitzung von der CDU ermahnt, in diesem Punkt doch bitte kritische Kommentierungen künftig zurückzustellen. Schließlich wolle man doch gemeinsam das Beste für Düsseldorf tun.

Zu entscheiden hatte der Rat zu diesem oder einem anderen Zeitpunkt aber freilich ohnehin nichts. Der Entschluss, die städtische Tochter „Düsseldorf Marketing GmbH“ mit dem „Inhouse“-Projekt zu beauftragen (die Durchführung also überwiegend bei der Stadttochter verbleiben zu lassen), war da schon längst getroffen.

280.000 Euro hat es bis heute schon gekostet, dass die unabhängige Stadtwerbungs-Abteilung „Düsseldorf Marketing“ jetzt eine neue, eigene (!) Schrift mit zu wenig Platz zwischen den Zeilen entwickelt hat. Knallrot schieben sich die Buchstaben steif über den Rand des neuen Marken-Designs hinweg, drängeln nach oben und hängen links und rechts über ihr eigenes Layout hinaus. Passt zu Düsseldorf! Immer zu fett für die Realität. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass die Marken-Findung schlappe 80.000 Euro teurer geworden ist, als ursprünglich mal gedacht. Ganz abgesehen davon, dass solcherlei Ausgaben (und der Wunsch, Düsseldorf ein neues „Branding“ überzubrezeln) für jeden halbwegs intelligent denkenden Menschen so atemberaubend aberwitzig ist, dass sie oder er am liebsten zum Kirschen-Pflücken in den Piemont auswandern möchte, sich aber sicher nicht mit dem neuen Sinnbild „Düsseldorf“ als Stadt der Wärme und Nonchalance identifizieren wird. Warum auch? Denn schlimmer noch als der Humbug, für ein neues Markengesicht, für Buchstaben, Website-Logos und Plakatkampagnen deutlich mehr als eine halbe Millionen Euros hinzublättern, ist das, was als „Markenkern“ am Ende dabei rauskam: Ein neuer Slogan, der fortan dafür steht, was Düsseldorf sein soll. Der ist: „Düsseldorf – Nähe trifft Freiheit“*. Wow!

Wer jetzt noch nicht so frei ist, sich bitter lachend auf die Schenkel zu klopfen, ist der Stadt einfach nicht nah genug, würden wir sagen. Noch mehr lacht und weint, wer den Stadtwerber*innen in der Beweihräucherung der eigenen Genialität zuhört. Aber vielleicht schämen die sich ja sogar ein bisschen für diesen prallen Werbe-Bullshit. Ein Herr Frank Schrader wird z. B. von der WZ am 4.12.2017 zitiert, dass das „lachende D“ seinerzeit 180.000 Euro gekostet habe. Und das „sei nur ein Logo gewesen, so Schrader.“ Schlappe 100.000 mehr und schon gibt’s neue Buchstaben und einen dämlichen Spruch obendrauf. Puh, da haben wir ja noch mal Glück gehabt und müssen nicht hässlich sterben. Immerhin hat der Herr Schrader, Herr Kaiser oder wie sie alle heißen, diese Werbe-Menschen, jetzt neue Kleider an. Glaubt er.

Dabei hat der Marketing-Experte Schrader, dessen professionelles Metier es ist, Sachen oder Gefühle zu verkaufen, der Stadt allem ersten Anschein nach noch nicht einmal auf der Tasche gelegen. Zumindest nicht so, dass es für jede*n auf den ersten Blick ersichtlich ist. Denn die Entwicklung und Platzierung und Weiterbegleitung der neuen Dachmarke wird aus dem Budget der „Düsseldorf Marketing GmbH“ höchstselbst bestritten. So heißt es wiederum in der Informationsvorlage des Oberbürgermeisters an die städtischen Gremien. Auch wenn die „Düsseldorf Marketing GmbH“ wiederum – so erfahren wir dort im Nachsatz – im Jahr 2017 mit 836.000 Euro aus dem städtischen Haushalt bezuschusst worden sei. Schön, wenn Kooperationen von (städtischen) Unternehmen so gut klappen, dass bei jedem Händedruck – von uns aus auch bei jedem warmem – die Scheinchen so überaus unkompliziert und in aller Öffentlichkeit rübergereicht werden. So lange, bis wir vergessen, aus welchem Portemonnaie sie irgendwann mal gekommen sind. Auf jedem Rummel nennt man dieses Hin- und Her: Hütchentrick. Es ließe sich aber auch „kommunale Haushaltsplanung“ dazu sagen.

Schöngeredet – „Ich bin so frei“

So fällt es auch fast nicht auf, dass der Herr Schrader leider wesentliche Informationen unerwähnt lässt, wenn er darauf hinweist, dass das „lachende D“ damals für 180.000 Euro doch vergleichsweise teuer über den Tisch gegangen sei, man heute mit dem neuen Marken-Kern „Düsseldorf – Nähe trifft Freiheit“ im Gegensatz dazu aber eine ganze Kampagne und ein komplettes Image für Nüsse auf die Beine gestellt habe.

Die Entwicklung des Logos „:D“ hat vielleicht nur 180.000 Euro gekostet. Die Gesamtkosten für das Werbungsprojekt haben sich aber über die Jahre bis Herbst 2014 auf insgesamt 689.495 Euro und 63 Cent gesteigert. Dazu gehörten etwa auch die Kosten für die juristische Beratung zu den zunächst wackeligen Marken-Rechten des Logos (32.595,24 Euro). Oder Anzeigenwerbung, online-Marketing und Kram wie Give Aways und Banner mit Kosten von zusammen 88.745,39 Euro (Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage der LINKEN an den Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Liegenschaften vom 4.9.2014).

Diese Summen kennt der Herr Schrader bestimmt. Er ist ja schließlich auch studierter Wirtschaftswissenschaftler mit Schwerpunkt Marketing und kundiger Mitarbeiter in städtischen Tochterunternehmen. Aber gute Werbung ist ja auch immer eine Frage der Emotionen der Zielgruppe auf der einen und der Reaktionen einer mitunter kollateral informierten kritischen Öffentlichkeit auf der anderen Seite. Schade, dass die WZ beim Abdruck von Schraders Statement vergessen hat, auf die Kostendifferenz zwischen Rechtfertigungs-Blabla und Realität hinzuweisen.

Apropos: Am Ende ist es außerdem schade, dass uns – ja uns! – niemand gefragt hat, was wir denn mit Düsseldorf verbinden. Zugegeben, wir haben uns selbst bisher nicht aktiv um Mitgestaltung bemüht. Immerhin hatte die Stadtmarketing-GmbH im vergangenen Jahr ja diverse Bürger*innen-Foren angeboten zum Thema. Das ist aber irgendwie ganz an uns vorbei gegangen, komisch eigentlich. Aber wir sind ja auch keine „Stakeholder“. Von den 280.000 Euro sollen laut Pressemitteilung aus Kreisen des Stadtmarketings 70 Prozent an partizipative Evaluationen geflossen sein. Umfragen also à la: „Was verbinden Sie mit ‚Düsseldorf‘?“ Hätten die uns doch direkt gefragt! Uns wären bei dem ein oder anderen Bierchen – Alt! – hierzu doch so manche Klopper eingefallen, die besser gepasst hätten. Sie hätten wahrscheinlich was mit „Düsseldorf – Arroganz trifft nackten Mann mit hübschen Taschen im Jacket“ zu tun gehabt. Prost!