Die Uni-Frauenbeauftragten

Eine Dokumentation beleuchtet 2 Jahrzehnte Gleichstellung

Mitte der 1980er Jahre wurden die gesetzlichen Grundlagen zur Frauenförderung an Hochschulen geschaffen. Die Umsetzung nahm einige Zeit in Anspruch, doch am 5. November 1990 war es soweit: Der Senat der Heine-Uni Düsseldorf wählte vier Frauen in das Amt der Frauenbeauftragten: Dr. Ariane Neuhaus-Koch, Prof. Dr. Ingrid Lombeck, Christine von der Lippe und Swantje van Hettinga Voss. Wie so oft, wenn es um Frauenpolitik und Chancengleichheit ging (und geht), war das Amt nicht so ausgestattet, wie es wünschenswert gewesen wäre. Doch davon ließen sich die vier nicht abschrecken, denn sie hatten viel vor. Zunächst einmal sollten Zahlen her, um feststellen zu können, wie hoch bzw. niedrig der Anteil von Frauen an den Statusgruppen innerhalb der Universität war. Wie viele Professorinnen gab es und wie viele Professoren? Wie konnte der weibliche wissenschaftliche Nachwuchs gefördert werden? Welche Fortbildungsangebote waren dem Fortkommen der Mitarbeiterinnen in Medizin, Technik und Verwaltung zuträglich? Außerdem war Präsenz in den universitären Gremien gefragt, um überall die Belange von Frauen zu vertreten und Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Sicherheit von Frauen auf dem Campus war ebenso Thema wie der Ausbau der Kinderbetreuung. Nicht zuletzt sollte auch die Frauenforschung endlich zu ihrem Recht kommen.

Vieles von dem, was das erste Team im Amt der Frauenbeauftragten auf die Beine stellte – die Fortbildungsangebote, Informationsbroschüren wie „Studieren mit Kind“, die zahlreichen Beratungen einzelner Frauen, das stete Engagement in Kommissionen für die Berufung von Professor*innen, Konzeption und Durchführung von Förderprogrammen, um nur einige Aspekte zu nennen – wurde in der Folgezeit weitergetragen und ausgebaut. Heute – die Dokumentation berichtet über die Jahre 1990 bis 2010 – gibt es viele wirkungsvolle Förderinstrumente für Frauen an der Uni. Auch wenn die Genderforschung noch optimiert werden kann – im Vergleich mit anderen Hochschulen liegt Düsseldorf hier nicht an vorderster Stelle – zeugen die Zertifizierungen der Uni im Bereich Gleichstellung davon, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Aufgabe ernst genommen wird.

Die Dokumentation stellt die engagierten Amtsträgerinnen und deren Arbeit vor, ergänzt um zahlreiche Abbildungen und Fotos.

Mechthilde Vahsen

Zwei Jahrzehnte Gleichstellung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf 1990–2010
Eine Dokumentation von Mechthilde Vahsen, hrsg. von Sanda Grätz
Düsseldorf 2013, ISBN 978-3-943460-25-4, 125 Seiten, Preis: 19,80 Euro

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Wie klang nochmal Revolte?

Eine Rückschau auf Protest- und Dissidenzmusiken im Westdeutschland der 60er und 70er

Mit der Beschreibung der „magischen Jahre des westdeutschen Musik-Underground“ hat sich der freie Musikjournalist, Radiomoderator und Buchautor Christoph Wagner eines der interessantesten Kapitel hiesiger Popmusikgeschichte vorgenommen. Hier lässt sich sehr schnell sagen: gelungen! Eine solche anregende und ergiebige Materialfülle – auch in bildlicher Hinsicht – in derart kompakter Form über ein Thema, über das doch scheinbar schon alle mehr oder minder Bescheid zu wissen meinen, nämlich die genuine Entwicklung von z.B. Kraut, Psych, Jazz und Free-Jazz, Freak-Folk, radikaler Straßenmusik und Agit-Rock und Polit-Liedermacherei sowie vieles mehr in Deutschland in den Jahren von ca. 1967 bis 1973, habe ich bisher noch nicht gesehen. Und es scheint sich seltsamer-, aber auch bezeichnenderweise das zu bewahrheiten, was ich in der letzten Ausgabe geschrieben habe: Während sich gegenwärtig diverse Popwissenschaftler*innen in teils grässlich zu lesenden Analysen in furchtbarstem Akadämicker-Jargon über Popkultur ergehen – mir ist da letztlich ein Wissenschwachtsbuch zum Schütteln in die Hände gefallen, das sich auch noch als Ausstellungskatalog tarnte –, weiß Wagner als erfahrener Journalist und versierter Rechercheur Popkulturgeschichte einfach verständlich, interessant und gewinnbringend zu erzählen.

Natürlich werden hier nicht nur die Musikgenres und -phänomene markiert und beleuchtet, sondern auch explizit und detailliert mit den relevanten sozialen und ökonomischen Kontexten in Verbindung gebracht, im Kapitel „Jetzt haben wir noch zehn Mark – Die Mangelökonomie im Untergrund“ geschieht das sogar sehr konkret. Zitate gibt es auch in diesem Buch massenhaft, aber zum einen sind dies meist Augenzeug*innenberichte und Aussagen von Aktivist*innen, und zum anderen werden sie derart sinnvoll und schlüssig in den Text eingearbeitet, dass der daraus entstehende Lesefluss ein wahres Vergnügen ist.

Der Hauptgewinn des Buches besteht aber nicht zuletzt darin, dass die westdeutschen Szenarien der Entwicklung und Popularisierung einer Musik der Dissidenz und des Protests sowie der zeitgleichen Opposition aus diversen linkspolitischen Kreisen gegen ebendiese – der Aufstieg und Niedergang des Waldeck-Festivals kann als ein Beispiel hierfür gelten – sowohl detailliert und in aller Komplexität wie auch kompakt und stringent beschrieben werden. Einige Kontexte sind hierbei sicherlich Wagners Herkunft aus dem südwestdeutschen Raum zuzuschreiben, was der objektiven Fülle indes keinen Abbruch tut, sondern die Aufbereitung noch authentischer und verständlicher gelingen lässt. Alles in allem ein sehr beachtens- und lesenswertes Buch, das die Zeit und ihre Musik nicht nur transparenter macht, sondern auch die Auswirkungen auf die heutigen Verhältnisse verdeut­licht.

HONKER

Christoph Wagner: Der Klang der Revolte. Die magischen Jahre des westdeutschen Musik-Underground.
Schott: Mainz 2013, 387 S. Preis: 24,95 Euro.