Zwangsräumung in Heiligenhaus

Hektischer Umzug in eine Schule

Am Montagmorgen, den 15.7.2013 hat eine Zwangsräumung der Flüchtlingsunterkunft in Heiligenhaus auf der Friedhofsallee zu Auseinandersetzungen zwischen Bewohner*innen, Unterstützer*innen und der Polizei geführt.

Rund sieben Unterstützer*innen befanden sich montagmorgens an der Seite der 82 Bewohner*innen der Flüchtlingsunterkunft in Heiligenhaus, als ein städtischer Umzugswagen an die Friedhofsallee heranrollte, um die Geflüchteten in ihre neue vorübergehende Unterkunft – eine Schule – zu bringen. Diese Zwangsräumung wurde den Geflüchteten am 11.7.2013 mit einem lapidaren Zettel „Räumung – Die Wohncontainer müssen geräumt werden – Alle Bewohner werden in einer Schule untergebracht – Umzug ist am Montag Den 15.7.2013“ mitgeteilt. Also vier Tage vor dem Umzug.

In dieser Zwischenunterkunft sollten sich dann bis zu zehn Geflüchtete einen Raum teilen, und den 82 Bewohner*innen würden vier Toiletten und eine Dusche zur Verfügung stehen. Da die Geflüchteten eine extreme Verschlechterung im Vergleich zu ihrer bisherigen auch schon minderwertigen Flüchtlingsunterkunft Heiligenhaus befürchteten (dort hatte zumindest jede*r ein eigenes Zimmer mit Bad [siehe TERZ 04.13]), wollten sie vor dem Umzug eine Delegation zur Besichtigung der Räumlichkeiten in die Schule schicken. Dies führte zu lautstarken Diskussionen mit einem Sozialarbeiter, dem Hausmeister und dem Vertreter der Stadt Heiligenhaus. Alle drei städtischen Vertreter schrieen förmlich auf die Geflüchteten ein, dass sie das Gebäude zu verlassen haben. Es sei nun mal so, und sie müssten auch nur drei Monate in den neuen Räumlichkeiten ausharren. Als die Unterstützer*innen versuchten, zu vermitteln, pochte der Hausmeister auf sein Hausrecht und verlangte, dass die Unterstützer*innen die Unterkunft verlassen zu hätten. Sie weigerten sich, weil sie von den Geflüchteten eingeladen und somit Gäste waren. Daraufhin alarmierte der Hausmeister die Polizei.

Neben rassistischen Äußerungen von Polizei und Sozialarbeiter, die Geflüchtete als „Affen“ oder „Chinamann“ bezeichneten, wurden alle sieben Unterstützer*innen in Gewahrsam genommen und gegen ihren Willen erkennungsdienstlich behandelt. Auch ein Bewohner, der mit den städtischen Angestellten diskutierte, wurde grundlos festgenommen. Alle wurden bis 18 Uhr auf der Polizeiwache festgehalten, so dass sie den Umzug nicht weiter beobachten konnten.

Bislang ist immer noch offen, wieso der Umzug so hektisch vonstatten gehen musste. Denn dem Bürgermeister Jan Heinisch war der verschimmelte und einsturzgefährdete Zustand dieser Unterkunft schon jahrelang bekannt gewesen. Und einige Wochen vor dem Umzug versicherte Herr Heinisch, dass alles in bester Ordnung sei und der Hausmeister sich um alle technischen Probleme kümmere. Woher kommt dieser Sinneswandel? Nun ja, immerhin bekommt Heiligenhaus – wie jede andere Kommune – finanzielle Mittel vom Land NRW für die Aufnahme und Unterbringung von Geflüchteten. Sicher ist, dass sie nicht in die Instandhaltung der Container geflossen sind.

Momentan leben die Geflüchteten noch mit bis zu sieben Personen in einem Raum. Anfangs gab es keine Dusche und nur kaltes Wasser, aber wenigstens funktionierten die Kochmöglichkeiten und die Toiletten. Mittlerweile soll es auch eine Dusche für die 82 Bewohner*innen geben, die dort wahrscheinlich ein halbes Jahr leben müssen und nicht wie ausgemacht drei Monate. Das Flüchtlingsheim in Heiligenhaus soll abgerissen werden. Die alten Wohncontainer sollen durch neue ersetzt werden, und es ist angedacht, eine Küche und eine Sanitäranlage in Festbauweise zu errichten.

Aurélie de Gautier