Kein Naziaufmarsch am 21. September 2013 in Wuppertal!

Kommt ins Bergische Land, Nazipack verjagen!

Für den Tag vor der Bundestagswahl kündigen Nazis eine „nationale Großdemonstration” in Wuppertal an.

Die Nazi-Demo in Wuppertal, wie auch der geplante Aufmarsch am 31.8.2013 gegen die „Organisationsverbote“ in Dortmund, dient der militanten Nazi-Szene zur (bundesweiten) Etablierung ihrer Doppelstrategie: einerseits offen nationalsozialistisch und gewalttätig zu agieren und andererseits offensiv die Privilegien einer legalen Partei auszunutzen.

Anmelder des Naziaufmarsches, zu dem die Nazis 300 Teilnehmer*innen erwarten, ist der „Die Rechte”-Parteivorsitzende Christian Worch. Hinter der Demo stecken die Wuppertaler Nazis der Kameradschaft „Nationale Sozialisten Wuppertal”, die für eine Vielzahl von schwersten Straftaten (Cinemaxx-Überfall, Flohmarkt-Überfall, Schändungen von Denkmälern, Messerstechereien und schwere Körperverletzungen etc.) verantwortlich sind. Die Wuppertaler Nazis organisieren sich seit Ende Januar 2013 in einem Kreisverband der Neonazi-Partei „Die Rechte”.

Auch 2013 wollen die Nazis wieder zum Autonomen Zentrum marschieren. Jetzt haben die bekennenden Nationalsozialisten in ihrer Demo-Mobilisierung einen gravierenden Fehler gemacht: Auf ihrer „Parteiseite” bei Facebook und auf ihrer Partei-Mobilisierung für die Nazi-Demonstration am 21. September haben sie am 16. Juni 2013 für einige Stunden einen sogenannten Mobi-Track mit einem Musikstück des Nazirappers Julian Fritsch gepostet. Hintergrundbild des Videos ist das offizielle Demo-Plakat. In dem extra für die Wuppertaler Demo-Mobilisierung produzierten Stück „Tränengasdusche” wird ganz unverhohlen zu Mord an politischen Gegner*innen und zur Schlacht in Wuppertal aufgerufen.

Zitate aus dem Musikstück:

„Zu uns kommen nur Motivierte! Wir bilden die Infanterie und ihr kriegt nur den durchgefickten Abfall von uns wie Marie. Achtung, wir kommen zu euch, jetzt wird es richtig deutsch, jetzt wird das K, ich meine das AZ, wieder richtig voll. Wir kommen in Unterzahl ins bunte Wuppertal. Unter der Tränengasdusche werden Wunder wahr. (...) Fickt euch! Ihr seid zum Glück bald tot, dann übernehmen wir das Ruder. (...) Wir machen weiter und weiter, bis euer Blut in unsere Wupper fließt. (...) Es ist immer ein Angriff auf uns alle! Kommt alle zur Schlacht von Wuppertal. Sommer 2013!“

Nach wenigen Stunden haben die Nazis aufgrund „rechtlicher Bedenken” den Mobi-Track von Makss Damage wieder von der parteioffiziellen Demo-Mobilisierungsseite entfernt. Die ursprüngliche Fassung kursiert aber weiterhin bei Youtube mit ausdrücklichem Hinweis auf die Mobilisierungsseite der Nazi-Demonstration.

Aktionskonzept 2013

Da nicht davon ausgegangen werden kann, dass der Nazi-Aufmarsch letztendlich verboten wird, haben die ersten Bündnis-Treffen bereits stattgefunden und die Vorbereitungen sind in vollem Gange.

Wie 2011 werden der Startpunkt der Nazi-Demo und die Route wahrscheinlich erst kurz vorher bekanntgegeben. Das bedeutet für alle antifaschistischen Kräfte, dass wir wieder sehr mobil sein müssen …

Das „Wuppertaler Bündnis gegen Nazis“, an dem Antifa-Strukturen beteiligt sind, veranstaltet ab 10:00 Uhr eine Kundgebung vor den City-Arkaden und will von dort aus gemeinsam und in großen Gruppen zum Aufmarsch der Nazis ziehen. Ebenso wurden weitere Kundgebungspunkte in der Stadt angemeldet.

Zudem schlagen wir wieder - wie 2011 - ein Anreisekonzept zur Verstopfung der Anreisewege der Nazis vor. Dieses beinhaltet eine gemeinsame organisierte Anreise unter dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ aus verschiedenen Städten mit dem Zug ab ca. 11:00 Uhr sowie eine Punktlandung 5 vor 12 möglichst am Auftaktort der Nazis.

Genaueres, sowie weitere Aktionen, wollen wir mit euch auf den Info- und Mobilisierungsveranstaltungen in möglichst vielen Städten besprechen.

Wenn IHR Interesse an einer Veranstaltung habt, schreibt einfach an das Antifa-Café!

Kontakt:
http://antifacafewuppertal.blogsport.eu
antifacafe-wuppertal [at] riseup.net
Twitter für den 21. September: https://twitter.com/Nazisweg


Hintergrund

Die Nazi-Szene in Wuppertal

Seit knapp einem Jahr vollzieht sich – ungestört von der staatlichen Macht – in der bundesweiten Nazi-Szene eine bemerkenswerte Transformation: die Verwandlung von verbotenen Nazi-Kameradschaften in eine legale Partei. Nachdem Ende August 2012 die Nazi-Kameradschaften „Nationaler Widerstand Dortmund“, „Kameradschaft Hamm“ und die „Kameradschaft Aachener Land“ vom Innenministerium NRW verboten wurden, sammelten sich die betroffenen Nazis umgehend in der kurz zuvor von Christian Worch gegründeten Kleinst-Partei „Die Rechte“.

2012/2013 gab es für die Wuppertaler Nazis einschneidende Veränderungen: Im März 2012 wurden wichtige Kader aus dem Rheinland und aus dem „Aktionsbüro Mittelrhein“ wegen krimineller Vereinigung inhaftiert, unter ihnen der Nazi-Kader Axel Reitz, Paul Breuer und Sven Skoda. Im April 2012 folgte dann die Razzia gegen den „Freundeskreis Rade“ wegen krimineller Vereinigung (Sascha Hütt, Marius Dörschel, Jack Schmitz, Jonas Ronsdorf etc.) (siehe: http://nrwrex.wordpress.com/2012/04/25/nrw-razzia-gegen-„freundeskreis-rade/).

Am 23. August 2012 erfolgte dann das Verbot der Kameradschaften in Dortmund, Aachen und Hamm.

Die einzige größere Nazi-Struktur, die von der Polizei verschont blieb, war die Kameradschaft „Nationale Sozialisten Wuppertal“. Offensichtlich haben die Wuppertaler Nazis, trotz zum Teil schwerster Straftaten, (Cinemaxx-Überfall, übrigens Teil des 129§ Verfahrens in Koblenz, Flohmarkt-Überfall etc.) Schutzengel beim Wuppertaler Staatsschutz und bei der Staatsanwaltschaft, die eine strafrechtliche Verfolgung verhindern. Oder ist es – wie vor 20 Jahren in Solingen – wieder der massive Einsatz von V-Leuten, der staatliches Vorgehen unmöglich macht? Aber auch ohne Verbot gründeten am 30. Januar 2013 einen eigenen Kreisverband der „Rechten“.

Die Wuppertaler Nazi-Szene umfasst etwa 30 Personen, die guten Kontakt zum „Freundeskreis Rade“ und zu Dortmunder und Aachener Nazi-Strukturen pflegen. Die Fluktuation ist bei den Nazis auch dieses Jahr erfreulich hoch, einige Nazis tauchen aktuell nicht mehr bei Aufmärschen auf, auch die Nazi-Kaderin Marie Leder hat sich von den Wuppertaler Nazistrukturen abgewandt.

Besonders gravierend für die junge Wuppertaler Nazi-Szene war sicherlich der Ausstieg ihres politischen Idols Axel Reitz. Gefährlich wurde aber die Aussage von David Hermann aus dem „AB Mittelrhein-Verfahren“, der im Cinemaxx-Prozess die überregionale Planung des Überfalls bezeugte und zur Verurteilung der Täter beitrug. Als dann schließlich bekannt wurde, dass auch Marie Leder ausführliche Aussagen beim LKA gemacht hatte, drehten die Nazis durch: sie „rotteten“ sich vor Leders neuer Wohnung zusammen, um sie von ihrer Aussage vor Gericht abzubringen, Kevin Koch machte am Telefon Morddrohungen und Lukas Bals drohte mit ihrer Vergewaltigung.

Kein Platz für Nazis

Erfreulich ist, dass die langjährigen Bemühungen von Antifaschist*innen, der Wuppertaler Öffentlichkeit die lokalen Nazis mit antifaschistischen Bildmappen vorzustellen, immer mehr Früchte tragen. Vor Kurzem wurden Nazis von Passant*innen in der Elberfelder Innenstadt mit dem Ruf „Das sind ja Nazis“ erkannt. Die Nazis verdrückten sich dann ängstlich in eine Kneipe, von wo sie dann vermutlich die Polizei riefen... (Quelle:Polizeipresse). Egal, wo die Nazis auftauchen, auf der Hardt (Parkanlage in Elberfeld), auf dem Elberfelder Cocktail oder sogar beim Hahnerberger Feuerwehrfest im Stadtteil Cronenberg, werden sie entdeckt und - meist höflich - aufgefordert zu verschwinden. Außerdem sind die Nazis in vielen Gaststätten im Stadtgebiet nicht erwünscht.

Die Nazis sind also angeschlagen. Um so wichtiger ist es, dass der Naziaufmarsch scheitert. Das könnte dazu führen, dass die Wuppertaler Nazistruktur nachhaltig geschwächt wird.

Vor der Demonstration am 21. September wird es eine Informationsveranstaltung in Düsseldorf geben. Den genauen Termin auf der TERZ-Seite nachschauen oder auf
http://ifuriosi.org oder
http://antifa-duesseldorf.de
Genauere Infos zur Demo unter:
http://antifacafewuppertal.blogsport.eu