Erfahrung, Kompetenz und neue Herausforderungen:

30 Jahre frauenberatungsstelle düsseldorf e.V.

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter. Oft variieren ihre Formen je nach Alter, kultureller Herkunft, körperlicher bzw. psychischer Verfassung und/oder geschlechtlicher Orientierung. Frauen erleben Gewalt auf unterschiedliche Weise und gehen unterschiedlich mit ihr um. Gemeinsam ist ihnen das Bedürfnis nach adäquater, wertschätzender Beratung und Hilfe. Diese Unterstützung bietet die frauenberatungsstelle düsseldorf e. V. seit 30 Jahren.

Den Anfang machte ein Projekt von Studierenden an der Düsseldorfer Fachhochschule zum Thema „Gewalt an Frauen“. 1982 entstand der Verein „Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen“. Der Einsatz für grundlegende Verbesserungen der Situation von Frauen, vor allem derer, die Opfer von Gewalt wurden, war von Anfang an das angestrebte Ziel des Vereins. Nach und nach wurden – den Nachfragen und dem Bedarf entsprechend – die Angebote ausgebaut. Heute gibt es in der Ackerstraße vielfältige Unterstützungsangebote in den Arbeitsbereichen Frauen in Gewaltbeziehung/Häusliche Gewalt, Trennung/Scheidung, Notruf für vergewaltigte Frauen, Sexualisierte Gewalt in der Kindheit, Lesben beraten Lesben, Migrantinnen beraten Migrantinnen, Fachstelle für Opfer von Frauenhandel.

Die autonome Opferhilfeeinrichtung ist exklusiv für Frauen und barrierefrei.

Die Frauenberatungsstelle kämpft konsequent gegen jegliche Form der Diskriminierung von Frauen. Durch kontinuierliche und kompetente Arbeit in den fachlichen Vernetzungen und durch Prävention auf örtlicher, regionaler, nationaler sowie internationaler Ebene sowie durch intensive Öffentlichkeitsarbeit unterstützt sie alle Maßnahmen, die vorbeugend gegen Gewalt wirken und zur gesellschaftlichen Ächtung von Gewalt führen.

10 Jahre Frauen-Krisentelefon

Ein weiteres Jubiläum begeht die Frauenberatungsstelle in diesem Jahr: Seit 2002 gibt es das Frauen-Krisentelefon. Hier sind qualifizierte Beraterinnen täglich von 10 bis 22 Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen, zu erreichen.

Dieses Angebot wird nicht mit öffentlichen Mitteln gefördert. Allein das hohe Engagement der Mitarbeiterinnen und die konstanten für diesen Zweck bestimmten Spendeneinnahmen machen das Aufrechterhalten dieser Hilfe für Frauen in akuten Krisen möglich.

Neue Interventionsstelle

Zum Jahresbeginn hat die Frauenberatungsstelle ein neues Projekt zunächst für die Dauer eines Jahres gestartet: die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt. Sie soll eine zeitnahe, qualifizierte Unterstützung für Opfer häuslicher Gewalt gewährleisten. In den letzten Jahren hat nämlich die Zahl der von der Polizei übermittelten Fällen häuslicher Gewalt (nach dem Gewaltschutzgesetz und § 34a Polizeigesetz NRW von 2002) derart zugenommen, dass die Nachfragen mit dem vorhandenen Beratungspersonal nicht mehr zu bewältigen sind.

Der sog. Pro-aktive Ansatz erreicht insbesondere solche Gewaltopfer, die sich bisher eher selten an das Hilfenetz in Düsseldorf wenden. Darunter ist ein hoher Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund, die mit dem deutschen (Hilfe-)System oft wenig vertraut sind. Erst über den Notruf bei der Polizei und die Vermittlung an die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt erhalten sie die erforderliche Information und Hilfe.

In den vergangenen Jahren ist die von der Polizei erfasste Anzahl der männlichen Opfer häuslicher Gewalt ebenfalls gestiegen. Die gendergerechte Ausgestaltung der pro-aktiven Beratung in der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt kann den ersten Schritt in das bestehende Hilfesystem für männliche Opfer häuslicher Gewalt enorm erleichtern.

Bis März 2013 werden alle nicht zweckgebundenen Spenden, Bußgelder u. a. für die Frauenberatungsstelle ausschließlich für dieses zunächst auf ein Jahr befristete Projekt eingesetzt. Alle anderen Vorhaben werden zurückgestellt. Das Projekt kann aber nur dann fortgeführt werden, wenn es durch eine verlässliche Finanzierung abgesichert werden kann.

Highlight im November

Zum 30-jährigen Geburtstag schenkt Doris Gercke der Frauenberatungsstelle eine Benefizlesung. Bekannt geworden ist die Schriftstellerin vor allem durch ihre Kriminalromane mit Bella Block. Über die Kommissarin, vielfach dargestellt von Hannelore Hoger, sagt Doris Gercke, ihr Blick sei „ein weiblicher Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse“, und sie stehe „von Anfang an auf der Seite der Frauen“.

Doris Gercke liest am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (25. Nov. 2012) aus ihrem gerade zur Buchmesse erschienenen neuen Roman „Zwischen Nacht und Tag“ und aus dem Gedichtband „Eisnester“. Die Benefizlesung findet im zakk in der Fichtenstraße statt, das damit die Frauenberatungsstelle ebenfalls unterstützt.

Die Mitarbeiterinnen der Einrichtung wünschen sich einen interessanten und spannenden Sonntagvormittag für die Besucher_innen und sich selbst und natürlich auch die eine oder andere Spende zur Finanzierung der neuen Interventionsstelle.


frauenberatungsstelle düsseldorf e.V.
Ackerstraße 144 (im Hof)
40233 Düsseldorf

www.frauenberatungsstelle.de
info [at] frauenberatungsstelle.de

Persönliche Beratung – anonym und kostenfrei – nach Absprache (auch kurzfristig) möglich.

Telefonische Beratung:
(0211) 68 68 54
Mo, Mi: 14 – 18 Uhr
Di, Do, Fr: 10 – 14 Uhr

Frauen-Krisentelefon:
(0211) 68 68 54
Täglich: 10 – 22 Uhr

Spendenkonto:
7629-431
Postbank Essen
BLZ 360 100 43

Veranstaltungshinweis:
Benefizlesung mit Doris Gercke
am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen
So., 25. November 2012, 11 – 13 Uhr
zakk, Fichtenstr. 40, 40233 Düsseldorf

25 / 15 Euro, kleines Frühstück inkl.
Für Frauen und Männer