MADE MY DAY

by HONKER

"Jeder real existierende Staat ist korrupt." – Wenn es stimmt, was Ralph Waldo Emerson einmal schrieb, dann befinden wir uns auch weiterhin im permanenten Widerspruch zwischen der totalen Ablehnung dessen, was uns weltweit immer noch als demokratische Politik verkauft wird und der totalen Utopie eines sich nie real manifestierbaren Anti-Staatengebildes. Und nach wie vor gilt dabei ganz profan, dass die Bezeichnung "Korrupte Politikerschweine" den allgegenwärtigen Heiligenschwein des ewigen dreifachen Pleonasmus der kommenden Postdemokratie bildet. Sie, und nur sie, haben als Marionetten der Banken die Europapolitik versiebt. Und durch die Re-Konstruktion der Bankenkrise als einer Staatsschuldenkrise stellen sie jetzt scheißedreist neue Regeln für die Berechnung und Tilgung öffentlicher Schulden auf. "Spanien hat 130.000 Ärzte, aber 450.000 Politiker", so ein Chirurg der Uni-Klinik in Puerto Real. 120 der 750 Betten sind dort gestrichen, die Regierung aber ordnet Sparen bei Medikamenten an. Der Deutsche Bundestag verkaufte hingegen im Juli Bürgerrechte in nur 57 Sekunden, als von einigen wenigen Anwesenden – der Rest schaute wahrscheinlich das Länderspiel – beschlossen wurde, dass Meldeämter ganz legal alle Bürger_innen-Daten an Adressenhändler_innen und Werbetreibende weitergeben dürfen. Neben den letztlichen Diäten-Erhöhungen um 500 Euro im Düsseldorfer Landtag belegt das einen weiteren Nullpunkt des deutschen Parlamentarismus. Hinterher waren natürlich alle Dummen etwas schlauer und fanden das furchtbar doof ’n’ heikel, aber einmal mehr wurde klar: Diese Demokratie funktioniert nicht, sie schläft grabsteinfelsenfest und schnarcht leise vor sich hin. Kleine Dinge lassen aber stets große Schatten erkennen: Bei den aktuellen Gemeinderatswahlen im österreichischen Burgenland wurden 3.143 Gemeinderatssitze für insgesamt 290.000 Einwohner_innen verteilt – das sind 92 Leute für einen Gemeinderatsposten. Keine Frage, dass das Ergebnis der Wahl schnarchschnurzpiepegal war: Alles läuft wie überall mit einigen wenigen Kulissenschiebungen weiter so wie bisher: Es gibt eh keine Auswahl, also wird gewählt, was da ist. Das System ist wie stets ausschließlich auf Stillstand und Erhaltung des Bestehenden ausgerichtet, und der temporäre Wahlzirkus legitimiert den immer derberen Schwachsinn der Politik. Postdemokratische Zombies everywhere: in Italien haben Politiker aus Berlusconis Partei in der Region Latium Fraktionsgelder hinterzogen und tatsächlich – Sitten wie im alten Rom – rauschende Feste in Toga und Tunika damit gefeiert. Für die Abgeordneten war jeder Tag Ostern und Weihnachten zugleich: Autos, Reisen, Hotelaufenthalte, Partys und Feinschmeckereien wurden samt und sonders aus der Parteikasse bezahlt. Allein Fraktionschef Franco ‚Batman’ Fiorito überwies sich mal eben 1,4 Mios auf ein Privatkonto in Spanien, insgesamt verprassten die Abgeordneten 15 Mios Fraktionsgelder in zwei Jahren – das brachte sogar die korruptionsgewohnten Italiener_innen zum Schlucken. ‚Laziogate’ sei der Kollaps eines Systems, so die Italo-Presse, man habe eine Politiker_innen-Klasse herangezogen, die in Diebstahl ihren Lebensinhalt sieht. Späte Einsicht in wenig Neues. Ede Stoiber hingegen glückte hierzulande die bisher schlüssigst-genialste Sinnlosigkeitserklärung einer Reichensteuer: Der bürokratische Zusatzaufwand dafür wäre fast centgenau so hoch wie die Einnahmen. Darauf muss man erstmal kommen. Berückend-verrückt aber wie stets derzeit die lieben Griechen: Während die Tranchengelder komplett an der Bevölkerung vorbei in die Taschen der Gläubiger rasseln, will die Regierung in Chalandritsa bei Patras in eine Formel-1-Strecke investieren, samt Hubschrauber-Landeplatz, Marina und Hotelinfrastruktur. Fast ein Drittel der geplanten 95 Mio. Euro, die in Hellas bekanntlich so sprudeln wie das Orakel von Delphi, will die Regierung zuschießen – während gleichzeitig Autobahnprojekte stillstehen, weil schlicht kein Geld da ist oder die wichtige Straße von Patras nach Korinth eine einspurige Todesstrecke bleiben muss, da aus Geldmangel nicht weitergearbeitet wird. Wahnsinn galore, doch den Vogel des Politiker_innen-Irrsinns schießt dann aber doch Fucktor Orban ab: Der ungarische Märchenonkel erzählt seinem schläfrigen Volke in einer derben Blut-und-Boden-Rede vom Magical-Mystery-Turul, dem National-Vogel, den die Ungarn haben, und im O-Ton liest sich das ungelogen wie eine imaginäre Rede aus ‚Herr der Ringe’. Klar ist der Typ völlig durch, aber wie durch – oder verzweifelt, um ihnen noch ein wenig Würde zu geben – müssen erst 2/3 der Ungar_innen sein, derart national-lobotomisierte Hanswürste zu wählen? Und wo bleibt der Herbststurm? Demonstrationen bleiben trotz Hunderttausenden zu klein, aber was solls’s, so die Zyniker_innen, würden sie wirklich etwas ändern können, wären sie eh verboten. Was blüht uns gegen die grassierende Schweinepest: Solidarität oder alle gegen alle? Ton ab.

JANEK SCHAFER: DOUBLE EXPOSURE (crónica) Als einer der immer noch jüngsten, besten und daher bereits respektiertesten Komponist_innen, Musiker_innen und Klangkünstler_innen ist der Brite hier mit einer sehr bemerkenswerten Compilation von Arbeiten der Jahre 2005 bis 2011 zu entdecken. Das Audio ist wunderbar in seiner Dialektik aus sinnlich-konkreter Tiefe und kühl-designter Opulenz, wirkt wie ein komponiert-konzeptioniertes Studioalbum und ist einfach nur großartig.

KUTIN: IVORY (valeot) Als Peter Kutin für das Österreichische Filmarchiv neue Musik für alte Stummfilme schrieb, entwickelte der Klangarbeiter parallel sein drittes Soloalbum. Hauptsächlich mit prozessierter Gitarre produziert und nur mit wenigen zusätzlichen Instrumenten wie Viola, Korg Synth oder Standbass, entwickelt sich in diesen 7 Stücken eine enorme Reichhaltigkeit an Klang und Stimmung. Sehr gelungenes dichtes Album mit langem Nachhall.

MARCUS FISCHER: COLLECTED DUST (tench) Der Musiker und Multimediakünstler trug 2009 bis 2010 jeden Tag etwas in seinen Blog ‚dust breeding’ ein, z. B. Fotos, field recordings, Design, Video oder eben DIY-Experimente und Musik. Diese 7 sehr schönen minimalen elektroakustischen Ambientstücke erschienen zuerst dort, wurden hier aber überarbeitet und von Taylor Deupree gemastered. Digitalmeditationen aus Geduld und Gelassenheit.

SIMON SCOTT: BELOW SEA LEVEL (12k) Scotts Release auf Deuprees Label hat die akustische Erforschung der Fenlands, dem extrem flachen und oft unter Meerespiegel liegenden Marschgebiet in Ostengland zum Thema. Zwei Jahre lang nahm er mit Hydrophonen und selbstgebauten Aufnahmegeräten das Land auf und lotete Geschichte und Kontext dieser einzigartigen Landschaft auf. Erwartungsgemäß läuft das Audio auch ohne Subtext toll, mit aber noch besser.

MINAMO: DOCUMENTAL (room 40) Bleiben wir bei ruhigen, aber intensiven Klangtexturen. Das Elektroakustik-Improv-Quartett aus Tokyo geht dabei gewohnt tief, konzentriert und bei aller Minimalität und Selbstbeschränkung bei der Exploration und Strukturierung von Material und Emotion so präzise wie schweifend, überraschend und bei aller Pointilierung nahezu frei zu Werke. Die konstruierte Distanz zwischen den sich reflektierenden Details ist bewegend, ihre fließende Verbindung organisch. Besser als jede noch so nach einem Hochkulturstempel lechzende zeitgenössische ‚Kammermusik’. Hier geht’s raus.

ALEXANDER TUCKER: THIRD MOUTH (thrill jockey) Etwas bis ziemlich durchgeknallt, aber wunderschön, was der berückende Avant-Freak-Folker hier abliefert: Anstatt des 3. Auges gibt’s heuer einen 3. Mund, durch den sich psychedelisch-spirituelle Töne und Stimmen aus einer anderen Dimension den Weg in unseren everprofanen Alltag bahnen. Mal etwas verschroben-duster und far away, dann wieder urorganisch und extrem mit dem Boden verwachsen.

DAPAYK SOLO: FENOU BOUQUET VOL. 2 (fenou) Dapayk kann Leben retten. Na, vielleicht nicht ganz, aber mindestens den Alltag. Hier mixt der Chef: Feine Label-Spezereien ergeben ein wunderbar entspanntes, anregendes und leckeres Menü mit harmonie-verliebten Microhouse-Vorspeisen, klopfenden Minimal-Herzen als Hauptspeise und abstrakten Chill-Gewürzen als Nachtisch.

EROL ALKAN: ANOTHER BUGGED OUT MIX & SELECTION (!k7) Andere Baustelle, ähnlich begeisternder Output: Alkan ist als DJ ein Nuggetsdigger mit wirklich enormem Hintergrundwissen, der vor allem eines richtig erkannt hat: dass das Internet zwar demokratisiert und verfügbar macht, aber eben nur einen Bruchteil von der Musik bietet, die es gibt. Also, Spaten und Tiefenbohrer raus, ab ins Sedimentgestein, ab in die Gewölbe, Staubtuch nass machen und raus mit den Dingern. Einmal Club, einmal Homelistening. Jau.

RECOMPOSED BY MAX RICHTER: VIVALDI THE FOUR SEASONS (deutsche grammophon) Apropos Staubtuch raus: wirklich erstaunlich, wie sich die Recomposed-Reihe mittlerweile als feste Bank zwischen Klassikvermittlung und Neuinterpretation etabliert und bewährt hat. Filmkomponist Richter macht mit den Jahreszeiten, einem der bekanntesten und durch häufigen Medien- und Alltagsgebrauch scheinbar rundgelutschtesten Klassikstück überhaupt, dann aber doch noch mal was ganz anderes: Mit dem Kammerorchester Konzerthaus Berlin mit Daniel Hope und André de Ridder gibt es die erste Neueinspielung und kompositorische Neubearbeitung. Vivaldis "Patterns" werden mit den Grundlagen der Minimal Music verbunden. Eine dialektische Wiedergeburt im Sinne von Neoklassik und Moderne, die mitunter an John Adams erinnert.

GRIZZLY BEAR: SHIELDS (warp) Und wie gut sie sind! Sehr überzeugend, was die Brooklyner Band hier auf dem Viertling auftischen. Gleich der Einstieg "Sleeping Ute" spinnt die besten festen Fäden zur feinsten 60ies Psychedelia, und es wird dann nur noch besser und bester. Ein Songalbum, das sofort einnimmt – selten genug in diesen Tagen – und dann auch noch mit der Zeit wächst, gedeiht und stetig neue seltsame aber wunderschöne Blüten ins Gehörhirn schlägt. Schon jetzt eines der jahresbesten Alben for sure.

SWEET LIGHTS: SWEET LIGHTS (highline) Darling, hast Du die John-Lennon-Tabletten gesehen? Shaio Halperin muss es zugeben: nicht nur eine, sondern die ganze Flasche. Die schmecken aber auch so gut, und was da rauskommt, ist trotzdem oder gerade deshalb sehr eigen und transformiert das eigene Fan-Tum weit in die Gegenwart hinein. Lennonesk also, aber nicht nur: Unabsichtlich, unprätentiös, singt er nur sein Herz raus. Aufheben, aufessen, gut!

THE WOODEN SKY: EVERY CHILD A DAUGHTER, EVERY MOON A SUN (loose) Wir wissen nicht, ob der Titel einem vor einer Minute entdeckten William-Blake-Gedicht entsprang oder einer lecker lysergsäuregetränkten Nacktmeditations-Session auf einem hohen Hügel – Fakt ist: Es gibt derzeit viel gute Musik da draußen – und diese Band aus Toronto gehört zu den besten und größten Überraschungen. Nicht, weil ihr Stil – ein sehr komplexer, soulfuller und gleichsam feist und selbstbewusst auftretender Country-Folk mit Indie-Bewusstsein – so bahnbrechend neu ist, nein: Es ist die Klar- und Stimmigkeit, die dieser Band eine – Anschnallen! – geile Authentizität verleiht. Checker checken zunächst ihr Kirchenkonzert auf Vimeo – und bleiben. Urgroßes schönes Ding.

V.A.: WIEN MUSIK 2012 (monkey) Ha und Ja doch: Wer eine Wien-Compilation mit dem Karl Kraus-Burnerspruch "’Wien bleibt Wien’ ist keine Feststellung, sondern eine Drohung" beginnt, kann kein schlechter Mensch sein. 19 teils erstklassige, unterhaltsame Tracks, den kein überzeugt bahnhofsverpennter Gary Grant der Jetztzeit auslassen darf und die eine exquisite Auslese der allerbesten Wienlieder der Letztzeit darstellen. Alles andere ist vollgeschissene Kleinkunst oder geldzugeschissene Hochkultur. Aber hier schlägt das schmierige Herz des weltfiesesten Dialekts, und Prater reimt sich immer noch wie sich’s gehört auf Psychiater. Trotz Absacker ein feines Teil.

BRASSTRONAUT: MEAN SUN (tin angel) Stimmungsvolles Downtempo-Songwriting zwischen Fantasy-Depression und Rechnungsbrief aufreißen. Der Zweitling des Sextetts aus Vancouver überzeugt vor allem durch seine Fähigkeit, schluffiges Understatement zu weiter Alltagsvision zu schärfen. Ok.

VELVE: NOVELETTES OF LOVE (velve) Unklar, ob die Waschzettelinfo ernst zu nehmen ist, dass nämlich ihre ‚samtige’ Stimme auch Smartphones, Navis und AirBerlin-Flüge beschallt – anyway, das darf ich Euch natürlich nicht vorenthalten. Stell Dir vor, das GPS fängt an zu singen. Also ich find das jetzt nicht so äh nun ja. Das zugeschriebene "confessional songwriting" dreht sich häufiger um Kaputtnik-Beziehungen und Trennungen – Karneval sieht anders aus. Mitunter opulent und stimmig, glänzt und reibt – und geht grad noch durch.

KAT FRANKIE: PLEASE DON’T GIVE ME WHAT I WANT (zellephan) Wenn confessional songwriting, dann bitte gleich Kat Frankie, die hier ihr bislang bestes Album aufgenommen hat. Und dabei gleich noch über dieses eh blöde Etikett weit hinausgewachsen ist. In den sehr trockenen, ja oft knochig und transparent wirkenden Songs bricht sich eine faszinierende Mischung aus Chanson und Gospelblues Bahn, die mitunter an die Intensität einer Lisa Gerrard oder PJ Harvey erinnert, sich aber ganz eigene Vokaltechniken erarbeitet.

DARK ORANGE: HORIZONT (kalinkaland) Der ätherisch-melodramatische Dream-Goth der Hamburger kam und kommt leider nie an die Klasse der Cocteau Twins heran, obschon Robin Guthrie ein großer Fan der Band ist und auch bei den Interpretationen, die dem neuen Album als zweite CD beiliegen, mitmischt, neben Reminiszenzen an And also the Trees und Slowdive. Sonst leider viel zu viel Bombast und Neoromantik und Texte zum Kopfschütteln.

THE EX: UNIVERSAL AROMAVISION (songsurfer) Leider nicht Elmar, sondern Claus Altvater ist Executive Producer dieser superobskuren spanischen ElektroSmogProgBand, bei der zu allem Überfluss auch noch ausgerechnet Al di Meola mitmischt. Manchmal ist das Leben wirklich so richtig hart …

DIE DICKEN FINGER: OFF ROAD CORE (gligg) Da braucht’s dann schon eine gehörige Portion herzhaft rauen Trio-Improv, um diese bösen Geister zu exerzieren. Lärm-Noise-Etüden von Olaf Rupp am langgezogenen 6-Saiter, Jan Roder als fingernervöser Fuckel-Groover im Mittelfeld und Oli Steidle als kompromissloser Daschtrommelaußenverteidiger lassen die Luzie in sechs völlig ge- und versprengten JazzImprovRock-Dingern fingern äh krachen. Fein.

SVEN KACIREK: SCARLET PITCH DREAMS (pingipung) Der Hamburger ist zum einen als virtuoser Jazz-Drummer bekannt, zum anderen als Erforscher von digitalen Texturen von DubTechno bis Clicks ’n’ Cuts. Hatte er zuvor mit kenianischen Drummern Rhythmen kollektiv ausgelotet, sind diese faszinierenden und multiperkussiv-harmonischen und zunächst notierten Stücke fast alle solo eingespielt. Gäste sind u. a. ‚Kat Cosm’-Vokalistin Jana Plewa, Braxton-Mitspieler Johannes Huth oder Evan-Parker-Spieler John Eckhardt.

SONGS FOR KOMMENO (intakt) Als Günter Baby Sommer im Sommer 2008 ins griechische Kommeno eingeladen wurde, wusste er genau nichts über die jüngere Geschichte des abseits aller touristischen Routen liegenden Ortes, in dem am 16.8.1943 von der Wehrmacht 317 Einwohner_innen ermordet worden waren. Nachdem er in der Nacht ein ihm vom Bürgermeister gegebenes Buch darüber gelesen hatte, beschloss er, am nächsten Tag sofort abzureisen. Dann jedoch blieb er. Es entwickelte sich die Geschichte einer vorsichtigen Annäherung, um das Unfassbare fassbar zu machen und dem Vergessen in jedem Fall entgegenzuwirken. Mit vier griechischen Musiker_innen erarbeitete der Drummer diese „Songs“ und führte sie am 16.8.2012 auf dem Dorfplatz, u. a. mit dem Gesang einer 82-jährigen Überlebenden des Massakers, auf. Es war und ist dies mehr als eine Geste der Versöhnung: Es ist ein universeller und doch sehr konkreter Akt, gerade in diesen Zeiten des ökonomischen Neids und Zwiespalts. Noch weitere Konzerte könnten bzw. müssten in anderen Orten folgen: Erst Anfang Oktober hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart jegliche weitere Ermittlungen gegen die SS-Soldaten, die am 12.8.1944 im toskanischen Bergdorf Sant’Anna di Stazzema 560 Menschen getötet hatten – darunter mehr als 100 Kinder –, eingestellt. Man könne keinem der Täter die zwingende Teilnahme an einem Vernichtungskrieg nachweisen. Totschlag aber sei verjährt.

Das Recht dieser Politik ist nicht unser Recht. Weiter ziehen – gegen die grassierende Schweinepest. Solidarität statt alle gegen alle.