Glanz & Glamour für den ESC

Erstmals findet in Düsseldorf nach der gescheiterten Olympia-Bewerbung für das Jahr 2012 ein Event statt, bei dem Elbers & Co. sich in "IHRER" Stadt endlich einmal von der besten Seite zeigen können: der Eurovision Song Contest.

Umfragen ergaben, dass nur knapp 60% der Düsseldorfer_innen sich auf den Event freuen und die restlichen Menschen glücklicherweise noch nicht vom Hype erfasst wurden.

Der Eurovision Song Contest (ESC) ist ein internationaler Musikwettbewerb von Komponist_innen und Songschreiber_innen. Jedes Land, das Mitglied der Europäischen Rundfunkunion ist, kann eine Künstler_in nominieren und hat grundsätzlich die Möglichkeit, am ESC teilzunehmen. Beim ESC sind Deutschland, Frankreich, England, Spanien und seit diesem Jahr auch wieder Italien für das Finale gesetzt, weil sie am meisten Geld an die Rundfunkunion zahlen. Länder mit weniger Geld müssen erst mehrere Vorrunden überstehen.

Beim ESC stehen Nationen im Wettbewerb zueinander, und der ESC wurde schon einige Male zur nationalen Angelegenheit erklärt. Die letztjährige Siegerin Lena wurde bei ihrer Ankunft in Hannover mit "Willkommen zurück auf deutschem Boden" begrüßt.

Auch in Düsseldorf steht nicht nur die Musik im Vordergrund. Der Event soll Geld in die Stadtkasse spülen und der Stadt in ganz Europa zu Prestige verhelfen. Dabei geht es vor allem darum, Düsseldorf mit Hilfe von Kultur als Wirtschaftsstadt zu präsentieren. So soll die Stadt konkurrenzfähig gemacht werden, um weiteres Kapital in die Stadt zu holen.

Damit sich die Stadt Düsseldorf von ihrer Glanzseite zeigen kann, muss jedoch noch viel passieren. Einige Tage nach der Zusage wurde klar, was damit gemeint war: Baustellen stören natürlich die Tourist_innen, und so wurde festgelegt, dass einige Baustellen, u.a. die Wehrhahnlinie, kurz vor dem ESC erst einmal gestoppt werden. Da sie sich nicht in Luft auflösen können, werden einfach die seitlichen Begrenzungen, wie am Jan-Wellem-Platz zu sehen, abgehangen.

Die Altstadt bekommt eine neue Pflasterung und Fortuna ein neues Stadion. Die Stadt Düsseldorf bewarb sich mit der Esprit-Arena als Austragungsort. Dass Fortuna Düsseldorf im Mai 2011 aber noch eine laufende Saison mit Heimspielen zu absolvieren hat, sollte selbstverständlich kein Problem darstellen. Nach einigen Anfragen in den Nebenstädten für ein Ausweichstadion, z.B. in Bochum, genehmigte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) kurzerhand und trotz aller Bedenken den Umzug in das alte Paul-Janes-Stadion. Auf Grund von Sicherheitsbedenken mussten die Pläne, zurück an den Flinger Broich zu ziehen, dann aber doch verworfen werden.

Eine neue Idee musste her: ein "mobiles" Stadion hinter der Esprit-Arena sollte aus dem Boden gestampft werden. Das nach Playmobil-Prinzip gebaute Stadion soll Platz für bis zu 20.000 Zuschauer_innen bieten. Das Stadion hat jedoch bis heute (Ende März) keine Genehmigung der DFL zum Austragen von Zweitligaspielen.

Für die vielen Menschen, die zum ESC nach Düsseldorf kommen, gibt es in dieser Zeit nicht genug Hotelzimmer, denn es findet, wie bereits länger bekannt, zeitgleich eine große Messe statt. Die Lösung des Problems? Elbers fordert die Bürger_innen Düsseldorfs auf, ihre Keller, Privatzimmer, Rumpelecken, ihre Wohnungen und Häuser schick zu machen, um diese an die Gäste des ESC zu vermieten.

Zeitgleich gibt es in Düsseldorf immer noch hunderte Menschen, die auf der Straße leben!

Düsseldorf räumt auf. Dazu gehört für die Stadt und ihren OSD, die Straßen "sauber" zu bekommen. Massive Kontrollen von Obdachlosen und drogenabhängigen Menschen sind die Folge. Sie passen natürlich nicht in das glamouröse Bild, das Europa von Düsseldorf bekommen soll.

Düsseldorf sei laut OB Elbers "facettenreich", und das will er mit einem Umzug von Heimat?, Schützen- und Karnevalsvereinen am ESC-Finaltag zeigen: Düsseldorf sei stolz auf sein Brauchtum. Zu diesen Facetten gehören natürlich keine marginalisierten Gruppen, denn sie passen nicht zum Mode-, Wirtschafts- und Schickimicki-Image der Stadt.

Diese Dinge sind nur ein paar Beispiele dafür, wie sich Düsseldorf für die Weltgäste schniegeln und striegeln will. Die Liste ist weiter ausbaubar. Die Düsseldorfer Bewohner_innen müssen sich also in der ESC-Zeit auf unübersehbare Veränderungen gefasst machen. Ob dies allen so gefällt, sei dahingestellt.

Einigen Leuten gefällt dies und einiges anderes so gar nicht. Deshalb hat sich ein Bündnis gegen die Folgen der Austragung für die Stadt und zur Kritik der hinter dieser Veranstaltung stehenden Mechanismen gegründet. Dieses Bündnis will ein Zeichen setzen gegen Vertreibung, Nationalismus und eine auf Standortinteressen ausgerichtete Stadtpolitik.

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